Herbstentwicklung 2017 meist überdurchschnittlich gut

Bei ausreichender Feuchte konnten sich in diesem Herbst – völlig anders als im Vorjahr, verbreitet gute bis üppige Rapsbestände mit hohen N-Aufnahmen entwickeln.

Sie eignen sich hervorragend für eine angepasste, reduzierte N-Düngung nach Frischmasse. Im Norden war es dagegen oft zu nass, Folge sind Nährstoffauswaschungen, fehlender Wurzeltiefgang und frühe Phoma-Blattinfektionen.

 

N-Aufnahme vor Winter dokumentieren

Nicht nur für üppige Rapse lohnt sich die Bestimmung der N-Aufnahme im Herbst. Auch bei schwachen Beständen wird es interessant sein, ob es über Winter zu einem Wachstum kommt oder die Entwicklung rückwärts verläuft. Für die Bestimmung der N-Aufnahme steht z.B. das YARA ImageIT-Modul per Smartphone unter m.rapool.de kostenlos zur Verfügung. Die Frischmassewiegung kann und sollte bei stärkeren Blattverlusten im Frühjahr bis zum Vegetationsbeginn wiederholt werden, um dann aus dem Mittelwert aus der Herbst- und Frühjahrswiegung das N-Einsparpotenzial zu errechnen. Das Thema gewinnt durch die novellierte Düngeverordnung deutlich an Brisanz.

Rapserdfloh-Kontrolle zu Vegetationsende beugt bösen Überraschungen vor

Zumindest im nordwestdeutschen Raum wurden Mitte bis Ende November bei Pflanzenkontrollen teilweise mittlere bis hohe Rapserdfloh-Larvenzahlen gefunden. Prüfen Sie bitte insbesondere Flächen ohne Herbstbehandlung auf Larvenbefall in den Blattstielen. Offensichtlich waren die letzten warmen Tage Mitte Oktober für den Rapserdfloh noch günstig zur Eiablage und den Larvenschlupf, was die nun zu findenden jungen L1-Larven erklärt. Bei Temperaturen unter +4°C verläuft die weitere Larvenentwicklung nur sehr langsam. Ein „normaler“ Winter sollte also, falls ein Larvenbefall festgestellt wird, diesen „einfrieren“ und bis ins Frühjahr konservieren. Folgen aber wiederholt längere, wärmere Phasen, so können sich Larvenschlupf und Larvenentwicklung auch im Winter fortsetzen.

 

Werden an mindestens 60 % (schwacher Bestand) bis 80% (kräftiger Bestand) der Pflanzen in den Blattstielen die typischen Verbräunungen, Bohrlöcher oder Larven gefunden, so sollte die weitere Larvenentwicklung aufmerksam beobachtet werden, um ggf. mit der ersten Frühjahrsmaßnahme noch eine Bekämpfung durchzuführen. Mit zugelassenen Pyrethroiden können große L3-Larven nicht mehr, kleinere Larven aber auch im zeitigen Frühjahr noch mit ausreichendem Erfolg dezimiert werden. Bei geringem Larvenbesatz ist aus Resistenzmanagementgründen eine gezielte Behandlung weder jetzt noch im zeitigen Frühjahr sinnvoll.

Tipp: Kontrollieren Sie nicht nur die Blattstiele, sondern auch die Wurzeln auf ihre Verzweigung, den Wurzeltiefgang sowie mögliche Schäden durch Kohlfliegenmaden oder Kohlhernie.

 

Ist noch ein Herbizideinsatz notwendig?

Sobald die Bodentemperaturen dauerhaft unter +10°C gesunken sind und die Pflanzen sich in Winterruhe befinden, kann bei Bedarf noch eine Herbizidbehandlung erfolgen. KERB FLO kann insbesondere gegen Ausfallgetreide und Ungräser wie Ackerfuchsschwanz und Trespen eingesetzt werden! Gegen AFU volle Aufwandmenge 1,875 l/ha einsetzen. Bei breiterer Verunkrautung bietet sich der Einsatz von MILESTONE an, dessen Wirkstoffe Propyzamid und Aminopyralid sowohl monocotyle als auch dicotyle Unkräuter wie Kamille, Kornblume oder Mohn erfassen. Zur optimalen Wirkung ist ein feuchter Boden mit feinkrümeliger Bodenstruktur vorteilhaft. Milestone kann auch auf gefrorenen, aber schneefreien Boden gespritzt werden. Die Wirkung, vor allem gegen Gräser, wird erst mit beginnender Vegetation im Frühjahr sichtbar. Achtung: keine  Anwendung nach bereits erfolgter Runway-Behandlung zulässig.

 

01.12.2017 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool Ring GmbH