Moderne Rapszüchtung - Sorte und deren Leistung im Vordergrund

Fortschritte in der klassischen Pflanzenzüchtung und Zuchtfortschritt im Raps.

Zuchtgarten Raps
 Zuchtgarten Raps
Die Rapszüchtung in Deutschland und Europa wird nach wie vor von klassischen Züchtungsverfahren bestimmt. Aber auch in der „klassischen“ Züchtung haben diverse moderne Verfahren Einzug gehalten. Seit vielen Jahren verkürzen biotechnologische Verfahren zum Beispiel mit Mikrosporen und Doppelhapploiden den Zuchtweg um viele Jahre und haben eine Vielzahl der Arbeiten, die früher auf dem Feld stattfanden ins Labor und Gewächshaus verlegt. So ist es möglich mehrere Generationen pro Jahr heranwachsen zu lassen und die frühen Generationen der Sortenentwicklung enorm zu beschleunigen. Gewünschte Sorteneigenschaften können dadurch schneller zur Marktreife gebracht werden und stehen dem Anbau somit früher zur Verfügung. Die Anforderungen des Marktes und Anbaus verändern sich immer schneller und das Sortenmaterial muss diesen Veränderungen ebenfalls in immer kürzer werdenden Intervallen angepasst werden. Mit der Verwendung moderner Technologien kann das Ergebnis einer Kreuzung beinahe vorausgesagt werden und ermöglicht so eine Reduzierung langwieriger und teurer Testkreuzungen im Feld. Die klassische Auslesezüchtung findet zusätzlich im Feld statt und ist unverzichtbar hinsichtlich der Überprüfung der Praxistauglichkeit der Sorten und findet daher weiterhin Anwendung in allen Zuchtbetrieben.

Zuchtfortschritt im Raps
 Zuchtfortschritt im Raps
In der Rapszüchtung der Rapool-Gesellschafter stehen drei Ziele im Fokus: Ertrag, Qualität und Resistenz. Bei keiner Pflanze hat die Ertrags- und Qualitätszüchtung solch großen Erfolg gezeigt wie bei Raps. Der Kornertrag ist seit 1985 durchschnittlich um 0,44 dt/ha pro Jahr angestiegen. Der Ölgehalt ist seit dem Jahr 2000 (Beginn der Aufzeichnung) um durchschnittlich 0,22% pro Jahr angestiegen. Die N-Effizienz der Sorten konnte parallel dazu deutlich gesteigert werden (s. Abbildung).

Die Qualitätszüchtung hat bei Raps eine jahrzehntelange Tradition. Sie hat den Raps eigentlich erst zu dem gemacht was er heute ist.
Die Qualitätsumstellungen auf 0- bzw. 00-Raps ermöglichten eine umfangreichere Verwertung der Öle und Schrote und haben sich dynamisch auf den Entwicklungsverlauf des Weltmarktes ausgewirkt. Erucasäure aus Raps spielt weltweit eine eher untergeordnete Rolle, ist aber ein fester Bestandteil in der Waschmittelindustrie geworden. Der Anbau der neuen Qualitätsölrapse high oleic-low linolenic (HOLLI) ist weltweit beinahe auf 1 Mio. ha angewachsen und wird mit einem jährlichem Wachstum von bis zu 10% geschätzt. Die größten Abnehmer von Rapsöl sind die Biodieselindustrie und die Fettchemie. Rapsöl ist flüssig, ist gut zu pumpen, zu lagern und zu dosieren und hat einen hohen Energiegehalt. Damit sind ideale Voraussetzungen für die energetische Verwendung in der mobilen Welt vorhanden.

Bei den Züchtern des Rapool-Ringes steht die Sorte und deren Leistung immer im Vordergrund. Viele ackerbauliche Entwicklungen sind ausgeschöpft und aufgrund eines veränderten Umweltbewusstsein und einer nachhaltigen Produktion sind umfangreiche Ertragssteigerungen durch Pflanzenschutz und Dünger in Deutschland nicht mehr zu erwarten. Der Ertragsfortschritt muss also immer stärker von der Sortengenetik und demnach von der Züchtung geleistet werden.
Saatgut und Sorte sowie die Beizausstattung versprechen in der Zukunft weiterhin großen Fortschritt und sind unverwechselbar im zertifizierten Saatgut erhältlich. Es versteht sich von selbst, dass die Kosten aufwendiger Züchtungsverfahren für jeden Züchter durch ausreichend Saatgutverkäufe refinanziert werden müssen.
Nur so kann gewährleistet werden, dass auch in den nächsten Jahren eine Weiterentwicklung des Sortenmaterials möglich ist und so eine Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Landwirtschaft langfristig ermöglicht wird.

Die Rapool-Züchter konzentrieren sich ganz auf Raps. Die Spezialisten dieser Kulturart managen gemeinsam drei Winterraps-Zuchtprogramme. Mit einem bedeutenden Marktanteil bestimmen Rapool-Rapssorten seit langem die Sortenlandschaft. Dabei wird das gesamte Spektrum an Sortentypen abgedeckt. Liniensorten, MSL-Hybridsorten, OGURA-Hybriden, Erucasäure- oder HOLLI-Sorten oder auch Spezialsorten mit Kohlhernie-Resistenz zeigen die Vielfältigkeit der Zuchtprogramme auf. Zukünftig wird sich der Rapool-Ring ausschließlich auf die Herstellung von Hybridsorten in allen Qualitätssegmenten des Marktes konzentrieren. Liniensorten haben im Raps langfristig nicht das Ertragspotential und insbesondere nicht die Ertragssicherheit der Hybriden und werden damit im Rapsanbau früher oder später der Vergangenheit angehören. Schon jetzt werden in Deutschland auf über 70 % der Rapsanbaufläche Hybridsorten angebaut (Kleffmann 2011). Mit der dritten Generation der Hybriden wurde der Ertragsabstand zu den Liniensorten noch mal deutlich ausgebaut. Die besonderen Heterosiseigenschaften sind unter den Stresszuständen im aktuellen Anbaujahr in vielen Sortenversuchen und in der Praxis zu sehen. Die Hybriden zeichnen sich durch bessere Spätsaateignung, gute Phomaresistenz, enorme Vitalität und ein hohes Kompensationsvermögen aus. Das sichert die Erträge für den Anbauer nach unten ab.

Die größte deutsche Sorte ist VISBY. Auf nahezu jedem dritten Acker wird die Sorte angebaut. Hohe Kornerträge, gute Standfestigkeit und Phomaresistenz und eine unübertroffene Ertragssicherheit sind das Fundament der Sorte. Die ölreichen Sorten DIMENSION und COMPASS weisen hohe Zuwachsraten auf. Die besondere Spätsaateignung von DIMENSION machte sich in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt. COMPASS ist die Robusthybride, deren Eigenschaft darin besteht, Stresssituationen wie in diesem Jahr besonders gut parieren zu können.

Ein Blick in die Wertprüfungen zeigt, dass die Entwicklung von Hybriden durch die Züchtung weiter Fahrt aufgenommen hat. Die Anmeldesituation zeigt, dass in den Wertprüfungen fast ausschließlich Hybriden zu finden sind und die Hybridsorten die vorderen Plätze einnehmen.

In den nächsten Jahren werden aus der Züchtung neue starke leistungsverbesserte Hybridsorten zur Marktreife gebracht. Sehr hohe und sichere Kornerträge werden mit sehr hohen Ölgehalten kombiniert. Weitere Ertragssteigerungen, die auch in der Praxis ankommen, sind zu erwarten.
Kohlhernieresistenz auf neuer Genetik wird in den kommenden Jahren den Klassiker MENDEL ersetzen. Weitere Verbesserungen sind durch die Einlagerung des RLM 7 Resistenzgens gegen Phoma zu erwarten. Verticilliumtolerante Sorten befinden sich in der Vorbereitung. Schossfeste und damit frühsaatgeeignete Hybridsorten werden das Aussaatzeitfenster weiter öffnen. Ebenso wird die N-Effizienz und die Trockenheitstoleranz verstärkt in der Sortenentwicklung berücksichtigt.
In den Sonderqualitäten für Erucasäure und HOLLI werden Leistungssteigerungen durch neue Hybridsorten erwartet. Neue kurze Hybriden mit sehr hohen Erträgen sind neu zugelassen und werden in den nächsten Jahren durch weitere Sorten ergänzt. Vor der Zulassung befinden sich auch herbizidresistente Hybridsorten (Clearfield), die auf klassischen Zuchtmethoden basieren, konventionell selektiert sind und nicht mit Hilfe gentechnischer Methoden erstellt. Sie könnten die Bekämpfung von Schadkräutern verbessern.

Der Bedarf an Rapsölen- und schroten ist weltweit stetig ansteigend. Die Produktion muss sich darauf einstellen und diesen Bedarf decken. Raps wird daher weiter in der Anbaufläche wachsen, dort wo Zuwächse möglich sind. Dort wo flächenmäßig keine Zuwächse mehr möglich sind, muss der Ertrag weiter abgesichert und die möglichen Ertragspotentiale noch weiter ausgeschöpft werden. Die Züchtung hat dies erkannt und wird dafür das nötige Sortenmaterial liefern.

 

RAPOOL-RING GmbH, August 2011