Winterrapsanbau auf leichten Standorten
Durch gute Marktpreise rechnet sich auch ein Rapsanbau auf Grenzstandorten. Hierbei muss jedoch der Anbau in Bezug auf Bestandesführung und Sortenwahl angepasst werden.
Winterraps ist ursprünglich eine Pflanze, die klimatisch maritime Gegenden mit besseren tiefgründigen Böden bevorzugt. Auch eine gleichmäßig ausreichende Wasserversorgung ist für einen erfolgreichen Rapsanbau in der Regel essentiell.
Dennoch wird, aufgrund einer momentanen Vorzüglichkeit des Rapses gegenüber anderen Marktfrüchten (Tab. 1), mittlerweile auch auf den leichteren Standorten Deutschlands vermehrt Winterraps angebaut. Für den Anbau auf Grenzstandorten ist eine angepasster Anbau sowie die Sortenwahl entscheidend für optimale Erträge.
Tab. 1 : Deckungsbeitragsrechnung für einen Standort mit niederigem Ertragsniveau:
| Position | Raps | Rapsweizen | Stoppelweizen | Weizen nach Mais | Silomais "mittel" * | |
|---|---|---|---|---|---|---|
|
Ertrag Preis inkl. Zuschläge |
dt/ha €/dt |
37 30 |
74 13 |
70 13 |
72 13 |
450 2 |
| Gesamterlös | €/dt | 1110 | 962 | 910 | 936 | 900 |
|
Saatgut Düngung Pflanzenschutz Versicherung Bodenuntersuchung var. Maschinenkosten Zinsanspruch |
€/ha €/ha €/ha €/ha €/ha €/ha €/ha |
59 |
80 180 144 9 5 120 14 |
85 195 160 8 5 160 15 |
80 180 144 9 5 119 14 |
150 90 60 7 5 189 8 |
| Variable Kosten | €/ha | 688 | 551 | 629 | 550 | 509 |
| Deckungsbeitrag | €/ha | 422 | 441 | 281 | 386 | 391 |
| Arbeitsbedarf | Akh/ha | 6,1 | 6,2 | 7,5 | 6,0 | 2,3 |
* stehend ab Feld, inkl. Gärrestausbringung
Quelle: Dr. Gunnar Breustedt, Christian Drepper, Torben Tiedemann Universität Kiel, Juni 2010
Bodenbearbeitung und Aussaat:
Ein grundsätzliches Problem der leichten Standorte sind neben einer verringerten Nährstoffverfügbarkeit die schlechtere Versorgung mit Wasser, besonders im Spätsommer und im Herbst. Das Ziel der angepassten Bodenbearbeitung zu Winterraps auf schwächeren Standorten ist deshalb eine möglichst weitgehende Erhaltung der Bodenfeuchte und eine ausreichende Wurzelbildung für eine gute Wasseraufnahme. Trockene und schlecht rückverfestige Böden verursachen oftmals ein verzögertes und ungleichmäßiges Auflaufen der Bestände damit sind die Möglichkeiten für optimale Erträge schon am Anfang nicht mehr gegeben. Auf den schlechteren Standorten ist die Wurzelentwicklung noch entscheidender als auf den besseren Standorten, denn nur mit einer tiefen und weitverzeigten Wurzel kann der Winterraps zu dem so wichtigen Wasser im Boden vordringen. Deshalb sind frühere Saaten in ein gut gelockertes Saatbett (Grubber) durchaus zu empfehlen. Eine tiefere Lockerung des Bodens erscheint auf den Sandstandorten besonders sinnvoll, weil die Böden mit geringen Schluff-, Ton- und Humusanteil vermehrt zu Verdichtungen neigen. Trotzdem muss beachtet werden, dass zu früh gesäte Bestände sich im Herbst oftmals überwachsen und nicht über eine ausreichende Winterhärte verfügen.
Sortenwahl:
Die Sortenwahl ist ein entscheidendes Kriterium für den wirtschaftlichen Winterrapsanbau auf den schwächeren Standorten. Durch ein erhöhtes Wasseraneignungsvermögen haben die MSL-Hybriden hier tendenziell einen Vorteil gegenüber den Liniensorten. Die Hybride EXOCET (LSV 2008/2009, D-Süd-Standorte rel. 105) bildet durch eine stark ausgeprägte Wurzel einen Spezialisten auf Trockenstandorten. VISBY passt sich an alle Standorte sehr gut an. In den LSV 2008/2009 zeigt sich, dass die Hybride sich auch auf Trockenstandorten bewährt: Niedersachsen (Sand / Höhenlage) rel. 110 / 107, D-Nord-Standorte rel. 104 und D-Süd-Standorte rel. 107. Auch die Hybride COMPASS zeigt eine gute Anpassung auf leichten Standorten.
Stickstoffdüngung:
Unter normalen Bedingungen kann auf eine Herbstdüngung von Winterraps verzichtet werden. Ein übermäßiges Angebot von Stickstoff führt häufig zu überwachsenen Beständen vor Winter und somit zu möglichen Auswinterungsschäden während der Vegetationsruhe in der kalten Jahreszeit. Jedoch sollte gerade auf leichteren Standorten situationsspezifisch entschieden werden. Bei hohen Niederschlägen und entsprechender Verlagerung des Stickstoffs in tiefere Bodenschichten kann eine Stickstoffgabe im Herbst durchaus angebracht sein. Im Gegensatz zu den besseren Böden ist auf leichteren Böden der Zeitpunkt der zweiten N-Gabe sehr wichtig. Der Stickstoff muss umgesetzt sein, bevor längere Trockenphasen einsetzten.
Die Stickstoffdüngung richtet sich nach der Ertragserwartung.
Beispielrechnung:
35 dt/ha Ertragserwartung x 6,0 kg N/dt Samenertrag
= 210 kg/ha N-Sollwert
Die bekannten Abzüge (z.B. N-min, etc.) bzw. Zuschläge (kalte Frühjahrswitterung, etc.) müssen in diese Berechnung selbstverständlich noch einfließen.
Bei der Düngung auf schwachen Standorten ist immer die Niederschlagsmenge der Vegetation zu beachten. Auswaschungen und Verlagerungen sind hier tendenziell stärker und müssen bei der Düngung mit beachtet werden. Gegebenenfalls kann eine 3. N-Gabe zur Blüte sinnvoll sein.
Phosphor- , Magnesium- und Kaliumdüngung:
Eine gute Phosphordüngung fördert die Korn- und Wurzelbildung, sowie die Standfestigkeit und die Abreife. Kalium ist bei der Rapspflanze wichtig für die Frosthärte, die Blüten – und Schotenausbildung und den Wasserhaushalt. Magnesium wird für den Energiehaushalt und die Stoffbildung benötigt. Eine Versorgung mit den Makronährstoffen ist auf den leichten Standorten in der Regel wichtiger als bei den besseren Böden, da hier die Mineralisationskraft des Bodens deutlich geringer ausfällt. Außerdem kann eine Unterversorgung des Winterrapses mit Phosphor und Kalium wie oben beschrieben, zusätzlich den Wassermangel der Pflanzen verstärken.
Richtwerte für die
Phosphordüngung: 80 bis 120 kg P2O5 / ha
Kaliumdüngung : 180 –270 kg K2O / ha
Magnesium : 15 –30 kg Mg / ha
Bei einer höheren Kaliumdüngung ist eine Zweiteilung der Düngermenge sinnvoll um die mögliche Verlagerung zu verringern. In diesem Fall sollten eine Gabe vor Winter und eine Gabe nach dem Winter erfolgen
Schwefeldüngung:
Raps hat einen hohen Schwefelbedarf. Besonders auf leichten durchlässigen und humusarmen Standorten ist daher auf eine ausreichende Schwefelversorgung der Rapsflächen zu achten. Im Frühjahr sollten mit der ersten N-Gabe 40 kg/ha Schwefel gedüngt werden.
Mikronährstoffe:
Bei den nährstoffarmen und trockenen Sandböden kommt der Düngung mit Mikronährstoffen eine hohe Bedeutung zu. Vor allem eine Bor- Düngung sollte in einer Rapsfruchtfolge als Standardmaßnahme betrachtet werden. Besonders auf leichten Standorten und bei Trockenheit kann Bor im Mangel sein. Deshalb sollten schon im Herbst ca. 2 kg z.B. Nutribor, Solubor gegeben werden. Dieselbe Menge sollte dann im Frühjahr nochmals gedüngt werden.
Tab. 2: Grundnährstoffe zu Winterraps
| Grundnährstoffe zu Winterraps in kg/ha | |||
| Nährstoffe |
hohes Ertragsniveau 40 - 50 dt/ha |
geringes Ertragsniveau 30 - 40 dt/ha |
trockene Standorte |
| K2O | 250 - 300 | 200 | unverändert |
| P2O5 | 100 | 80 | unverändert |
| MgO | 40 | 30 | plus 10 % |
| S | 50 | 40 | plus 10 % (früh) |
| Bor | 0,2 | 0,2 | plus 30 % |
| MnSO4 | 1 | 1 | verdoppeln / 2 Gaben |
| Na-Molybda | 0,2 - 0,5 | nur bei niedrigem ph-Wert | |
Quelle: DSV AG, Lippstadt
Unkrautbekämpfung:
Die Unkrautbekämpfung im Winterraps unterscheidet sich auf den leichten Böden nicht grundsätzlich von der auf den besseren Böden. Das Auftreten von Leitunkräutern ist entscheidend für den wirtschaftlichen Einsatz von Herbiziden, die beim Winterraps sowohl im Vor- als auch im frühen Nachauflauf eingesetzt werden.
Fungizide- und Wachstumsregler:
Der Einsatz von Fungiziden und Wachstumsregulatoren richtet sich nicht nach den Bodenverhältnissen sondern nach anderen Kriterien wie beispielweise Witterung, Infektionsbedingungen für Krankheiten und Entwicklungsstadium der Pflanzen.
Zusammenfassung:
Ein erfolgreicher Anbau von Winterraps auf den schwächeren Standorten ist durch neue frühreife und robuste Sorten durchaus möglich und wirtschaftlich. Der RAPOOL-RING hat mit EXOCET, VISBY und COMPASS hervorragende Sorten für die leichteren Standorte im Sortiment.
Neben einer standortangepassten Sortenwahl ist aber auch die Beachtung einer standortangepassten Bestandesführung von Bedeutung. Für einen wirtschaftlichen Anbau müssen auf den schwächeren Standorten die Vorraussetzungen für die Pflanzen noch besser sein als auf den guten Standorten, da hier kein Ausgleich von Anbaufehlern durch ein größeres Ertragspotential des Bodens zu erwarten ist.
RAPOOL-Ring GmbH
(08/2006 aktualisiert 08/2011)


