6 t Raps vom Hektar
Für das Erreichen eines Höchstertrages muss züchterischer Fortschritt ebenso gegeben sein, wie eine Weiterentwicklung in der Produktionstechnik und eine optimale Verfügbarkeit limitierender Produktionsfaktoren.
Die Entwicklung der Rapserträge von 1973 bis 2009 ergibt einen jährlichen Zuwachs von 60 kg/ha. Setzt man in gleicher Größenordnung den technischen Fortschritt linear fort, so wird erst im Jahr 2047 der 6-t-Raps als deutscher Durchschnittsertrag verankert werden können. Der Ölgehalt erhöht sich pro Jahr um 0,16 %. Linear fortgeschrieben würde er 2047 bei 51,6 % im Durchschnitt liegen.
Produktionstechnische Maßnahmen und Voraussetzungen
Bereits heute sind aber in der Wertprüfung (WP) die besten Sorten mit Erträgen um ca. 59 dt/ha eingetragen worden. Der Fortschritt in den Versuchen ist etwas stärker als in der Praxis. Dabei fällt auf, dass dieser Fortschritt vor allen Dingen auf reine Genetik zurückzuführen ist. Bei gleicher Stickstoffdüngung konnte 1971 mit 5,8 kg Stickstoff ein Doppelzentner Raps produziert werden. Hieraus leitet sich ein N-Bedarf von 6 kg pro Doppelzentner ab. 2009 konnte ein Doppelzentner Raps mit nur 3,3 kg Stickstoff produziert werden.
Eine Erhöhung der Stickstoffdüngung, dass kann gesagt werden, ist nicht für den Fortschritt verantwortlich, sondern es ist der genetische Hintergrund.
Der Anteil des genetischen Fortschritt am Ertragszuwachs wird künftig größer werden. Dabei muss man wissen, dass limitierende Faktoren, wie z.B. das Düngervolumen, das Wasserangebot, der Temperaturverlauf und auch die Globalstrahlung nicht unbegrenzt beeinflussbar sind.
Konzentrieren wir uns auf die wesentlichen Faktoren der Ertragsentwicklung bei Winterraps. Die Ertragsanlagen werden in der Summe im Herbst angelegt. Pflanzen- und Blütenzahl stehen im Frühjahr fest. Der eigentliche Ertragszuwachs beginnt mit der Blüte. Zwei Drittel des Gesamtertrages werden in 75 Tagen zwischen Blühbeginn und Reife angelegt. Für einen 6-t-Raps müssen 14 bis 16 to Trockenmasse in dieser Zeit gebildet werden. Das bedeutet, dass ein 6-t-Raps einen Entzug von 108 kg P2O5, 60 kg K2O und 210 kg N hat. Der eigentliche Bedarf liegt noch etwas höher.
Der Wasserbedarf wird für einen 6-t-Raps für den Zeitraum Blühbeginn (25. April – 10. Juli) in einem Tagesverbrauch von 4,3 l/qm angegeben. Das entspricht 385 Liter, dem ist ein Transpirationskoeffizient von 700 l/kg Trockenmasse unterstellt. Dass diese Wassermengen nicht überall zur Verfügung stehen, zeigt ein Blick in die möglichen Feldkapazitätsreserven.
So kann ein Sandboden mit einer Wurzeltiefe von 60 cm auch etwa bei 100 % Feldkapazität 60 l Wasser/qm speichern. Es wäre ein Bedarf der knapp für sieben Tage ausreicht. Ein Lehmboden bei 100 cm Wurzeltiefe speichert 160 l, das reicht für 30 Tage. Ein guter Tonboden kann bei 100 cm Wurzeltiefe 140 l für etwa 25 Tage Pflanzenentwicklung speichern.
Der größte Nettozuwachs der Rapspflanze ist bei Tagtemperaturen bis 25 °C und Nachttemperaturen < 8 °C zu erreichen. Die Assimilationseffizienz ist im Langtag bei 25 °C hoch. Oberhalb von 25 °C nimmt sie ab. Alternativ wird in der Kurznacht bei der zeitlich relativ kurzen Dissimilationsphase bei kühlen Nachttemperaturen < 8 °C die geringste Veratmung stattfinden. Der Winterraps bevorzugt daher ein Temperaturfenster bis 25 °C und Nachttemperaturen < 8 °C. Diese Konditionen werden im Juni/Juli an der Ostseeküste, den nördlichen Mittelgebirgen und in Süddeutschland auf 700 bis 800 m Höhenlage oder auf kalten, feuchten Tonböden erreicht.
Um eine weitere Ertragsentwicklung bei Raps anzustoßen, sind verschiedene Lösungsansätze denkbar. Der Einstieg in die Präzisionslandwirtschaft, das heißt, teilflächenspezifische Bodenbearbeitung, Düngung und Pflanzenschutzeinsatz. Hier liegen enorme Ertragsreserven. Ein Blick auf die Ertragsmesser bei der Ernte zeigt die große Varianz auf den Schlägen. Eine weitere Lösung besteht in einer intelligenten Düngung zu Winterraps, der NP-Komplex und auch Bor müssen zeit- und ortsnah an der Pflanze deponiert werden. Hier besteht auch eine zusätzliche Herausforderung für die Maschinenindustrie Aussaatgeräte zu entwickeln, die eine Düngeablage unterhalb des Saatkornes in ca. 25 cm Tiefe erlauben. Außerdem ist die konsequente Nutzung des genetischen Fortschritts eine weitere Möglichkeit, Erträge wachsen zu lassen.
Die Wurzel macht den Rapsertrag – nachhaltig. So kann gezeigt werden, dass bei einer starken Wurzelentwicklung durch Aussaaten unter guten Lichtbedingungen (frühe Saat) ein deutlich höherer Kohlenhydrat-Gehalt in der Pflanze gemessen werden kann. Die Reservestoff-Einlagerung solcher Pflanzen ist demnach deutlich höher. Die Wurzel bildet sich ausschließlich im Monat September. Bereits Anfang bis Mitte Oktober ist der Wurzeltiefgang weitgehend abgeschlossen und die Wurzeltrockenmasse nimmt nicht mehr wesentlich zu. Ist der Aussaattermin bis Ende des Kurztages, bedarf es einer besonderen Bestandesführung. Die Wurzel folgt dem Sauerstoffgehalt des Bodens und reagiert sehr stark auf den Ammonium-Phosphat-Komplex. Der Deponierung dieser beiden Düngeformen im Unterkrumenbereich kommt eine wesentliche Bedeutung zu. Die Wurzel selber ist in der Lage, bis 1,40 m in die Erde einzuwachsen und sich dort die Wasservorräte zu erschließen, die sie 9 Monate später für eine störungsfreie Versorgung der Schotendecke benötigt. Erfahrungsgemäß zeigen Hydriden eine gute Wurzelentwicklung und reagieren damit auf Stressstandorten angepasster als Liniensorten.
Die Rapswurzel reagiert auf Störungen im Boden sehr empfindlich. Der gerade Wuchs ohne Verbiegungen und Verschränkungen ist immer ein Anzeichen für ein gutes, störungsfreies Saatbett. Verdichtungen schränken die entsprechenden Nährstoff-Volumina massiv ein. Nur das Einwachsen der Wurzel in die Bodenaggregate führt am Ende zu einem erfolgreichen Abschluss des Anbauverfahrens. Das Wurzelwachstum kann durch die Anhebung des Sauerstoffgehaltes im Boden, durch eine gute Bodenstruktur, und die Positionierung eines Stickstoff-Phosphat-Komplexes im Unterboden positiv beeinflusst werden.
Zusammenfassung: Der 6-t-Raps wird in den nächsten Jahren eher noch die Ausnahme sein, dennoch kann man heute bereits erkennen, dass mit steigendem genetischen Fortschritt und einer präziseren Produktionstechnik das Ertragsziel von 6 t/ha ber Winterraps erreichbar ist. So werden wir in den nächsten Jahren immer häufiger mit solchen Erträgen konfrontiert werden, wenn die Wetterbedingungen einigermaßen stimmen. Dass bereits heute solche Erträge gemessen werden, hätte man vor ca. 10 Jahren, als zum 5-t-Raps aufgerufen wurde, nicht erwartet.
Ludger Alpmann
Rapool-Ring GmbH, Juni 2010


