Anbauleitfaden Winterraps

Anbautechnische Fragen zum erfolgreichen Rapsanbau: Fruchtfolge, Aussaat und Bestandesführung.

Bodenansprüche

Raps Aussaat
Es sind nahezu alle Böden geeignet, auf besseren Böden können jedoch höhere Erträge erwirtschaftet werden. Auf eine tiefgründige Bodenbearbeitung kann zu Winterraps nicht verzichtet werden. Es ist ein pH-Wert von mindestens 6 anzustreben.

Fruchtfolge
Sehr gut geeignet als Vorfrucht ist Wintergerste, da genügend Zeit für Strohrotte und Bodenbearbeitung bleibt. Weizen ist aber zunehmend Vorfrucht zu Winterraps. Raps sollte nur alle (3 bis) 4 Jahre angebaut werden, da  sonst  Fruchtfolgekrankheiten auftreten bzw. sich verstärken. Zwischenfrüchte wie Senf, Ölrettich und Rübsen zählen auch zu den Kruziferen und können ebenfalls zu einer Verstärkung von Fruchtfolgekrankheiten im Winterraps beitragen. Aus diesem Grund sollte in einer Rapsfruchtfolge auf kruzifere Zwischenfrüchte verzichtet werden. 

Saatzeit
Anfang August bis Anfang September. Der Raps sollte vor Winter 8-10 Laubblätter und ein Wurzelhals mit einem Durchmesser von ca. 8 mm erreichen. Bestände, die direkt nach der Bodenbearbeitung gesät werden, können sich aufgrund der noch vorhandenen Bodenfeuchtigkeit besser etablieren als Bestände die in den trockenen Boden gedrillt werden. Es ist eine flache Aussaat (2 cm Tiefe) in ein gut abgesetztes und rückverfestigtes Saatbett anzustreben.

Aussaatstärke:

  • Frühsaat: ab dem 08. August kann mit 40 keimfähigen Körnern/m² gedrillt werden.

  • Normalsaat: 40 – 50 keimfähige Körner/m²

  • Spätsaat: ab dem 30. August 60 keimfähige Körner/m². Hier sind alle Hybriden geeignet.

 

Berechnung der Aussaatmenge:

 keimf. Körner/qm x TKG / Keimfähigkeit

 = Aussaatmenge

 

Beispiel: 60 Körner/qm x 7,4 g / 97 % = 4,6 kg/ha

Alle notwendigen Angaben zur Keimfähigkeit  können Sie dem Sackaufkleber entnehmen. Eine gute Hilfe zur Berechung der Aussatmenge bietet der RAPOOL-Aussaatrechner.

Reihenabstand:
Bei kleineren TKGs kann jedes zweite Säschar zugemacht werden und auf doppelten Getreideabstand gedrillt werden.

Mulchsaat:
Wird immer häufiger zu Raps durchgeführt. Grundsätzlich sind alle Hybridsorten gut geeignet. Eine Tiefenlockerung ist notwendig, eine zu nasse Bestellung ist zu vermeiden. Eine zusätzliche Beizung mit DMM fördert die Jugendentwicklung und kann das „kritische Stadium “ in der  Auflaufphase reduzieren.

Düngung (Anhaltswerte je nach Gehaltsklasse der Böden)

Nährstoffe Menge in kg/ha
N (Sollwert) 220 - 240
Sollwert - Nmin = N-Düngermenge
P2O5 45 - 90
K2O 150 - 250
MgO 30 - 60
S ca. 40
Bor ca. 0,2
MnSO4 ca. 1
Mo ca. 0,1

N-Düngung:
In 2-3 Gaben; Verteilung: 1. Gabe: 60 %, 2. Gabe 30 %, 3. Gabe zur Blüte 10 %
Gülledüngung: Kann zu Winterraps auf die Stoppel der Vorfrucht, im Herbst und im Frühjahr erfolgen. Eine Ausbringung in den Bestand ist mit Schleppschläuchen vorteilhaft.

Herbizide:
Gute Wirkung und kostengünstig sind Trifluralin-Mittel in der Vorsaateinarbeitung. Es können Ungräser, Vogelmiere und Taubnessel sehr gut bekämpft werden. Clomazone-haltige Herbizide können bis zu 3 Tagen nach der Saat ausgebracht werden. Insbesondere gegen Unkräuter wie Klettenlabkraut, Rauke aber auch gegen  Hirtentäschel und  Vogelmiere kann eine gute Bekämpfung erreicht werden. Gegen Kamille, Vogelmiere, Windhalm und Einjährige Rispe zeigen Butisan und Butisan Top im Nachauflauf eine gute Wirkung, wobei Butisan Top zusätzlich eine Wirkung gegen Klettenlabkraut und teilweise gegen Ackerfuchsschwanz hat. Ausfallgetreide und Gräser können im Spätherbst noch mit Kerb 50 W erfasst werden. Den Mitteln zur Gräserbekämpfung kann bei Soloanwendung Öl zugegeben werden, dadurch wird der Bekämpfungserfolg erhöht. Ackerfuchsschwanz sollte im Rapsanbau vorzugsweise mit Focus Ultra und Select 240 EC + Para Sommer (DIMs) bekämpft werden, um einer Resistenzbildung vorzubeugen. Im Frühjahr bestehen fast keine Möglichkeiten Unkräuter im Winterraps zu bekämpfen. Gegen Ungräser gibt es mit Agil, Fusilade Max und Focus Ultra nur noch eingeschränkte Bekämpfungsmöglichkeiten. Mit Lontrel 100 kann im Frühjahr noch eine Behandlung gegen Kamille erfolgen.

Es sollten unbedingt die Herstellerhinweise und Empfehlungen des amtlichen Pflanzenschutzdienstes beachtet werden.

Schädlinge/Insektizide:
Nach der Aussaat sollte unbedingt eine Kontrolle der Schnecken erfolgen, hierfür ist ein nasser Jutesack sehr gut geeignet. Zugelassen zur Schneckenbekämpfung sind: Metarex und Delicia Schneckenlinsen.  Die Bestände müssen auf Erdflöhe, Kohlmotten, Schwarzer Kohltriebrüssler und Rübsenblattwespen kontrolliert werden. Kohlfliegen können regional ihre Eier an den Wurzelhälsen der jungen Rapspflanzen ablegen, doch sind bisher keine erfolgreichen Bekämpfungsmöglichkeiten gegeben. Im Frühjahr sollten die örtlichen Pflanzenschutzwarndienste beachtet werden, als erster Schädling tritt der Große Rapsstängelrüssler bei Lufttemperaturen von 9-12 °C auf. Zeitgleich bzw. einige Tage später kann der Gefleckte Kohltriebrüssler in die Bestände einfliegen. Ab Temperaturen von 13 °C fliegt der Kohlschotenrüssler in die Bestände ein. Der Hauptzuflug findet bei Temperaturen um die 20 °C während der Hauptblüte. Zur Blüte fliegen ebenfalls der Rapsglanzkäfer und die Kohlschotenmücke die Rapsbestände an.
Schadschwellen und Bekämpfungsmöglichkeiten sind in der Tabelle dargestellt. Mit Hilfe von Gelbschalen, die in der Höhe dem Rapsbestand angepasst sein sollten, kann eine Kontrolle der Schädlinge erfolgen. Das Expert Schädlingsprognosemodul kann eine Einschätzung des möglichen Schädlingszuflugs liefern.

Wachstumsregler und Fungizide im Herbst

Pflanzenschutz Rapsanbau
Wachstumsregler im Herbst soll ein Überwachsen der Pflanzen vor Winter verhindern zudem wird die Winterfestigkeit verbessert. Für die Anwendung im Herbst sind Folicur und Caramba zugelassen. Je nach Sorte wird eine Aufwandmenge von 0,3 l/ha – 1,0 l/ha (siehe Sortenkatalog) empfohlen. Die Behandlung kann ab dem 3-4 Blattstadium erfolgen. Zu beachten ist, je früher der Einsatz erfolgt, desto geringer ist die benötigte Aufwandmenge. Bei Frühsaaten kann unter Umständen eine zweite Behandlung erforderlich sein. Folicur und Caramba wirken ebenfalls als Fungizide, so dass ein wirksamer Schutz gegenüber Phoma erreicht wird. Reine Fungizide ohne Einfluss auf das Wachstum stehen mit Proline, Eria, Cantus und Harvesan zur Verfügung. Ein Befall durch Phoma kann mit Hilfe des Pro Plant Phoma-Prognose-Muduls frühzeitig erkannt werden.

Wachstumsregler und Fungizide im Frühjahr
Eine Behandlung mit Wachstumsreglern im Frühjahr kann nach einem nassen Winter, der den Pilzbefall begünstigt oder in dichten Rapsbeständen, bei nährstoffreichen Böden, weniger standfesten Sorten und wüchsiger bzw. feuchter Frühjahrswitterung notwendig sein. Hier sind Folicur und Caramba zugelassen. Bei einer Wuchshöhe von 20-40 cm sollten Aufwandmengen von 0,5 – 1,5 l/ha (1,5 l/ha = Anwendung im Splitting) je nach Sorte (siehe Sortenkatalog) eingesetzt werden. Auch hier gilt: Je eher die Triazolmengen gegeben werden, desto stärker ist die Wirkung. Gegebenenfalls ist eine zweite Behandlung zur Absicherung der Standfestigkeit möglich. 

Blütenbehandlung
In einigen Regionen zählt die Blütenbehandlung im Winterrapsanbau zu den Standardmaßnahmen, in anderen wird sie nicht durchgeführt. Durch den Einsatz von Fungiziden in der Vollblüte kann einem massiven Sklerotinia- und Alternaria-Befall vorgebeugt werden. Als Produkte stehen Cantus, Proline und Folicur zur Verfügung. Eine sortenspezifische Anwendungsempfehlung von Fungiziden und Wachstumsreglern gibt der WR-Kalkulator.

Ernte
Nach der Ernte sollte der Ausfallraps zur Keimung gebracht werden, eventuell ist ein Anwalzen oder sehr flaches Einarbeiten notwendig. Auf keinen Fall sollten ausgefallene Körner tief „vergraben“ werden. Der Ausfallraps sollte nicht länger als 3 Wochen stehen bleiben, da ansonsten der Zyklus von Krankheiten (z.B. Kohlhernie) erneut geschlossen werden kann.