Sommerraps – (k)eine Nischenkultur

Sommerraps erreicht in Deutschland immer dann höhere Anbauflächen, wenn im Winterraps z.B. durch Auswinterung, Schädlinge oder Trockenheit größere Flächen ausfallen.
 

Mitte März bis Mitte April ist der beste Termin für die Sommerraps - Bestellung
 Mitte März bis Mitte April ist der beste Termin für die Sommerraps - Bestellung
In diesem Fällen kann und darf die Rentabilität des Sommerraps – Anbaus nicht mit Winterungen verglichen werden, sondern es müssen vielmehr die im Frühjahr in Frage kommenden Alternativen betrachtet werden. Dabei bietet der Sommerraps – Anbau durchaus interessante Perspektiven, die sich in der Regel aus einzelbetrieblichen Überlegungen ergeben.

Ertragspotenzial

Das Ertragsniveau liegt in der Regel deutlich unter dem des Winterrapses, dafür sind aber sowohl Nährstoffbedarf als auch Pflanzenschutzaufwand deutlich geringer. In guten Jahren bzw. auf guten Standorten sind durchaus Erträge über 40 dt/ha möglich, auch 50 dt/ha wurden bereits erreicht wenn die Witterung passt (nicht zu trocken, nicht zu heiß). Im Schnitt liegt der Ertrag jedoch häufig eher bei 25-30 dt/ha. Denn oft steht der Sommerraps als „Nischenkultur“ auf leichten Schlägen oder wird nur sehr extensiv geführt. Auch auf solchen Grenzstandorten können sehr wohl ansprechende Erträge erreicht werden, es besteht jedoch ein höheres Ertragsrisiko. Generell unterscheiden sich die Standortansprüche aber nicht von denen des Winterrapses. Das Hauptwachstum und die Reife liegen in den Sommermonaten Mai bis August. Ist genügend Bodenfeuchte vorhanden, kann der Sommerraps sowohl von der Mineralisation, höheren Bodentemperaturen und vor allem der hohen Einstrahlung profitieren.

Durch die spätere Blüte ist Sommerraps äußerst attraktiv für Bienen und Imker
 Durch die spätere Blüte ist Sommerraps äußerst attraktiv für Bienen und Imker
Aussaat

Voraussetzung für einen guten Feldaufgang ist ein gutes Saatbett. Kalte, nasse Böden in Frühjahr müssen rechtzeitig aufgezogen werden, damit sie ablüften und sich gut erwärmen können. Denn die Keimung erfolgt zwar bereits ab ca. 2-3°C Bodentemperaturen, benötigt dann deutlich länger als vom Winterraps gewohnt. Je wärmer, desto schneller. So kann ein etwas späterer Saattermin sogar vorteilhaft sein. Deshalb keine Bestellung mit der Brechstange.

Die Aussaat ist von Anfang März bis Ende April möglich, optimal sind ca. Mitte März bis Mitte April. Die Aussaattiefe darf bei guter Bodenfeuchte 1 - 2 cm, auf trockenen Standorten max. 3 cm mit guter Rückverfestigung nicht überschreiten.

Als Saatstärke werden je nach Saattermin bei Sommerraps-Hybriden zwischen 60 und 80 und bei Liniensorten zwischen 80 und 100 keimfähige Körner/m² empfohlen. Je später der Saattermin, desto höher die empfohlene Saatstärke. Ein zu dünner Sommerrapsbestand kann im Gegensatz zum Winterraps nicht durch mehr Seitentriebe dichtziehen, da er durch die Tageslänge in die Blüte gezwungen wird und dann nicht mehr genügend verzweigt. Sollte sich der Bestand nach Aussaat  bei guten Wachstumsbedingungen hingegen zu dicht und üppig entwickeln, dann lieber einkürzen und stabilisieren.

Sommerraps kann in der frühen Jugendphase auf Fröste unter – 4 °C empfindlich reagiert. Andererseits kommt es zu einer Abhärtung der jungen Pflanzen, falls diese in ihrer Entwicklung längere Zeit kühlen Temperaturen um den Gefrierpunkt ausgesetzt sind, solche Bestände können auch bis zu – 8°C überstehen. Kommt es zu einer leichten Frostschädigung der jungen Pflanzen, so erholen diese sich in der Regel, sofern der Vegetationskegel nicht beschädigt worden ist. Daher sollte man nach einem Frostschaden dem Bestand vor einer eventuellen Umbruchentscheidung einige Tage Zeit geben.

Teilflächen mit Sommerraps ausflicken?

Dieser Gedanke bietet sich bei sehr ungleicher Verteilung auf dem Feld geradezu an. Vorteile liegen in der Einhaltung der Fruchtfolge. Im Bereich der Bestandesführung werden sich aber kaum Synergien ergeben, da sich Winter- und Sommerraps durch die unterschiedliche Entwicklung bezüglich Krankheits- und Schädlingsbekämpfung sowie Ernte terminlich voneinander unterscheiden. Denken Sie daher nicht zu kleinräumig, sondern mindestens in Spritzbreiten. Kleinere Löcher und Fehlstellen lohnen die Arbeit nicht.

Abgeraten wird vom Nachsäen von Sommerraps direkt in noch stehende schlechte Winterrapsbestände. Bei guter Bodenstruktur mag evtl. eine Direktsaat möglich sein, allerdings sollten Restverunkrautung und vor allem stehenbleibende Winterrapspflanzen vor dem Auflaufen des Sommerrapses konsequent mit einem Totalherbizid beseitigt werden. Erfahrungsgemäß wird es immer einzelne überlebende Winterrapspflanzen geben, die unpassend blühen und abreifen. Keine Kompromisse, entweder ganz oder gar nicht!

Nährstoffbedarf

Für Erträge um 30 dt/ha müssen etwa 50-70 kg/ha P2O5, 160 kg/ha K2O und 50 kg/ha MgO aus dem Bodenvorrat und über die Grunddüngung zur Verfügung gestellt werden. Auch eine Schwefelversorgung mit mindestens 20-30 kg S/ha ist immer erforderlich. Ebenso sollte bis zum Blühbeginn eine Borversorgung mit ca. 300-400 g/ha pflanzenschutzbegleitend erfolgen.

Der Stickstoffbedarf beträgt je nach Ertragserwartung ca. 100-140 kg N/ha. Mengen bis 100 kg können in einer Gabe erfolgen, für höhere Mengen bietet sich eine Gabe von 80 bis 100 kg N/ha zur Aussaat sowie eine 2. Gabe von 40 kg N/ha in der Streckungsphase an.  Die Nährstoffversorgung mit N und den Grundnährstoffen kann vollständig oder teilweise auch mit Gülle erfolgen. Bis zu 20 m³ können problemlos bereits vor der Aussaat in den Boden eingearbeitet werden.

Düngeverordnung: geringe Salden möglich

Sommerraps kann sehr viel stärker von der Mineralisierung des Bodens profitieren und so organische N- und P-Quellen effizient nutzen. Denn die Hauptwachstumsphase des Sommerrapses liegt ca. 4 bis 8 Wochen später als beim Winterraps.

Bei einem Ertrag von 30 dt/ha beträgt der Entzug 100 kg N sowie 54 kg P2O5. Wer in seinem betrieblichen N-Saldo höher liegt als gewünscht, kann daher den Sommerraps „auf Entzug“ düngen. Selbst bei ungünstiger Witterung und einem limitierten Ertrag von 20 dt/ha würde dann immer noch ein vertretbarer N-Saldo von +33 kg/ha resultieren. Bei gutem Wachstumsverlauf können auf guten Standorten und/oder organischer Düngung aber auch mehr Nährstoffe mineralisiert und verwertet werden. Bei Erträgen von über 30 dt/ha entstehen dann sogar negative N-Salden. Positiv.

Rapsglanzkäfer - größter Feind des Sommerrapses
 Rapsglanzkäfer - größter Feind des Sommerrapses
Pflanzenschutz

Die zugelassene Wirkstoffpalette zur chemische Unkrautbekämpfung ist schmal und beschränkt sich auf die auch im Winterraps bekannten Produkte Butisan Top, Stomp Aqua und als Graminizid Focus Ultra. Bei gutem Feldaufgang und geringem Unkrautdruck kann evtl. sogar auf eine Herbizidmaßnahme verzichtet werden, denn aufgrund der höheren Saatstärken erfolgt eine zügige Bodenbedeckung ohne Wachstumsstillstand. Unkräuter und Ungräser werden von konkurrenzstarkem Sommerraps gut unterdrückt.

Im Bereich der Rapsschädlinge fehlt der insektizide Beizschutz. Hier muss zu rechtzeitiger intensiver Schädlingskontrolle geraten werden (Gelbschalen). Nach der Keimung können zunächst Kohlflöhe die auch vom Rapserdfloh bekannten Fraßschäden verursachen. Sie sind aber deutlich seltener anzutreffen. Die ersten Frühjahrsschädlinge Rapsstängelrüssler und Kohltriebrüssler fliegen in der Regel bereits, bevor der Sommerraps aufgelaufen ist, sie bereiten keine Probleme. In der Regel ist es daher erst der Rapsglanzkäfer, der im Sommerraps stärkere Schäden verursachen kann. Hier gilt es aufzupassen, insbesondere wenn Rapsschädlinge nach Ende der Winterrapsblüte auf den „schmackhaften“ Sommerraps übersiedeln.

Auch im fungiziden Bereich folgt der Sommerraps etwas anderen Spielregeln. Sclerotinia kann starke Schäden verursachen. Der Zeitpunkt der Sclerotienkeimung fällt je nach Wärme und Bodenfeuchte jedoch größtenteils mit der Winterrapsblüte zusammen, wenn sich der Sommerraps noch im Knospenstadium befindet oder gerade erste Blüten öffnet. Eine gezielte Fungizidmaßnahme im Sommerraps zu diesem Termin (erste sich öffnende Blüten) eignet sich daher aus den Erfahrungen vergangener Jahre sehr gut, um mit einer Maßnahme sowohl eine späte Wachstumsregulierung als auch eine vorgezogene Blütenbehandlung miteinander zu kombinieren. Dies gilt für normale Sommerrapsbestände bei guter Bodenfeuchte und Nährstoffversorgung. Je üppiger der Bestand und je mehr Dampf, desto kräftiger kann die Maßnahme erfolgen. Gut geeignet und kostengünstig sind z.B. die bekannten Tebuconazol-Produkte mit Aufwandmengen nach Bedarf von 0,5 bis 1 l/ha. Bei starker Trockenheit keine Behandlung.

Sommerraps ist eine hervorragende Bienenweide, da die Blüte erst beginnt nachdem der Winterraps abgeblüht hat. Eine absolute Bereicherung als Nahrungsquelle für unzählige Nützlinge. Aber auch eine große Verantwortung zum ordnungsgemäßen Umgang mit allen notwendigen Pflanzenschutzmaßnahmen.

Abreife/Ernte

Der Erntetermin von Sommerraps liegt ca. 2 - 4 Wochen nach dem Winterraps
 Der Erntetermin von Sommerraps liegt ca. 2 - 4 Wochen nach dem Winterraps
Sommerraps reift in Abhängigkeit von Saattermin, N-Düngung, Witterung und Sorte ungefähr 2  bis 4 Wochen nach dem Winterraps. Bezüglich der Erntetechnik gibt es keine grundlegenden Unterschiede zur Winterraps – Ernte. Dünnere Stängel bedeuten weniger Wasser bzw. schnelleres Durchtrocknen des Rapsstrohs. Stehender, reifer Sommerraps lässt sich wegen der feineren Stängel und des kürzeren Wuchses sogar zügiger ernten als Winterraps.

Fruchtfolge/Ackerhygiene

Sommerraps besitzt einen hervorragenden Vorfruchtwert, der Oberboden ist durch die im Vergleich zu Winterraps deutlich höhere Bestandesdichten sehr intensiv aufgeschlossen. Die feineren Ernterückstände ermöglichen eine einfache, pfluglose Bestellung der Folgekultur. Als fester Fruchtfolgebestandteil empfiehlt sich Sommerraps in Deutschland aber nur dann, wenn er tatsächlich vernünftig in die betriebliche Fruchtfolgegestaltung passt, z.B. bei Betrieben mit hohem Maisanteil. Ansonsten liegt der Schwerpunkt in Deutschland klar beim Winterraps.

Von besonderer Bedeutung nach der Sommerraps - Ernte ist die Beseitigung der Ausfallsamen. Denn Sommerraps als Durchwuchs im Winterraps ist fast nicht zu bekämpfen. Einzige Möglichkeit wäre die mechanische Hacke oder der Einsatz von CL-Herbiziden, der den Anbau von entsprechenden CL-Sorten voraussetzt. Erschwerend kommt hinzu, dass Sommerraps während der Reife oft eine ausgeprägte primäre Keimruhe aufbaut und nur ein Teil der Ausfallsamen bereits direkt nach der Ernte keimbereit ist. Innerhalb von ca. 2-3 Wochen baut sich diese primäre Keimruhe wieder ab, hierfür ist eine erste Bearbeitung ohne Eingriff in den Boden förderlich, z.B. mit Striegel, Walze oder Grubber. Keinesfalls zu früh zu tief bearbeiten, das kann sich sonst in den nächsten Jahren rächen.

Fazit

Nischenkultur mit Potenzial. Ein guter Sommerraps ist auch agronomisch eine gute Alternative zu einem schwachen Winterraps. Das Ertragspotenzial liegt in der Regel zwar deutlich unterhalb des Winterrapses, aber deutlich geringere Düngungs- und Pflanzenschutzaufwendungen sowie arbeitswirtschaftliche Vorteile erlauben sehr wohl einen nachhaltigen, profitablen Anbau. Hinzu kommen als Sommerung weitere Vorteile für Fruchtfolge, Ackerhygiene (aber Ausfallraps beachten!) und Nährstoffsalden.

Sommerraps ist vielseitig - eigentlich zu schade als Nischenkultur.