Es gibt Maßnahmen, mit denen sich ein Kohlhernie-Befall in Rapsfruchtfolgen vorbeugen lässt. Die wichtigsten sind pflanzenbauliche Maßnahmen und der Einsatz der resistenten Sorte MENDEL.

"> Winterraps Krankheiten: Kohlhernie - Maßnahmen
 
 

Kohlhernie in Raps - Was ist zu tun?

Es gibt Maßnahmen, mit denen sich ein Kohlhernie-Befall in Rapsfruchtfolgen vorbeugen lässt. Die wichtigsten sind pflanzenbauliche Maßnahmen und der Einsatz der resistenten Sorte MENDEL.

Der intensive Rapsanbau hat zu einer deutlichen Häufung von Kohlherniebefall geführt. Verursacher der Krankheit ist kein Pilz, sondern nach neueren Erkenntnissen ein Einzeller, Plasmodiophora brassicae, dessen Zoosporen (Schwärmsporen) die jungen Wurzeln kreuzblütiger Wirtspflanzen infizieren und sich dort vermehren. Hierbei kommt es zur Ausbildung der typischen Wurzeltumore (siehe Abbildungen), der Transport von Wasser und Nährstoffen aus der Wurzel in den Spross wird gestört und kann in Extremfällen nicht nur zu Welke und Kümmerwuchs führen, sondern auch zum Tod der Pflanze oder ganzer Rapsbestände. Befallsfördernde Faktoren sind vor allem feucht-warme Bodenverhältnisse nach der Winterrapsaussaat und Boden-pH Werte unter 7.

Sortenwahl
Rapssorten, die nicht gezielt auf Kohlhernieresistenz Wurzelbefall durch Kohlhernie an Rapsgezüchtet wurden, sind nach aller Erfahrung anfällig für die Krankheit. Die einzige Alternative ist bislang die MSL-Hybride MENDEL, die seit 2001 verfügbar ist und deren jährlicher Marktanteil von 2-4% einen Eindruck von der Verbreitung der Krankheit gibt. MENDEL besitzt eine rassenspezifische Resistenz, die auf einem einzelnen Gen beruht. Bislang sind Rassen, die den Winterraps MENDEL befallen können, zwar selten, aber durchaus vorhanden. Einzelne Bestände der Sorte, in denen Befall auftrat, wurden bereits kurz nach der Einführung beobachtet. Da sich der bodenbürtige Erreger deutlich weniger effizient ausbreitet als zum Beispiel Mehltau, ist es bislang allerdings nicht zum großräumigen Zusammenbruch der MENDEL- Resistenz gekommen. Landwirte, die Kohlhernie in ihren Rapsbeständen haben, kann der Anbau der resistenten Sorte daher nach wie vor empfohlen werden. MENDEL sollte aber nicht häufiger als alle 3 Jahre angebaut werden. Tritt auch an diesem Winterraps starker, ertragsmindernder Befall auf, sollte eine mindestens 5-jährige Anbaupause eingelegt werden. Sorten mit einer verbesserten Kohlhernieresistenz werden von der Norddeutschen Pflanzenzucht KG in Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Genetik der Freien Universität Berlin entwickelt.

Pflanzenbauliche Verfahren zur Vermeidung von Kohlherniebefall
Wurzelbefall durch Kohlhernie an RapsFluazinam- haltige Mittel, die im Gemüseanbau vor dem Pflanzen zur Bekämpfung ins Pflanzbeet eingearbeitet werden können, sind im Rapsanbau ökonomisch nicht vertretbar. Eine Anhebung des Boden-pHs durch Kalken gehört zu den Standardverfahren, ebenso wie die Behebung von Drainageschwachstellen. Kohlhernie ist neben anderen Rapskrankheiten ein wichtiger Grund für das Einhalten der Fruchtfolge, in der Raps nicht häufiger als alle 3 Jahre vorkommen sollte. Ist Kohlhernie erst einmal aufgetreten, sollten die zuvor beschriebenen Maßnahmen zumindest strikt befolgt und gegebenenfalls auch eine Ausweitung der Fruchtfolge erwogen werden.
Zudem ist es wichtig, eine weitere Vermehrung des Erregers in Ausfallraps oder kreuzblütigen Unkräutern zu unterbinden. Ausfallraps sollte spätestens 3 Wochen nach dem Auflaufen effizient beseitigt werden, da die Entwicklung des Erregers bei Bodentemperaturen über 18°C beschleunigt wird und neue Dauersporen bereits 4 Wochen nach der Infektion vorhanden sind. Da der Erreger auf lebendes Pflanzengewebe angewiesen ist, ist es wichtig, den Ausfallraps so zu beseitigen, dass nach 4 Wochen kein lebendes Wurzelgewebe mehr vorliegt.
Um Kohlherniebefall vorzubeugen sollte die Aussaat möglichst spät erfolgen. Hierdurch kann die Jungpflanzenentwicklung in kühlere Perioden verschoben werden, was dem Erreger die Infektion erschwert.
  

Dr. Elke Diederichsen, Institut für Angewandte Genetik, Freie Universität Berlin