Pfluglos oder mit Pflug?

Moderne Verfahren der Bodenbewirtschaftung (konservierende Bodenbearbeitung, Mulchsaat, Direktsaat) bieten außerordentlich große Potenziale der Kostensenkung. Bleiben die Erträge bei diesen Verfahren weiterhin stabil bzw. ist eine weitere Steigerung möglich, ist der Betriebserfolg garantiert.

pfluglose Bodenbearbeitung
Pfluglose Bestellverfahren bestehen aus vielen verschiedenen Bausteinen, die mosaikartig durch Wechselbeziehungen miteinander verbunden sind. Die Vorbereitungen für eine pfluglose Bestellung im Winterraps müssen bereits weit vor der eigentlichen Saat spätestens beim Anbau der Vorfrucht getroffen werden. Erfolgreicher Ackerbau ohne Pflug mit nachhaltig hohen bzw. steigenden Erträgen erfordert eine fruchtfolgeübergreifende Organisation des Anbausystems und kann sich nicht auf nur eine Kultur beschränken.

Mehr Betriebsleiterkönnen gefragt!
Bei der pfluglosen Bestellung von Winterraps müssen folgende Aspekte der Grundbodenbearbeitung berücksichtigt werden: Eine flache Bodenbearbeitung sofort nach der Ernte der Vorfrucht unterbricht die Kapillarität und stoppt so die unproduktive Wasserverdunstung aus dem Boden. In Gebieten mit Sommertrockenheit sollte möglichst keine tiefgreifende Lockerung erfolgen, um den Aufstieg von Kapillarwasser zu erhalten. Da der Winterraps zu den kleinkörnigen Saatgutarten mit hoher Keimfähigkeit aber eher geringer Triebkraft zählt, darf das Durchstoßen des Keimlings nicht durch aufliegende Strohpartikel oder durch eine verschlämmte Bodenoberfläche behindert werden. Die eingearbeiteten Strohmengen binden hohe Mengen an Stickstoff. Oft ist eine Ausgleichsdüngung in Höhe von 30 bis 60 kg/ha N anzuraten, die mit dem Stroh eingearbeitet werden sollte. Die im Herbst ausgebrachte Düngermenge muss im Frühjahr entsprechend berücksichtigt werden.

Verfügbare Zeit und Verfahren
In Abhängigkeit von den verfügbaren Zeitspannen zwischen Ernte der Vorfrucht und der Rapsaussaat sind 4 verschiedene Verfahren möglich:

  • Das Verfahren für Gebiete mit früh räumender Vorfrucht und einer Zeitspanne von ca. 30 Tagen beinhaltet eine intensive, mehrfache Bodenbearbeitung mit dem Ziel der tiefen Stroheinarbeitung. Eine ausreichende Strohverdünnung wird erreicht, wenn pro Tonne Strohtrockenmasse ca. 1,5 cm Bearbeitungstiefe eingestellt werden. Ist die Zeitspanne kürzer, müssen weniger Arbeitsgänge reichen, wobei dann das Ertragsrisiko leicht ansteigt.
  • Bei spät räumender Vorfrucht und in Spätdrusch- bzw. in Frühsaatgebieten (Zeitspanne 10 bis 14 Tage) sind zusätzlich hohe Schlagkraft beim Mähdrusch und intensivste Strohzerkleinerung gefordert. Dies ist durch einen "flotten" Mähdrusch mit hoher Stoppellänge und einem zweiten nachfolgenden Arbeitsgang zur Nachzerkleinerung des Mulches durch spezielle Strohhäcksler zu erreichen. Zeitlich ist nur eine 10 bis 15 cm tiefe Bearbeitung mit stark mischenden Schwergrubbern möglich.
  • Alternativ dazu kann - vor allem bei Zeitspannen unter 7 bis 10 Tagen - auch eine Direktsaat im Winterraps durchgeführt werden. Diese wird jedoch nur dann risikoarm und erfolgreich sein, wenn das Stroh der Vorfrucht vom Feld geräumt wird.
  • Weitere Möglichkeiten mit allerdings zur Zeit noch sehr hohem Risiko sind durch die "Vor-Ernte-Saat" (Breitsaat des Rapses mit Exaktstreuer) in den stehen Weizen gegeben. Darüber hinaus wurde auch eine Technik zur Einbringung des Rapssaatgutes am Schneidwerk des Mähdreschers ("Mähdrusch - Saat") entwickelt.