Pfluglose Bestellung von Raps

Die pfluglose Bestellung von Winterraps stellt aufgrund der geringen Triebkraft des kleinen Samenkorns und der Empfindlichkeit gegenüber mechanischen Keimhemmnissen - die z.B. aus großen Strohmengen resultieren können - hohe Anforderungen an das pflanzenbauliche Können des Landwirtes.

pfluglose Bearbeitung vor Raps
Empfehlenswert ist es, zunächst in anderen, „unempfindlicheren“ Kulturen als Winterraps Erfahrungen mit der Mulchsaat zu sammeln und das Verfahren bei erfolgreicher Handhabung schließlich auch beim Rapsanbau anzuwenden. Insbesondere hier gilt es, wichtige Grundvoraussetzungen der reduzierten Bodenbearbeitung zu beachten. So muss z.B. Lager in der Getreide-Vorfrucht unbedingt vermieden werden. Ist kein reibungslose Drusch ohne „Stop and Go“ möglich, so können die entstehenden Strohhaufen später meist nicht mehr so beseitigt werden, dass der Winterraps lückenlos aufläuft. Zwingend ist auch der Einsatz von Spreuverteilern beim Mähdrusch, um die Ablage konzentrierter Kaffstreifen hinter der Siebfläche zu unterbinden. Gleichzeitig wird dabei auch das Ausfallkorn breit verteilt, welches sonst streifenweise sehr dicht aufläuft und die auflaufende kleine Rapspflanze sehr früh konkurrenziert. Dies würde außerdem eine frühe Behandlung mit Gräserherbiziden erfordern.

Schwacher Wuchs im Herbst kann auch durch N-Mangel verursacht werden, da flach eingearbeitetes Stroh zunächst freien Stickstoff bindet. Daher ist oft eine Ausgleichsdüngung in Höhe von 30 bis 60 kg/ha N notwendig, die zur Rotteförderung mit dem Stroh eingearbeitet werden sollte.

Sparsamer Umgang mit Gräsermitteln ist Voraussetzung für eine hohe Rentabilität des pfluglosen Rapsanbaues. Ziel muss es sein, durch ein Splitting mit reduzierten Aufwandmengen auszukommen. Dies ist nur möglich, wenn der erste Bearbeitungsgang so flach wie möglich (3 bis 5 cm) unmittelbar nach dem Mähdrusch erfolgt und das Ausfallgetreide durch Rückverfestigung möglichst vollständig zum Auflaufen gebracht wird. Dies wird nur mit neuerer Gerätetechnik gelingen. Unter trockenen Bodenbedingungen ist ggf. ein Walzengang unbedingt anzuraten.

Bei der Grundbodenbearbeitung müssen folgende Aspekte berücksichtigt werden:

Mulchbearbeitung Raps
Eine flache Bodenbearbeitung sofort nach der Ernte der Vorfrucht unterbricht die Kapillarität und stoppt so die unproduktive Wasserverdunstung aus dem Boden. In Gebieten mit Sommertrockenheit sollte möglichst keine tiefgreifende Lockerung erfolgen, um den Aufstieg von Kapillarwasser zu erhalten. Da der Winterraps zu den kleinkörnigen Saatgutarten mit hoher Keimfähigkeit aber eher geringer Triebkraft zählt, darf das Durchstoßen des Keimlings nicht durch aufliegende Strohpartikel oder durch eine verschlämmte Bodenoberfläche behindert werden.

In Abhängigkeit von den verfügbaren Zeitspannen zwischen Ernte der Vorfrucht und der Rapsaussaat sind 4 verschiedene Verfahren möglich:

Das Verfahren für Gebiete mit früh räumender Vorfrucht und einer Zeitspanne von ca. 30 Tagen beinhaltet eine intensive, mehrfache Bodenbearbeitung mit dem Ziel der tiefen Stroheinarbeitung. Eine ausreichende Strohverdünnung wird erreicht, wenn pro Tonne Strohtrockenmasse ca. 1,5 cm Bearbeitungstiefe eingestellt werden. Ist die Zeitspanne kürzer, müssen weniger Arbeitsgänge reichen, wobei dann das Ertragsrisiko leicht ansteigt.

Bei spät räumender Vorfrucht und in Spätdrusch- bzw. in Frühsaatgebieten (Zeitspanne 10 bis 14 Tage) sind zusätzlich hohe Schlagkraft beim Mähdrusch und intensivste Strohzerkleinerung gefordert. Dies ist durch einen "flotten" Mähdrusch mit hoher Stoppelllänge und einem zweiten nachfolgenden Arbeitsgang zur Nachzerkleinerung des Mulches durch spezielle Strohhäcksler zu erreichen. Zeitlich ist nur eine 10 bis 15 cm tiefe Bearbeitung mit stark mischenden Schwergrubbern möglich.

Alternativ dazu kann - vor allem bei Zeitspannen unter 7 bis 10 Tagen - auch eine Direktsaat durchgeführt werden. Diese wird jedoch nur dann risikoarm und erfolgreich sein, wenn das Stroh der Vorfrucht vom Feld geräumt wird.

Eine weitere Möglichkeit mit allerdings zur Zeit noch geringer Praxiserprobung und grundsätzlich hohem Risiko bietet die "Vor-Ernte-Saat" (Breitsaat des Rapses mit einem Exaktstreuer) in den stehen Weizen. Darüber hinaus wurde auch eine Technik zur Einbringung des Rapssaatgutes am Schneidwerk des Mähdreschers ("Mähdrusch-Saat") entwickelt. Dazu müssen die Stoppeln so kurz wie möglich gemäht werden und die gleichmäßige Verteilung des Strohs ohne Überlappung und Schwadbildung ist absolute Voraussetzung für den Feldaufgang des Rapses. Nach dem Auflaufen neigen die Pflanzen bereits früh zum Hochschieben des Wurzelhalses, so dass der frühe Einsatz von Folicur/Caramba zur Verbesserung der Winterhärte meist unverzichtbar ist. Bei beiden Verfahren gibt es kaum Möglichkeiten der Unkrautbekämpfung, da das aufliegende Stroh keine Bodenwirkung der Standardprodukte zulässt. Allerdings ist durch die unterbleibende Keimstimulierung der Unkrautsamen und die Strohbedeckung mit deutlich geringerem Unkrautaufkommen zu rechnen. Beide Verfahren bewirken eine sehr hohe Senkung der Produktionskosten, so dass durchaus ein um ca. 5 bis 6 dt/ha geringerer Rapsertrag toleriert werden kann. Empfehlenswert ist dennoch, zunächst weitere Erfahrungen abzuwarten. 

Grundsätzlich gilt: Die Intensität der Bodenbearbeitung ist auch für Winterraps nicht unmittelbar entscheidend für den Ertrag. Die verfügbare Zeitspanne zwischen Ernte der Vorfrucht und der Rapssaat bestimmt die Verfahrensweise. Je geringer die verfügbare Zeitspanne für die Strohrotte bzw. "Strohverdünnung" desto höher ist das Anbaurisiko. Ein leichter Ertragsrückgang des Winterrapses ist nicht zwangsläufig, jedoch aufgrund der im Vergleich zum Pflugeinsatz deutlich reduzierten Kosten durchaus tolerierbar. 

Zusammenfassung: Die komplexen Wechselwirkungen stellen das größte Problem pflugloser Verfahren dar und beinhalten vor allem in der Anfangsphase das Risiko von Fehleinschätzungen. Daraus resultierende falsche Entscheidungen wirken sich bei Mulch- oder Direktsaaten im Winterraps meist gravierend und dauerhaft aus. Zahlreiche Beispiele von Praktikern, die bereits langjährig ohne Pflug wirtschaften zeigen jedoch, dass die Systeme bei einer guten pflanzenbaulichen Wissensbasis beherrschbar sind und erfolgreich umgesetzt werden können. Der Erfolg ist somit letztendlich überwiegend abhängig von der Qualifikation, Motivation und Flexibilität des Anwenders.

Dipl. Ing. agr. Günter Stemann, FH Südwestfalen, Agrarwirtschaft Soest