Winterraps - zukünftig mit weniger Stickstoff?
Steigende Stickstoffkosten sowie aus den Cross - Compliance - Regelungen resultierende Verschärfungen bezüglich der N - Bilanz rücken die Stickstoffdüngung im Rapsanbau wieder in den Vordergrund.
Winterraps zeichnet sich durch ein sehr hohes N – Aneignungsvermögen aus. Bereits im Herbst können unter günstigen Bedingungen 50 - 100 kg N/ha aus dem Boden in die Pflanze eingelagert und somit effektiv geschützt und verwertet werden. Im Frühjahr erschließt die Rapswurzel tiefere Bodenschichten und kann nach unten verlagerten Stickstoff wieder in den Nährstoffkreislauf zurückpumpen. Auf der anderen Seite hinterlässt der Winterraps nach der Ernte größere N - Mengen im Boden, die von der nachfolgenden Kultur – meist Winterweizen – nur noch zum Teil vor Winter aufgenommen werden können. Raps hinterlässt jedoch eine hervorragende Bodengare und ermöglicht damit nach der Ernte eine flache, nicht wendende Bodenbearbeitung und Bestellung, wodurch die N - Mineralisation zumindest begrenzt werden kann. Das Stehenlassen des Ausfallrapses zur Fixierung des Stickstoffs verbietet sich hingegen aus ackerhygienischen Gründen (zunehmende Probleme z.B. mit Schnecken, Kohlfliegen, Kohlhernie oder Phoma lingam sind zu erwarten).
Mit der Stickstoff - Düngung werden Rapsbestände wesentlich in ihrer Entwicklung gesteuert. Stickstoff im Frühjahr ist für den TM - Aufbau und die Eiweißproduktion sehr wichtig. Im Wesentlichen gilt es, die im Herbst angelegten Ertragskomponenten zu erhalten und eine Reduzierung zu verhindern. Als genereller Richtwert beträgt der N - Bedarf je dt produziertem Korn und Stroh ca. 6 kg. Bei einem Ertragsziel von z.B. 40 dt Kornertrag ergibt sich ein rechnerischer Bedarf von 240 kg N. Abzüglich der Nmin. - Werte zu Vegetationsbeginn (z.B. 25 kg), ergibt sich ein Düngebedarf von 215 kg N je ha, der durch zusätzliche bestandes- und witterungsbezogene Zu- oder Abschläge von 20 – 40 kg individuell angepasst werden kann.
Das wirtschaftliche Optimum der N – Düngung liegt immer unterhalb der für den höchsten Kornertrag benötigten N – Menge. Es hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab:
- Leistungspotenzial des Standortes
- Zustand und die Ertragserwartung des Rapsbestandes
- Jahreswitterung
- Rapspreis
- Stickstoffpreis
Die Jahreswitterung hat einen erheblichen Einfluss auf das wirtschaftliche Optimum (Schwankungen um + / - 50 kg möglich), kann aber zum Zeitpunkt der N – Düngung noch nicht abgeschätzt werden. Daher richtet sich die Bemessung der N – Gabe nach dem geschätzten Leistungspotenzial des Bestandes. Auch der Rapspreis und die Stickstoffkosten haben einen erheblichen Einfluss auf die Höhe der optimalen N – Düngung. Steigt der Rapspreis um 1,- €/dt, so erhöht sich das wirtschaftliche Optimum um ca. 5 kg N/ha. Steigt hingegen der Stickstoffpreis um 0,10 €/kg, so verringert sich das wirtschaftliche Optimum um ca. 15 kg N/ha.
Verschiedene Düngungsversuche belegen, dass das wirtschaftliche Optimum der N-Düngung teilweise deutlich unter dem Kornertrags – Maximum liegen kann (Abb. 1).
Auf guten, umsetzungsstarken Böden kann die Reduktion der N - Menge im Winterraps tendenziell stärker erfolgen als auf leichteren oder zur Austrocknung neigenden Standorten. Je früher und kräftiger ein Bestand in die Vegetation startet, desto deutlicher kann die Gesamt – N - Menge reduziert werden. Umgekehrt erfordern schwache Bestände und ein später Vegetationsbeginn eine kräftige Andüngung und sollten in der N - Menge nicht reduziert werden. Steht dem Raps genügend Zeit zur Verfügung, um den Stickstoff aufzunehmen, spielt die N - Form keine große Bedeutung. Auch bei der Terminierung der 1. und 2. Gabe reagiert der Raps erstaunlich flexibel. Dabei ist allerdings vorauszusetzen, dass kein N - Mangel auftritt. Bestände die im Herbst bereits gehungert haben und daraufhin nicht versorgt wurden, erfordern zumindest eine kleine, zeitige N - Versorgung. Versuchsauswertungen aus Hessen (33 Versuche aus 8 Jahren, siehe Abb. 2) zeigen den Zusammenhang zwischen dem Maximalertrag – hier mit 43,8 dt/ha bei einer N – Düngung von 228 kg/ha erzielt – und dem wirtschaftlichen Optimum bei 155 kg N/ha. Zu erkennen ist, dass mit steigender Stickstoffdüngung die Kornerträge zwar ansteigen, der wirtschaftliche Erlös jedoch zwischen 80 und 220 kg weitgehend unverändert bleibt. Dies liegt sowohl an den steigenden Düngungskosten als auch an den mit steigender N – Düngung sinkenden Ölgehalten (siehe Abb. 3).
Auch aus diesen Versuchen lässt sich ableiten, dass in der Höhe der N – Düngung im Winterraps noch Einsparpotenzial ausgenutzt werden kann. Wunschziel ist es dabei, in guten Rapsjahren noch genügend Reserven für Höchsterträge zu haben, in schlechten Rapsjahren den Raps aber nicht zu teuer zu produzieren. Nach französischen Erfahrungen sollte auch der bereits im Herbst vom Rapsbestand aufgenommene Stickstoff stärker als bisher in die Bedarfskalkulation einbezogen werden. Die Kombination aus frühem Vegetationsbeginn mit warmen Temperaturen und üppigen Rapsbeständen nach Winter sind Bedingungen, die nach französischen Erfahrungen unter kontinentalen Bedingungen eine N - Reduktion erlauben. Erste eigene Versuchsergebnisse in Vorpommern und Brandenburg (3 Orte) im Jahr 2005 haben die franz. Ergebnisse der CETIOM bestätigt, dass unter günstigen Bedingungen die N - Mengen um 20 bis 30 kg/ha abgesenkt werden können. Am Standort Dedelow konnte die N – Düngung im Frühjahr 2005 je nach Höhe der zu Vegetationsbeginn im Frühjahr bereits im Bestand fixierten N - Menge ohne Ertragseinbußen um bis zu 70 kg/ha reduziert werden (siehe Abb. 4).
Eine bessere Ausnutzung des knappen und teuren Produktionsmittels Stickstoff ist durchaus möglich, wie diese Ergebnisse zeigen. Darüber hinaus werden verschiedene weitere Ansätze wie z.B. eine optimierte Verteilung, verschiedene N – Düngerformen oder auch züchterische Ansätze verfolgt.
So bestehen Überlegungen zur Einarbeitung oder zur Unterfußdüngung des mineralischen Stickstoffs, wie es bei organischem Stickstoff z.B. in Form von Gülle im Herbst bereits Standard ist. Auch die Weiterentwicklung stabilisierter oder teilstabilisierter N – Dünger kann den Einsatzzeitraum für die N – Versorgung erweitern, die gezieltere Ernährung fördern und damit die N – Ausnutzung erhöhen. Einen entscheidenden Einfluss übt nach wie vor der Betriebsleiter mit der von ihm gewählten Bestandesführungsstrategie aus. Hier kommt es darauf an, die N – Düngung nicht losgelöst, sondern im Zusammenhang mit der weiteren Nährstoffversorgung und dem Pflanzenschutz zu sehen. Denn eine hohe N – Ausnutzung ist direkt an die optimale Versorgung der Pflanzen mit anderen Nährstoffen gekoppelt. In diesem Zusammenhang wird der in den letzten Jahren teilweise vernachlässigten Grunddüngung und auch dem optimale pH-Wert wieder steigende Bedeutung zukommen. Winterraps benötigt zudem eine ausreichende Schwefel- und Bor- Versorgung, bei beiden Nährstoffen hat sich eine Teilgabe bereits im Herbst als vorteilhaft herausgestellt. Die beste Nährstoffeffizienz wird über hohe Erträge und damit hohe Entzüge realisiert. Daher muss die Düngung auch im Zusammenhang mit dem Pflanzenschutz gesehen werden – gesunde Bestände zeigen eine höhere N – Effizienz.
Ein Weg zur Verbesserung der N - Effizienz, der bereits erfolgreich in der Praxis umgesetzt wird, ist der Anbau von MSL - Hybriden. Sie zeichnen sich sowohl durch eine hohe Verwertungseffizienz (aus der gegebenen N-Düngermenge wird ein höherer Ertrag realisiert) als auch durch eine bessere Aneignungseffizienz (auch ohne N-Düngung erschließt die Pflanze den Reststickstoff aus dem Boden besser) aus, wie Abb. 5 belegt. Schlüssel hierfür ist das kräftige, tief reichende Wurzelsystem der MSL – Hybriden. Stickstoff ist ein kostbares Betriebsmittel. Die gestiegenen N – Kosten sowie die Cross-Compliance – Anforderungen werfen dabei Fragen nach einer verbesserten Effizienz des eingesetzten Stickstoffdüngers auf. Hierfür gibt es kein Patentrezept, aber viele kleine und auch einige mittelgroße Schrauben, an denen ein guter Praktiker erfolgreich drehen kann. Angefangen bei der Sortenwahl, werden über Grunddüngung, Bodenbearbeitung, Saattermin und Saatstärke die Grundlagen für kräftige, leistungsfähige Pflanzen und Bestände bereits im Herbst gelegt. Im Frühjahr kann dann die Höhe der N – Düngung gezielt an die Bestandesentwicklung und die Ertragserwartung angepasst werden, auch wenn die Witterung als Unsicherheitsfaktor bestehen bleibt. Ein guter Praktiker wird damit auch bei steigenden N - Kosten und damit tendenziell sinkenden N – Mengen auch in Zukunft in der Lage sein, hohe und sehr hohe Rapserträge zu realisieren.
Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl
RAPOOL-Ring (10/2006)








