Wachstumsregler- und Fungizidkalkulator Frühjahr
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Erläuterungen zum Wachstumsregler- und Fungizidkalkulator Frühjahr
Dieser Kalkulator soll dem Anwender eine sortenorientierte Entscheidungshilfe über die Ausrichtung und Höhe der Vorblüte – Behandlung geben. Er bezieht sich auf die aktuelle Bestandsbeschreibung durch den Anwender, enthält aber keine Informationen über den vorangegangenen und zukünftigen Witterungs- und Krankheitsverlauf. Auch die klimatischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen Deutschlands lassen sich hiermit nicht erfassen. Der Kalkulator basiert auf 3 verschiedenen Bestandesführungsstrategien und versucht, diese sortenspezifisch an Ihre Angaben anzupassen.
Zeitpunkt der Nutzung
Der Kalkulator gibt immer nur eine Empfehlung für die von Ihnen aktuell beschriebene Situation und kann somit z.B. keine Splitting – Empfehlung geben. Nutzen Sie den Kalkulator zu einem sehr frühen Termin (geringe Bestandeshöhe), so müssen Sie entscheiden, ob im weiteren Wachstumsverlauf noch eine zweite Maßnahme erforderlich sein wird. So eine Strategie kann z.B. sinnvoll sein, wenn eine Insektizidmaßnahme zu einem frühen Termin ansteht und die Überfahrt genutzt werden soll. Planen Sie hohe Aufwandmengen von 1,0 l/ha und darüber hinaus, ist ein Splitting sinnvoll. Dies kann bei hohen Bestandesdichten in Kombination mit einer hohen Stickstoffversorgung oder auch bei sehr guter Wasserversorgung und hoher Wüchsigkeit schnell der Fall sein. Haben Sie bereits eine Frühjahrsmaßnahme gefahren, dann ziehen Sie bitte diese Maßnahme von der hier empfohlenen Aufwandmenge ab.
Wasserversorgung
Die Wasserversorgung geht nur sehr generell über die Faktoren Ertragsfähigkeit und Wüchsigkeit in die Kalkulation ein. Betriebe im Westen und Nordwesten Deutschlands oder auch in Höhenlagen haben Jahresniederschläge von über 850 mm/Jahr, während auf Trockenstandorten unter 600 mm Jahresniederschlag fallen. Als Konsequenz wird auf den niederschlagsreichen Standorten ein deutlich höherer Wachstumsregler- und Fungizideinsatz gefahren als auf Trockenstandorten. Die Witterungskapriolen der letzten Jahre erschweren aber eine Verallgemeinerung. Daher sollten Sie für Ihren Standort die aktuelle und zu erwartende Wasserversorgungssituation mit berücksichtigen und je nach Situation die empfohlenen Aufwandmengen nach unten (oder auch nach oben) korrigieren.
Krankheitsdruck
Im Frühjahr steht in der Regel die wachstumsregelnde Funktion der Fungizide im Vordergrund. Die gezielte Krankheitsbekämpfung vor der Blüte ist daher nur in Ausnahmefällen erforderlich. Als Krankheiten sind z.B. Phoma, Botrytis (Grauschimmel) oder in einzelnen Jahren Cylindrosporium zu nennen. Bei Phoma liegt der Schwerpunkt der Behandlung im Herbst, wenn frühe Infektionen einen starken Wurzelhalsbefall erwarten lassen. Die Phoma-Deutschlandkarten aus dem Herbst 2009 zeigen für den überwiegenden Teil Deutschlands bis Mitte Oktober nur ein geringes bis mittleres Phoma – Infektionsrisiko. Frühe Infektionen sind durch Wachstumsreglermaßnahmen Ende September / Anfang Oktober zumindest teilweise erfasst worden. Die warme Novemberwitterung hat dann noch für einige weitere Infektionsmöglichkeiten gesorgt.
Durch den langen, kalten Witterungsverlauf seit Dezember sind diese späten Infektionen bisher aber noch nicht in den Wurzelhals eingewachsen. Rapsbestände, die über Winter ihre älteren Blätter verlieren, werfen dabei auch so ganz nebenbei die auf diesen Blättern vorhandenen Phoma-Infektionen ab. Erst bei Temperaturen über 10°C kann es dann zu neuen Infektionen kommen. Dies gilt auch für die bisher grünen und gelben Wetterstationen (grün heißt, dass die Summe der Niederschläge und Temperaturen im Herbst noch nicht hoch genug waren, um Sporenreifung und Zuflug ausgehend von alten Rapsstoppel zu ermöglichen. Im Frühjahr werden die dann noch vorhandenen Stoppeln aber irgendwann auch Sporen ausschütten). Die Infektionen beschränken sich im Frühjahr dann aber auf Blattapparat und Stängel und sind in normalen Jahren kaum mehr ertragswirksam. Allerdings schaffen Stängelverletzungen z.B. durch Schädlinge (Rapsstängelrüssler, Kohltriebrüssler), Frost- und Wachstumsrisse Eintrittspforten für die Pilzsporen. Eine gezielte Phoma – Bekämpfung im Frühjahr ist aber nur erforderlich, wenn frühe Herbstinfektionen beobachtet wurden und bisher keine fungizide Maßnahme erfolgt ist. Ansonsten wird der verbleibende Infektionsdruck über die fungizide Komponente des Wachstumsreglers bei mittleren und höheren Aufwandmengen mit abgedeckt.
Eine nicht regelmäßig bei uns auftretende Krankheit ist die Cylindosporiose (Graufleckigkeit). Die Infektionen finden in kühl-feuchten Herbsten statt (Cylindrosporium ist daher in Schottland die Rapskrankheit Nr. 1). Ob im Oktober-November 2009 Infektionen auch bei uns stattgefunden haben, kann noch nicht beantwortet werden. Symptome zeigen sich auf Blatt, Stängel und Knospe. Sollten Sie im zeitigen Frühjahr den Eindruck haben, dass sich einzelne Pflanzen oder Nester im Bestand nur verhalten entwickeln, so schauen Sie sich diese Pflanzen einmal genauer an. Verkrüppelungen an den Blättern und auch zunächst kleine Stängelverletzungen mit weißem Belag können ein Indiz für eine Infektion sein. Werden kleine Blütenknospen sehr früh infiziert, können ganze Knospenstände zerstört werden. Bei sehr frühem Befallsverdacht ist eine zeitige Fungizidmaßnahme angeraten (Splitting), ansonsten sollte der Wachstumsregler erhöht und/oder mit einem reinen Fungizid verstärkt werden.

Befallssymptome Cylindrosporium


