Was hat der Druschtermin mit Durchwuchsraps zu tun?

Nach der Rapsernte stellt sich das Problem des Ausfallraps. Dieses gilt es konsequent zu bewältigen.

Früher Druschtermin erhöht Ausfallverluste
 Früher Druschtermin erhöht Ausfallverluste
Durchwuchsraps ist unerwünscht und kann in schweren Fällen Probleme bereiten oder verstärken (z.B. Lager, Krankheiten, verzögerte Abreife usw.). Je enger die Fruchtfolge, desto mehr Altraps steht zu befürchten, sofern nicht durch konsequente Ausfallrapsbeseitigung gegen gehalten wird. Doch je enger die Fruchtfolge, desto weniger Zeit steht meist zur Verfügung; Kapazitäten sind begrenzt. Also wird tendenziell zu früh mit dem Drusch begonnen – mit weitreichenden Konsequenzen. Das Problem schaukelt sich auf.
 

Früher Druschtermin erhöht Ausfallverluste
Geduld ist eine schwere Tugend, besonders in der Ernte. Die Gerste (sofern vorhanden) ist gedroschen, der frühe Weizen reift in großen Schritten, und der Raps ist eigentlich noch nicht ganz reif. Oder geht´s vielleicht doch schon? Viele Praktiker stehen jedes Jahr vor diesem Dilemma. Und meistens bleibt es dann nicht beim Probedrusch. Denn wenn der Drescher schon mal im Feld ist, geht es auch weiter. Das Verlustpotenzial wird mit Blick auf die Vorernteverluste dabei oftmals falsch eingeschätzt. Die ersten offenen, silbrig glänzenden Schoten suggerieren Druschreife. Doch sofern nicht gerade Hagel oder krankhafte Abreife drohen, bewegen sich Vorernteverluste meist auf einem Niveau von geschätzten 10 bis 40 kg/ha.

In einem Ausfallrapsmonitoring zur Ermittlung der Gesamternteverluste wurden auf Praxisflächen in Baden-Württemberg 2008 nach dem Drusch hingegen zwischen 2.200 und 9.500 bzw. im Mittel 4.700 Körner/m² gefunden (C. Pekrun). Unterstellt man ein TKG von 4,5 g, so entspricht dies ca. 100 bis 400 kg/ha bzw. im Mittel ca. 200 kg Gesamtverlusten.

Ein zu früher Druschtermin wirkt sich auf die Verluste doppelt negativ aus. Zunächst werden unreife Schoten nicht oder nur teilweise ausgedroschen und gehen über die Schüttler wieder verloren. Das Rapsstroh ist noch grün und feucht, der Dreschkorb wird etwas enger gezogen, die Stängel gequetscht. Dadurch kleben bereits ausgedroschene Körner am nassen Stroh fest und gehen ebenfalls verloren. Und so können sich die Verluste in Summe auf mehrere dt/ha belaufen. Auch wenn es schwer fällt – Geduld zahlt sich bei nicht richtig ausgereiften Rapsbeständen aus. Gelingt es mit etwas Geduld, die Druschverluste beispielsweise zu halbieren, so kommen erstens 1 bis 2 dt/ha mehr im Korntank an und zweitens halbiert sich auch das Ausfallrapsproblem.
 

Enge Fruchtfolge verringert Zeitspanne zur Bodenbearbeitung

Bodenbearbeitung
 Bodenbearbeitung
Nach dem Raps ist vor dem Raps. Daher sollte nach der Rapsernte eine konsequente Ausfallrapsbekämpfung erfolgen. Generell gilt: Raps ist Lichtkeimer und darf keinesfalls zu früh und zu tief vergraben werden. Je mehr Zeit zwischen Rapsernte und nachfolgender Bestellung liegt, desto mehr Möglichkeiten zur Ausfallrapsbekämpfung bieten sich. Doch auch in der „rapsfreien“ Zeit sorgt jede Bodenbearbeitung zwischen den anderen Kulturen der Fruchtfolge für das Auflaufen bisher ungekeimter Rapssamen. Je weiter die Fruchtfolge, desto geringer daher das Risiko von Altrapsaufschlag. Und auch bei sehr engem dreijährigen Anbau lässt die Fruchtfolge Raps-Weizen-Gerste im Vergleich zu Raps-WW-WW mehr Zeit für die Bodenbearbeitung. So sind die höchsten Altrapsaufschläge in der Regel in engen Fruchtfolgen mit hohem Weizenanteil zu finden. In sehr ungünstigen Jahren erfolgt der Weizendrusch teilweise so spät, dass für eine mehrmalige Bodenbearbeitung vor der Rapsaussaat nicht mehr genügend Zeit bleibt. Der resultierende höhere Altrapsaufschlag sorgt für Probleme in der Bestandesführung und – da oft später reif – für Gummischoten bei der (zu frühen) Rapsernte. Und hier schließt sich der Kreis.
 

Fazit: Rapsdurchwuchs und seine Bekämpfung bzw. Vermeidung stellt besonders in engen Fruchtfolgen eine Herausforderung dar. Neben der Bodenbearbeitung vor und nach Raps hat auch der Druschtermin einen großen, auf den ersten Blick nicht immer sichtbaren Einfluss auf das Durchwuchsrapspotenzial. Denn je mehr im Korntank ankommt, desto weniger verbleibt auf dem Acker. Es lohnt sich also, nicht nur finanziell, bei der Wahl des Erntetermins eine ruhige Hand zu bewahren.

 

14.07.2014 von Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH