Auf Schnecken achten!

Bestände kontrollieren - Schäden vorbeugen.

Abb. 1 Graue Ackerschnecke
 Abb. 1 Graue Ackerschnecke
Feuchte Bedingungen während und nach der Rapsblüte haben für gute Vermehrungsbedingungen der Schnecken gesorgt. Während Ackerschnecken auf dem ganzen Schlag „zuhause“ sein können, beschränken sich die Wegschnecken in der Regel auf die Ackerränder. Bei den Ackerschnecken können Graue (Bild 1) und Genetzte Ackerschnecke (Bild 2) unterschieden werden, die jedoch beide erhebliche Schäden anrichten können. Unter trockenen Bedingungen wird ihre Fraßaktivität an der Bodenoberfläche sowie die Vermehrung zunächst gebremst, die Tiere wandern in tiefere Bodenschichten ab. Hierzu nutzen die Ackerschnecken Spalten (z.B. Schrumpfungsrisse) und Regenwurmgänge.

Diese Ackerschnecken kommen bei ausreichender Bodenfeuchte oder Tau zum Fressen und zur Eiablage wieder an die Bodenoberfläche. Sie können den ganzen Schlag  „verseuchen“, insbesondere Kuppen und klutige Stellen sollten sorgfältig kontrolliert und bei Verdacht sofort abgestreut werden.

Abb. 2 Genetzte Ackerschnecke
 Abb. 2 Genetzte Ackerschnecke
Abgefressene Keimblätter, unregelmäßig durchlöcherte Laubblätter und angefressene Blattränder, wobei größere Blattadern unversehrt bleiben, sowie glänzende Schleimspuren auf Pflanzen und Boden sind Hinweise auf Schnecken.

Die größeren Wegschnecken (Bild 3, Spanische Wegschnecke) haben hingegen an Weg- und Feldrändern die Trockenzeit verbracht und wandern von dort aus auf die Flächen. Gegen Wegschnecken sind daher eine oder mehrere Randbehandlungen angeraten.

 

Feststellung des Schneckenbesatzes

Abb.3 Spanische Wegschnecke
 Abb.3 Spanische Wegschnecke
Um eine ungefähre Einschätzung des Schneckenbesatzes auf dem Rapsschlag zu bekommen, kann eine Testfolie oder alternativ ein feuchter Jutesack mit einer Folienabdeckung ausgelegt werden. Dabei sollte die Bodenoberfläche sehr feucht sein. Bei trockenen Bedingungen bleiben die Schnecken in ihren Rückzugsverstecken. Durch Auslegen von Schneckenkorn und einem weiteren Köder z.B. Hühnermehl, Kohlrabistücke oder Apfelscheiben werden die Schnecken angelockt und am nächsten Morgen kann anhand der toten Schnecken und Schleimspuren der Besatz kontrolliert werden. Diese Methode kann nur eine ungefähre Abschätzung des Potenzials geben, da junge Schnecken sich nur um einige cm fortbewegen können und evtl. die Falle nicht erreichen. Ebenfalls kann durch Trockenheit kein bzw. nur ein unbefriedigendes Ergebnis erzielt werden. Auf großen Schlägen sollte in jedem Fall mehrere Folien/Säcke zur Schneckenkontrolle ausgelegt werden.



Bekämpfung

Abb. 4 Abgelegte Eier
 Abb. 4 Abgelegte Eier
Ist bereits frühzeitig nach der Ernte der Vorfrucht ein stärkerer Schneckenbesatz absehbar, sollte bereits die Stoppelbearbeitung zur Reduktion der Schneckenpopulation genutzt werden. Eier (Bild 4) und Jungschnecken (Bild 5) werden bei der Bodenbearbeitung zumindest teilweise durch natürliche Feinde und Austrocknung dezimiert. Die Bodenbearbeitung führt ebenfalls zur Unterbrechung der gewohnten Nahrungsgrundlage. Unter trockenen Aussaatbedingungen kann die Schneckenaktivität durch eine rückverfestigenden Bestellung zumindest eingeschränkt werden. Dies funktioniert jedoch nicht bei Nässe, denn die jungen Rapspflanzen benötigen genügend Sauerstoff im Boden für eine ungestörte Wurzelentwicklung. Der Erhalt von ausreichend Grobporen steht bei Nässe daher im Vordergrund. Generell gilt: Alle Maßnahmen, die den Schnecken das Überleben erschweren und das Wachstum des Rapses fördern, helfen Schneckenschäden vorzubeugen.

Abb. 5 Jungschnecken
 Abb. 5 Jungschnecken
Eine gute Nebenwirkung gegen Schnecken zeigen auch Kalkungen mit fein vermahlenem Branntkalk oder mit Kalkstickstoff.

Zur chemischen Bekämpfung mit Schneckenkorn stehen 2014 Produkte aus 3 verschiedenen Wirkstoffgruppen zur Verfügung:

Metaldehyd - Schneckenkorn
Produkte auf Metaldehydbasis führen bei der Schnecke zu irreparablen Schädigungen der Schleimzellen, die Schnecke trocknet aus (Bild 6). Bei hoher Feuchte und geringer Köderdichte (= geringe Aufnahme) können große Schnecken aber manchmal überleben. Metaldehyd-Produkte haben keine Gewässer-Abstandsauflagen und sind nützlingsschonend gegenüber Laufkäfern und Regenwürmern.

Methiocarb - Schneckenkorn

Abb.6 Eingetrocknete Schnecke
 Abb.6 Eingetrocknete Schnecke
Der Wirkstoff Methiocarb (enthalten im Mesurol) wirkt als Fraß- und Nervengift auf die Schnecken. Mesurol besitzt eine sehr hohe Köderleistung, ist jedoch nicht nützlingsschonend (z.B. Regenwürmer, Laufkäfer) und hat eine Abstandsauflange von 10 m zu Gewässern. Achtung: Die Zulassung von MESUROL läuft am 19. September 2014 aus! Danach besteht ein absolutes Anwendungsverbot, auch für Reste!

Fe-III-Phosphat (Sluxx)
Das nassgepresste Schneckenkorn Sluxx basiert auf dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat und  sorgt bei den Schnecken nach der Aufnahme für einen sofortigen Fraßstopp, der letztlich zum Absterben führt. Sluxx ist besonders nützlingsschonend.

 

Achten Sie beim Einsatz auf eine ausreichende Köderdichte, Regenstabilität und ein gleichmäßiges Streubild. Eine Mischung von Dünger und Schneckenkorn sollte unterlassen werden, da durch die unterschiedlichen spezifischen Gewichte eine Entmischung im Streuer stattfindet. Kontrollieren Sie auch Ihre alten Rapsschläge sorgfältig. Stellen Sie dort Schneckenbefall fest, so können Sie mit einer mechanischen Ausfallrapsbeseitigung gleichzeitig auch den Schneckenbesatz drücken – mit Glyphosat geht das nicht. Damit auch die nachfolgende Kultur von der guten Raps–Vorfruchtwirkung profitieren kann.

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23.07.2014 von Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH