Regional hoher Phomadruck

Der Herbst 2014 ist geprägt durch ungewöhnlich warmes, andauerndes Wetter bis in den November hinein.

Abb. Darstellung des aktuellen Phoma-Risikos in Deutschland
 Abb. Darstellung des aktuellen Phoma-Risikos in Deutschland
Laut DWD handelt es sich um den drittwärmsten Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnung, der mit 11,9 °C um 2,7 °C wärmer ist als zur Referenzperiode 1981-2010. Darauf folgt ein bislang überdurchschnittlich milder Start in den November. Kein Wunder also, dass das Risiko einer Phoma-Infektion immer noch auf einem mittleren bis hohen Niveau ist (siehe Expert Karte). Die derzeitigen Winde tragen zusätzlich zu einer überregionalen Phoma-Verbreitung bei. Eine Entspannung der Situation ist derzeit nicht in Sicht und stark abhängig vom weiteren Witterungsverlauf:

Situation 1 (Optimal): Ändert sich das Wetter im Laufe der nächsten Tage und Wochen hin zu frostigen, winterlichen Temperaturen, ist die Zeit für Phoma-Infektionen und -Ausbreitungen vorbei. Rapsbestände, bei denen Phoma nicht bis zum Stängel vordringen konnte, sind vorerst auf der sicheren Seite und der Verlust befallener Blätter über Winter senkt das Infektionsrisiko weiter ab.   

Situation 2 (Suboptimal): Bleibt es bei dem warm-feuchten Wetter im Spätherbst bzw. Winter (Temperaturen von 10-15°C), sind Phoma-Infektionen über die gesamte Zeit hinweg wahrscheinlich. Die Infektion kann dann von den Blättern zum Wurzelhals wandern. Mögliche Folgen sind die bekannten Stängelvermorschungen, ungleichmäßig abreifende Rapsbestände und erhöhtes Lagerrisiko.

Ob vor diesem Hintergrund ein (weiterer) Einsatz von Fungiziden sinnvoll ist, ist von der jeweiligen Standortsituation abhängig. Zum einen kann die Sorte einen Einfluss auf den Befall haben. Danach zählen z.B. COMFORT und VISBY zu den phoma-toleranteren Sorten, während die Sorten AVATAR, MARATHON, MERCEDES und SHERPA einem mittleren Resistenzniveau zugeordnet werden können. Zum anderen endet der Schutz einer Fungizidapplikation in Abhängigkeit von der Temperatursumme (ca. 200 bis 300 °C).

Abb. Phoma-Infektion
 Abb. Phoma-Infektion
In Phoma-Befallslagen bedeutet das bei den derzeit warmen Temperaturen, dass sich je nach Aufwandmenge und dem jeweiligen Produkt die Wirkungsdauer auf 2-3 Wochen beläuft. Hat ein Landwirt also am 20. Oktober die letzte Fungizidmaßnahme gefahren, endet der fungizide Schutz ungefähr am 10. November. Laut Expert lohnt vor diesem Hintergrund ein vergleichender Blick nach Großbritannien, wo aufgrund klimatischer Bedingungen „späte“ Fungizidbehandlungen nicht ungewöhnlich sind (Ende November bis Anfang Dezember).

RAPOOL-RING GmbH, M.Sc. Agrar Dania Bornhöft (Stand: 07. November 2014)

 

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