Ruhiger Winterbeginn bringt endlich Vegetationsruhe

Nach einem viel zu warmen Herbst haben Ende November die ersten winterlichen Temperaturen endlich fast überall für Vegetationsruhe gesorgt.

Der Temperaturrückgang fand dabei sanft genug statt, um eine langsame Frostabhärtung zu ermöglich. Die Bestände legen jetzt, bildlich gesprochen, die Ohren an.


Jetzt die N-Aufnahme bestimmen
Rückläufige Bodentemperaturen haben die N-Mineralisation zum Erliegen gebracht. Daher begannen in den letzten Tagen viele Bestände mit der Reduktion älterer Blatter. Der Stickstoff wurde dabei zu ca. 2/3 aus den absterbenden Blättern in die Pflanze verlagert. Die beginnende Vegetationsruhe ist nun ein sehr guter Zeitpunkt, um die finale N-Aufnahme vor Winter zu erfassen. Entweder per Sensor, per Frischmassebestimmung oder auch nur per grober Schätzung.

 
Der warme Herbst hat in den meisten Beständen selbst bei Spätsaat eine gute, in Normalsaaten meist sogar eine sehr üppige Blattmasse heranwachsen lassen. Gemessen an der Blattmasse konnte der Vegetationspunkt durch rechtzeitige Wachstumsreglermaßnahmen (meist waren 2 Behandlungen notwendig) noch gut unten gehalten werden. Aufstängelungen sind im Süden häufiger als im Norden und Osten zu beobachten, dafür ist im Süden oft eine sehr schöne Durchwurzelung mit nur geringen Wurzelschäden zu finden.

Gerade in den üppigen und aufgestängelten Beständen ist bei normalem Winterverlauf mit Blattverlusten zu rechnen. Dies ist normal und daher vorerst nicht negativ zu sehen. Die großen Pflanzen mit guten Wurzeln können solche Blattverluste in der Regel problemlos kompensieren. Und selbst bei Beschädigung des Stängels treiben kräftige Pflanzen aus dem Wurzelhals neu aus. Aktuell ist es für solche Spekulationen aber noch zu früh. Die Frischmassewiegung kann und sollte bei stärkeren Blattverlusten im Frühjahr bis zum Vegetationsbeginn wiederholt werden, um dann aus dem Mittelwert aus der Herbst- und Frühjahrswiegung das N-Einsparpotenzial zu errechnen. Und das ist in diesem Jahr aktuell sehr hoch.


Was machen die Schädlinge?
Wie die Pflanzen, so gehen jetzt auch Krankheiten und Schädlinge in Winterruhe. Phoma war im Herbst verstärkt zu beobachten, wird sich aber bei Temperaturen unter +10 °C kaum weiterentwickeln. Evtl. sind hier Blattverluste sogar hilfreich, um ein Wachstum des Pilzes vom Blatt in den Stängel zu vermeiden. Bei den Schädlingen wäre ein warmer Winter für den Rapsglanzkäfer negativ, für den Rapserdfloh aber vorteilhaft. Denn die Larven können sich im warmen Winter weiterentwickeln (siehe vergangenen Nicht-Winter). Selbst die adulten Käfer können, sofern noch vorhanden, noch weiter Eier ablegen. Wenn Sie Ihre Bestände kontrollieren, sollten Sie also noch einmal auf Erdflohlarven achten.

 
Nicht alle Rapsbestände werden den Winter überstehen. Im Norden stehen einige stark von der Kohlfliege befallenen Schläge nach wie vor auf der Kippe, und bundesweit hat die Herbstwitterung für günstige Kohlhernie-Infektionsbedingungen gesorgt. Hier gibt es etliche Flächen, auf denen Kohlhernie erstmalig beobachtet wurde. Egal ob Befall oder Nicht-Befall - wir würden uns freuen, wenn Sie Ihre Situation in unsere Kohlhernie-Monitoringkarte eintragen würden.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass wir trotz aller Probleme bei Aussaat und Schädlingskontrolle überwiegend mit normal bis kräftig entwickelten Beständen in den Winter gegangen sind. Auch wenn der bisherige Aufwand hoch war, haben die meisten Rapsbestände aktuell ein durchaus gutes Ertragspotenzial angelegt. Jetzt müssten nur noch die Preise nachziehen…

01.12.2014 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool Ring GmbH