Achtung: Rapsbestände zur Sicherheit noch einmal auf Erdfloh-Larven kontrollieren!

Derzeit gibt es mehrere Meldungen, dass auf Einzelschlägen aktuell mittlere bis hohe Larvenzahlen pro Pflanze zu finden sind.

Nicht nur der vergangene Herbst, sondern auch die milde Winterwitterung war für Eiablage und Larvenentwicklung der Erdflöhe günstig. Derzeit gibt es mehrere Meldungen, dass auf Einzelschlägen aktuell mittlere bis hohe Larvenzahlen pro Pflanze zu finden sind. Auf solchen Problemstandorten kann eine gezielte Insektizidmaßnahme auch jetzt im Frühjahr sinnvoll sein.

Abb. Rapserdflohlarven in verschiedenen Entwicklungsstadien. Große Larve wahrscheinlich nicht mehr, kleine Larven aber noch gut bekämpfbar. Foto: G. Willner, NPZ/RAPOOL-RING GmbH
 Abb. Rapserdflohlarven in verschiedenen Entwicklungsstadien. Große Larve wahrscheinlich nicht mehr, kleine Larven aber noch gut bekämpfbar. Foto: G. Willner, NPZ/RAPOOL-RING GmbH
Nach Andreas Johnen (Expert) können insbesondere folgende Flächen im Frühjahr hohen Befall aufweisen:

1) Flächen, wo aufgrund der Käferfraßes früh behandelt und späterer Zuflug (bei Normalsaaten Mitte Oktober, bei Spätsaaten Ende Oktober) nicht weiter beachtet wurde.

2) Flächen, wo der Befall eher unauffällig war und die im Herbst gar nicht behandelt wurden. Aufgrund der extrem günstigen Bedingungen kann sich auch auf solchen Flächen stärkerer Larvenbefall aufgebaut haben.

Auch wenn ein stärkerer Larvenbefall nicht die Regel, sondern eher ein Ausnahmefall sein sollte (mit regionalen Schwerpunkten!), werden bei einer Pflanzenkontrolle zu Vegetationsbeginn auch mögliche weitere Probleme wie z.B. Kohlhernie oder Wurzelschäden (Kohlfliege, Nässe, Bodenstruktur usw.) sichtbar. Auf unseren Rapool Internetseiten laufen seit dem Herbst verschiedene Monitoringmodule, bei denen jeder Landwirt mit seiner Teilnahme zur Gesamtübersicht beitragen kann.

Werden an ca. 60 bis 70% der Blattstiele die typischen Verbräunungen, Bohrlöcher oder Larven gefunden, so sollte behandelt werden. Mit den zugelassenen Pyrethroiden können große Larven nicht mehr, kleinere Larven aber noch mit gutem Erfolg dezimiert werden. Der Anteil der noch gut bekämpfbaren Larven liegt laut Expert meist zwischen 75% bei späten Saatterminen bzw. frühen Behandlungsterminen und 50% bei frühen Saatterminen ohne Herbstbehandlung.

Abb.: Typisches “Bohrloch” einer Rapserdflohlarve, hier in gefährlicher Nähe zum Vegetationskegel. Foto: G. Willner, NPZ/RAPOOL-RING GmbH
 Abb.: Typisches “Bohrloch” einer Rapserdflohlarve, hier in gefährlicher Nähe zum Vegetationskegel. Foto: G. Willner, NPZ/RAPOOL-RING GmbH
Bei Temperaturen unter +4°C verläuft die weitere Larvenentwicklung nur sehr langsam, so dass bei mittlerem Larvendruck eine Behandlung zusammen mit der ersten Maßnahme gegen Frühjahrsschädlinge vom Termin ausreichend ist. Allerdings sollte dann beim ersten Stängelrüsslerflug (siehe Expert Schädlingsprognose) umgehend behandelt und in diesen Ausnahmefällen nicht auf den Eiablagebeginn gewartet werden. Sehr hohe Larvenzahlen je Pflanze rechtfertigen nach Bernd Ulber (Uni Göttingen) auch eine Sofortmaßnahme, um eine Wanderung der Larven in den Vegetationskegel zu verhindern. Niedrige Temperaturen sind dabei durchaus günstig, da sie die Wirkungsdauer der Pyrethroide verlängern. Bei geringem Larvenbesatz ist aus Gründen des Resistenzmanagements eine Behandlung nicht sinnvoll.

Fazit: Neben der Kontrolle der Frühjahrsschädlinge (Gelbschalen aufstellen) sollten die Rapsschläge aktuell auch auf Erdflohlarven kontrolliert werden. Bei Befall sollten geeignete Frühjahrsmaßnahmen nach Überschreiten der Schadschwelle zeitig erfolgen.

23.02.2015 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH