Wärme bringt ideale Wachstumsreglerbedingungen, aber auch weiteren Schädlingsdruck

Mit Temperaturanstieg und bei ausbleibendem Nachtfrost wird sich die Wachstumsgeschwindigkeit nun deutlich erhöhen. Was ist aktuell zu beachten?

 

Die kühle Witterung Anfang April hat den Rapsbeständen gut getan. Während es bei den Schädlingen durch die niedrigen Temperaturen eine Verschnaufpause gab, konnten die Rapspflanzen ihr Wachstum langsam aber kontinuierlich fortsetzen. Dies hat insbesondere den vielen schwach entwickelten oder wurzelgeschädigten Beständen (Spätsaat, Nässe, Verschlämmungen, Kohlfliegen usw.) gut getan. Mit Temperaturanstieg und bei ausbleibendem Nachtfrost wird sich die Wachstumsgeschwindigkeit nun deutlich erhöhen. Was ist aktuell zu beachten?

Rapsstängelrüssler (RSR) und Kohltriebrüssler (KTR)
Während beide Schädlinge im Süden und in flachen Lagen bereits zu fast 100 % zugeflogen (und teilweise bekämpft) sind, muss in Höhenlagen und im Norden mit weiterem Zuflug und daher auch Kontrollaufwand gerechnet werden. An kühlen Küstenstandorten beginnt jetzt der Erstzuflug. Gezielte Behandlungen sind nur erforderlich, wenn die Schadschwelle von 5 RSR bzw. 15 KTR per Gelbschale in 3 Tagen überschritten wird. Bekämpfung sofort nach Schadschwellenüberschreitung.

Rapsglanzkäfer (RGK)
Auch die ersten Rapsglanzkäfer sind vielerorts bereits zugeflogen. Der Hauptzuflug wird aber mit der kommenden Wärme starten. Die Schadschwelle hängt von der Bestandesentwicklung ab und beträgt für schwache Bestände ca. 4-5 Käfer/Pflanze. Kräftige, wüchsige Bestände können auch 8 (früh) bis 10 (kurz vor Blüte) RGK/Pflanze ohne Schäden auswachsen. Nur, wenn noch keine blühenden Pflanzen (auch bzw. insbesondere Unkräuter wie z.B. Stiefmütterchen, Taubnessel usw.) zu finden sind, können die bienengefährlichen B1-Präparate PLENUM oder AVAUNT eingesetzt werden, ansonsten eignet sich bei geringem RGK-Druck und vorhandenen RSR/KTR der Einsatz von TREBON (B2). Blühende Pflanzen und Starkzuflug erfordern eine Bekämpfung mit BISCAYA oder MOSPILAN.

Abb. Rapsglanzkäfer auf Rapsknospe
 Abb. Rapsglanzkäfer auf Rapsknospe
Das RAPOOL-Insektizidmodul unterstützt bei der Mittelwahl und liefert die benötigten Informationen zur Bieneneinstufung der Insektizide auch in Kombination mit verschiedenen Wachstumsreglern/Fungiziden.

Den aktuellen Überblick zu Schädlingsdruck, Zuflug und Bekämpfungsbedingungen liefert wie gewohnt unsere Expert Schädlingsprognose.

Wachstumsregler / Fungizideinsatz
Für den Großteil der Rapsbestände steht in den nächsten Tagen bei ausbleibendem Nachtfrost der Wachstumsregler-Einsatz an. Für viele Betriebe wird es sich um die erste Maßnahme handeln. Teilweise haben bereits erste WR-Behandlungen bei warmer Witterung Mitte bis Ende März stattgefunden, hier bieten die kommenden warmen Tage perfekte Bedingungen, um nachzulegen. Die Bestände sind deutschlandweit sehr unterschiedlich entwickelt von noch am Boden sitzend bis bereits hin zum Großknospenstadium in warmen Lagen und weit entwickelten Beständen (hier sollte bereits vorher eine WR-Maßnahme erfolgt sein). Zudem gilt es, Sorte, Bestandesdichte und insbesondere Bodenfeuchte zu berücksichtigen. Dementsprechend unterschiedlich können die empfohlenen Aufwandmengen schwanken. Eine gute Orientierung für „Standardmaßnahmen“ liefert der Wachstumsregler-Kalkulator. Auf leistungsstarken Standorten mit entsprechend kräftigen Rapsbeständen können bei guter Wasserversorgung in diesem Frühjahr normale bis kräftige WR-Aufwandmengen empfohlen werden. Denn das Streckungswachstum ist voll in Gang, Winterschäden und Blattverluste sind kaum vorhanden, und die Böden sind überwiegend gut mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Dies spricht für ein kräftiges Wachstum. Auch in bereits einmal eingekürzten Beständen sollte die zweite Maßnahme nicht zu knapp ausfallen, da von der ersten Teilmaßnahme im März jetzt keine zusätzliche Wirkung mehr zu erwarten ist. Dort, wo die Bodenfeuchte trotz den Niederschläge Anfang April auch in tieferen Bodenschichten immer noch oder schon wieder unter 80% nFK liegen (siehe Deutscher Wetterdienst), ist hingegen Vorsicht vor (zu) hohen Aufwandmengen geraten. Bereits die fehlende Bodenfeuchte wird auf leichteren Standorten Pflanzenwachstum und die Nährstoffaufnahme begrenzen, so dass hier bevorzugt Produkte mit stärkerer fungizider Wirkung in maßvollen Aufwandmengen  angemessen sind.

Fazit: Bei warmer Witterung bestehen nahezu ideale Bedingungen, um die Rapsbestände effektiv einzukürzen. Bei Bedarf kann die Einkürzung mit notwendigen Insektizidmaßnahmen kombiniert werden. Immer zu empfehlen ist die Kombination mit 200-300 Gramm Bor. Auch etwas Schwefel kann in Form von Bittersalz zugeführt werden (leichte Böden / hohe Niederschläge / knappe Erstversorgung). Bei allen PSM-Maßnahmen unbedingt auf den Bienenschutz achten.

7.04.2015 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH