Raps – Beurteilung der Bestände im Spätherbst 2015

Die Kälte hat das Wachstum des Rapses zwar kurzzeitig unterbrochen, aber nicht gestoppt.

Nachdem der Oktober 2015 sich zur Monatsmitte bereits kurzzeitig winterlich zeigte, ist für Ende Oktober und Anfang November ruhigeres Spätherbstwetter angesagt. Die Kälte hat das Wachstum zwar kurzzeitig unterbrochen, aber nicht gestoppt. Dennoch ist der bisherige Witterungsverlauf nicht mit dem goldenen Oktober des Vorjahres zu vergleichen. Die Rapsbestände zeigen deutschlandweit ein sehr differenziertes Bild, sind aber insgesamt deutlich schwächer entwickelt als im Vorjahr. Es gab wegen Herbizid- und Schneckenschäden bereits Umbrüche. Bei ungünstigem Winterverlauf sind weitere Umbrüche zu befürchten. Zeit für eine Zwischenbilanz.


Welche Kontrollen stehen an?

  • Wachstumsregler/Fungizid notwendig?
  • Schädlingsdruck beurteilen
  • Düngungsmaßnahmen vor Winter erforderlich?
  • Unkrautkontrolle

 

Beurteilung Wachstumsregler/Fungizid

Abb. Der Fungizid-/Wachstumsregler bei günstiger Witterung Anfang Oktober zeigte bereits nach wenigen Tagen eine nachhaltige Wirkung. Erdflöhe waren kaum vorhanden. Hier ist keine weitere Maßnahme vor Winter mehr notwendig. Bildquelle: G. Oehlschläger, RAPOOL-RING GmbH
 Abb. Der Fungizid-/Wachstumsregler bei günstiger Witterung Anfang Oktober zeigte bereits nach wenigen Tagen eine nachhaltige Wirkung. Erdflöhe waren kaum vorhanden. Hier ist keine weitere Maßnahme vor Winter mehr notwendig. Bildquelle: G. Oehlschläger, RAPOOL-RING GmbH
Mitte September herrschten im gesamten Nordwesten gute Phoma-Infektionsbedingungen, während es im Osten und Süden hierfür zu trocken war (siehe Info vom 25.09.). Entsprechend haben viele Betriebe um die Monatswende  eine Wachstumsregler-/Fungizidmaßnahme mit kurativer und protektiver Leistung gesetzt. Die Nässeperiode Mitte Oktober war dann für größere Phoma-Infektionen zu kalt, und bei weiterhin ruhigem Herbstwetter  herrschten eher schwache bis mäßige Bedingungen für Neuinfektionen (siehe Expert Prognose).  Wüchsige Bestände  sollten, falls noch nicht geschehen, noch einmal gekürzt werden. Schwache und ungleichmäßige Rapse können mit angepassten Aufwandmengen fungizider Produkte gestärkt werden. Sortenspezifische Empfehlungen finden Sie hier.

Der Schädlingsdruck unterscheidet sich ganz erheblich vom Vorjahr. Zwar werden in der Praxis durchaus häufig Rapserdflöhe festgestellt, das Befallsniveau ist aber wesentlich geringer, wie bereits ein Blick auf die Rapserdfloh-Monitoringkarte eindrucksvoll verdeutlicht. Dies gilt auch für den Wurzelbefall durch die Maden der Kleinen Kohlfliege.

Abb. Rapserdflohmonitoring
 Abb. Rapserdflohmonitoring
Dennoch steht der Raps nicht besser als im Vorjahr da, sondern kämpft mit anderen Widrigkeiten. Haupt-Schädlinge waren in diesem Jahr Mäuse und Schnecken. Hinzu kamen dann teilweise noch Herbizidschäden. Wie im Vorjahr ist auf belasteten Flächen ohne entsprechende resistente Sorte teilweise Kohlhernie-Wurzelbefall zu finden. Es gab bereits die ersten unangenehmen Überraschungen.

Ende September / Anfang Oktober kam es zur Haupteiablage der (wenigen) bis dahin zugeflogenen Erdflöhe. Eine Behandlung war in der Regel nicht notwendig. Aufgrund der seitdem kühlen Witterung verläuft ein weiterer Zuflug sowie die Larvenentwicklung entsprechend später und langsamer. Im Vorjahr konnte man bereits Ende Oktober die Spuren der Larven gut sichtbar in befallenen Blattstielen finden. Dies wird in diesem Jahr erst später im November/Dezember möglich sein. Sind dann an 2 bis 3 von 10 Blattstielen Larvenschäden zu finden, ist eventuell eine sehr späte Insektizidmaßnahme z.B. in Kombination mit einem Kerb–Herbizideinsatz zu überlegen. Behandlungen nach Eiablage, aber vor Larvenschlupf sind unnötig. Die Larvenentwicklung und mögliche Bekämpfungstermine werden über Expert sehr gut dargestellt.

 

Düngungsmaßnahmen vor Winter erforderlich?
Trotz der verbreiteten Trockenheit fielen bei der Getreideernte erstaunlich hohe Strohmengen an, die eben wegen der Trockenheit auch nach der Ernte zunächst in den Böden nicht umgesetzt werden konnten. Aufgrund niedrigerer Bodentemperaturen erfolgte die Umsetzung zudem relativ langsam. Auffällig häufig sind in diesem Jahr N-Mangelerscheinungen durch schlechte Strohverteilung und eingeschränkte Strohrotte.

Die meisten Spätsaaten und schwach entwickelten Bestände haben bereits eine zusätzliche N-Gabe im Herbst erhalten. Zeichnen auch normal entwickelte Bestände auf N–Mangel, können Sie noch bis Ende Oktober (Beginn Sperrfrist) eine kleine N-Gabe von ca. 20 – max. 40 kg N/ha vorsehen. Um die Winterhärte nicht zu gefährden sollten amid- oder ammoniumhaltige Düngerformen gewählt werden. Falls noch nicht geschehen, sollten Sie die Mikronährstoffversorgung (150 - 200 g Bor) sicherstellen. Auf leichten, auswaschungsgefährdeten Böden kann die Mg- und S- Versorgung durch etwas Bittersalz verbessert werden.

Hohe N-Aufnahmen vor Winter wie im Vorjahr werden dieses Jahr die Ausnahme sein. Dennoch empfiehlt sich zu Vegetationsende die Bestimmung der N-Aufnahme als Orientierung für die Höhe der N-Frühjahrsdüngung. Wenn Sie nicht über Sensortechnik verfügen, können Sie hierzu auch Hilfsmittel wie die Yara-App ImageIT oder unsere N-Waage nutzen.

 

Unkrautbekämpfung
Zur Unkraut- und Ungrasbekämpfung während der „Vegetationsruhe“ können z.B. Kerb Flo, Groove, Cohort (400 g/l Propyzamid) oder Milestone (500 g/l Propyzamid + 5,3 g/l Aminopyralid) eingesetzt werden.

Kerb flo wirkt auch gegen resistenten Ackerfuchsschwanz und Trespen bzw. dient der Resistenzvermeidung! Gegen AFU volle Aufwandmenge 1,875 l/ha einsetzen. Optimal sind 250 l/ha Wasser, Luftfeuchtigkeit > 60%. Auf feintropfige Applikation achten. Schlechte Benetzung kann zu Minderwirkungen führen. Der Einsatz bei Bodenfeuchtigkeit und/oder nachfolgender Regen ist von Vorteil.

Milestone ist ein Herbizid (maximale Aufwandmenge 1,5 l/ha) zur Bekämpfung von Ungräsern, Ausfallgetreide und Unkräutern wie Kamille-Arten, Kornblume und Klatschmohn. Der optimale Anwendungstermin liegt ebenfalls ab Beginn der Vegetationsruhe, wenn die Bodentemperatur unter 10 °C liegt. Zur optimalen Wirkung ist ein feuchter Boden mit feinkrümeliger Bodenstruktur vorteilhaft. Milestone kann auch auf gefrorenen, aber schneefreien Boden gespritzt werden. Die Wirkung, vor allem gegen Gräser, wird erst mit beginnender Vegetation im Frühjahr sichtbar. Achtung: keine  Anwendung nach bereits erfolgter Runway-Behandlung.

 

21.10.2015 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH