Raps – Landwirte nutzen Befahrbarkeit für die erste N-Gabe

Die Frühjahrsdüngung 2016 wird letzmalig nach "alter" Düngeverordnung stattfinden.

Abb. Andüngung von Winterraps
 Abb. Andüngung von Winterraps
Wo Witterung und Befahrbarkeit erlauben, hat die Andüngung der Rapsbestände begonnen. Mit schlagkräftiger Technik (36 Meter Arbeitsbreite!) erfolgt hier die organische Andüngung von Winterraps (siehe Foto). Die bodennahe, streifenförmige Ausbringung wird zwar nach jetzigem Kenntnisstand erst ab 2020 durch die novellierte Düngeverordnung verbindlich vorgeschrieben, die Schleppschlauchverteilung sorgt aber bereits jetzt durch die Verminderung von gasförmigen Verlusten für eine verbesserte N-Effizienz.

Raps kann Gülle, Gärreste oder andere organische Dünger mit einem höheren P- und K-Gehalt hervorragend ausnutzen, wenn sie zeitig im Februar/Anfang März ausgebracht werden. Ideal für eine hohe Ausnutzung der gedüngten Nährstoffe sind niedrige Temperaturen, bedeckter Himmel, wenig Wind und ausreichende Bodenfeuchte. Der enthaltene Schwefel trägt allerdings nur in geringen Anteilen zur Schwefel-Versorgung bei, da er überwiegend organisch gebunden ist und erst umgesetzt werden muss. Raps und Getreide sollten daher immer eine ergänzende mineralische Schwefelgabe als Sulfat erhalten, um Mindererträge durch unzureichende S-Versorgung zu vermeiden.


Frühjahrsdüngung 2016 letztmalig nach „alter“ Düngeverordnung
Wird wie geplant die Novelle der Düngeverordnung im zweiten Halbjahr 2016 verabschiedet, so werden die meisten Ackerbaubetriebe ihre Düngungsstrategien zukünftig neu kalkulieren müssen. Die Absenkung des betrieblichen N-Saldos von + 60 auf + 50 kg N/ha sowie die bundeseinheitliche Vorgabe eines N-Bedarfswertes werden die N-Düngung stärker limitieren und einen effizienteren N-Einsatz erfordern. Im Raps beträgt der geplante N-Bedarfswert z.B. für einen Rapsertrag zwischen 35 und 45 dt/ha 200 kg N/ha. Von diesem Gesamtbedarf müssen noch Korrekturen für Nmin sowie die N-Nachlieferung aus Boden, Vorfrucht sowie organischer Düngung im Vorjahr abgezogen werden. Grob kalkuliert: 200 kg N/ha minus 30 kg Nmin. = 170 kg zulässige N-Düngung, inklusive Herbst. Ambitioniert.

 
Landwirte sollten sich daher bereits bei der diesjährigen Frühjahrsdüngung mit den zukünftigen Anforderungen befassen, indem z.B. ein Teilschlag oder zumindest eine Fahrgasse konsequent nach „neuer“ Düngeverordnung gedüngt wird. Bei Flüssigdüngung oder pneumatischen Streuern ist dies technisch recht einfach zu lösen, doch Schleuderstreuer arbeiten in der Regel mit doppelter Überlappung. Hier kann entweder die Grenzstreueinrichtung genutzt werden, oder es wird über 2 Fahrgassen gearbeitet. Beispielhaft soll in der Abbildung die ausgebrachte N-Menge von 180 kg N im Frühjahr auf Fahrgassenbreite um 40 kg reduziert werden, entweder in der ersten (empfohlen bei üppigen Beständen und guter Bodenfeuchte) oder wie hier in der zweiten N-Gabe. Der Streifen zwischen den beiden reduzierten Fahrgassen wird so einheitlich gedüngt, während die angrenzenden Streifen eine Übergangszone bilden. Es ist zu erwarten, dass der reduzierte Streifen im weiteren Vegetationsverlauf heller sein wird und etwas früher abreift. Evtl. werden auch Unterschiede in der Lagerneigung oder dem Krankheitsdruck sichtbar. Ob ertragliche Unterschiede resultieren, wird von der Witterung, der Nährstoffdynamik des Bodens und der Wurzelentwicklung abhängen. Der Ölgehalt ist zwar nicht sichtbar, wird aber höher liegen und so über den Preiszuschlag einen moderaten Ertragsrückgang zumindest teilweise kompensieren.

Fazit: Die meisten Rapsbestände haben sich im warmen November/Dezember gut zurechtgewachsen und lassen ein gutes Ertragsniveau erwarten. Ausnahmen sind wegen Trockenheit spät aufgelaufene, lückige Bestände im Süden und Osten. Die N-Düngung nach Frischmasse oder auch eine Reduktion der N-Düngung auf Teilflächen oder Fahrgassenbreite bieten dieses Jahr eine gute Gelegenheit, um sich an die Vorgaben der neuen DüVO heranzutasten.

17.02.2016 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH