Empfehlungen zum Wachstumsreglereinsatz im Frühjahr 2016

Die Rapsbestände präsentieren sich Ende März sehr unterschiedlich. Verbreitet sind Bestände ohne Probleme im Herbst und Winter bei früher Andüngung bereits „voll im Saft“ und haben teilweise schon eine erste Einkürzung erhalten.

Die Böden sind in den letzten Tagen gut abgetrocknet, aber überwiegend gut durchgefeuchtet. Gleichzeitig kommt auch die N-Düngung auf den kalten, nassen Standorten allmählich zur Wirkung, so dass auch die blau-roten Rapse in den letzten Tagen deutlich durchgegrünt sind. Wo dies immer noch nicht der Fall ist, haben andere Gründe wie Herbizidschäden, Kohlhernie, Kohlfliegenbefall oder Frostschäden allein oder in Kombination einen großen Einfluss.

Bei Wuchshöhen von 10 – 20 cm vor Ostern wird in den nächsten Tagen bis Anfang April ein Großteil der Rapsbestände in das Streckungswachstum übergehen. Die Wetterprognosen sind zwar nicht frühlingshaft, aber dennoch mit deutlich zweistelligen Tagestemperaturen und vor allem ohne Nachtfrost günstig für das weitere Wachstum und den Wachstumsreglereinsatz. Die besten Wirkungen werden bei warmem, wüchsigem Wetter und ausreichender Wasserversorgung der Pflanzen erzielt. Vorsicht ist geboten bei Nachtfrösten sowie bei gestressten Beständen! Insbesondere bei Trockenstress sollte der Einsatz unterbleiben bzw. terminlich verschoben werden. Aber diese Situation ist – anders als im Vorjahr – eher die Ausnahme.

Im Osten und Süden spielte  Phoma im Herbst trockenheitsbedingt nur eine untergeordnete Rolle, der Fokus liegt hier  in der  Einkürzung der Bestände. Im Westen und Norden gab es im Herbst teilweise starken Phomadruck, hier sollte auch bei Behandlung im Herbst aktuell eine Kombination mit ausreichender fungizider Wirkung gewählt werden.

Erfolgt(e) der Einsatz in kräftigen Beständen früh bei bis zu 20 cm Wuchshöhe, z.B. mit 0,2 – 0,3 l/ha CARAX + 0,4 – 0,5 l/ha FOLICUR, MATADOR, TILMOR oder vergleichbaren Produkten, sollte bei wüchsigen Bedingungen und guter Nährstoffversorgung noch eine weitere Teilmenge im Splitting nachgelegt werden. Ist nur eine Maßnahme vorgesehen, sollten die Aufwandmengen etwas höher liegen. Ein gutes Hilfsmittel zur sortenspezifischen Bemessung in Abhängigkeit von der aktuellen Bestandesentwicklung liefert Ihnen unser WR-Kalkulator.

Bestände, die aktuell noch klein oder sehr weit zurück sind (z.B. wegen trockenheitsbedingt sehr spätem Feldaufgang im Herbst), sollten erst bei deutlichem Streckungswachstum behandelt werden. Hier bietet sich eine Vorlage von z.B. 0,5 l/ha eines Tebuconazolpräparates bei ca. 15 cm Wuchshöhe an. Die Nachlage hängt dann in Termin und Aufwandmenge von der weiteren Entwicklung des Bestands ab.

Ausreichende Borversorgung sicherstellen

Insgesamt sollte der Raps im Frühjahr mit ca. 300 bis 500 g Rein – Bor versorgt werden. Dies geschieht in der Regel pflanzenschutzbegleitend in 2 Maßnahmen bis zum Blühbeginn. Bor erhöht allerdings den pH-Wert der Spritzbrühe, was bei Kombination Pyrethroiden deren Wirkung verschlechtert. Sie sollten daher erst die Spritzbrühe ansäuern, dann das Pyrethroid, und dann erst das Bor zuletzt einfüllen.

Falls noch nicht erfolgt, sollte in den nächsten Tagen zudem die zweite N-Düngung erfolgen. Und kontrollieren Sie  bitte ihre Gelbschalen!

Fazit: Die Rapsbestände entwickeln sich bisher zwar langsam, präsentieren sich derzeit mit einigen Ausnahmen aber überwiegend gut. Die kommende Erwärmung ohne Nachfröste wird das Wachstum nun deutlich anschieben, so dass der Entwicklungszustand im normalen langjährigen Schnitt liegt. Auch die nun anstehenden Maßnahmen bewegen sich im „normalen“ Rahmen und sollen das gute Ertragspotenzial der meisten Bestände bestmöglich absichern.

24.03.2016 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH