Temperatursturz – bis Ende April bleibt es kalt und launisch

Bei vielen Betrieben besteht angesichts der aktuellen Witterung Verunsicherung  bezüglich der anstehenden Blütenbehandlung.

Nicht befruchteter Schotenansatz
Hauptziel der Blütenbehandlung ist die Vermeidung von Sclerotinia Infektionen. Die Krankheit benötigt jedoch neben längerer Blatt- und Bodenfeuchte auch höhere Temperaturen (optimal ca. 20°C Lufttemperatur). Diese werden bei der aktuellen Witterung nicht erreicht, es ist für Infektionen schlichtweg zu kalt. Unter m.isip.de kann jeder Landwirt durch Angabe seiner Postleitzahl seine Infektionsgefahr der letzten Tage kostenlos und einfach per Smartphone überprüfen. Zusammen mit der Fruchtfolge ,dem Sclerotiniabefall auf vorjährigen Nachbarschlägen und der Schlaghistorie kann so das Risikopotenzial abgeschätzt werden.

Auch für die Schädlinge bleibt die kühle Witterung für den Zuflug ungünstig, so dass in der Regel aktuell keine Maßnahmen erforderlich sind (siehe Expert Prognose). Ob und wann eine Blütenbehandlung im Raps erforderlich ist, wird sich erst durch den weiteren Witterungsverlauf nach dieser Kälteperiode zeigen.

Welchen Einfluss haben Nachtfröste?                                   

Nach Nachtfrösten kann man beobachten, dass sich die Triebe nach unten bzw. zur Seiten gebogen haben. Der Haupttrieb steht häufig im 90 Grad Winkel. Im Laufe des Tages richten sich die Triebe aber wieder auf. Oft bleiben die in dieser Zeit aufblühenden Blüten unbefruchtet. Die vor und nach dem Frost geöffnete Blüten sind davon nicht betroffen und bilden normale Schoten. Frostperioden während der Blüte kann man daher daran erkennen, dass am Haupttrieb und auch an den Seitentrieben jeweils eine Zone gleichen Alters ohne Schotenansatz zu finden ist, während darunter und darüber ganz normale Schoten zu finden sind. Eine kurze Frostphase kann von einem kräftigen Rapsbestand in der Regel ohne ertragsrelevante Folgen kompensiert werden, da die Pflanze ein paar fehlende Schoten ganz einfach über ein etwas höheres Tausendkorngewicht kompensieren kann.

Fazit: Die launische Witterung erschwert Entscheidungen und wird die diesjährige Blühdauer voraussichtlich kräftig in die Länge ziehen. Ein bisher relativ geringer Krankheits- und Schädlingsdruck sowie das langsame Wachstum ohne Trocken- und Hitzestress sind dabei aber durchaus positiv zu sehen. Die Relevanz für den möglichen Erntetermin bleibt abzuwarten, denn erfahrungsgemäß wächst sich in der Natur vieles wieder zurecht.

22.04.2016, Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH