Sclerotinia verursacht 2016 vor allem im Süden regional massive Schäden – Ursachen und Empfehlungen

Im Süden brachten feuchte Bedingungen von Beginn bis Ende der Rapsblüte fortwährend günstige Infektionsbedingungen, während es im Norden und Osten zum Blühbeginn erst kalt und dann eher trocken war.

Während der Norden Deutschlands teilweise bereits seit der Saat mit Nässe, Krankheiten, Schädlingen, Frost und Trockenheit zu kämpfen hatte, präsentierten sich die meisten Rapsbestände im Rest der Republik bis ca. Mitte Juni sehr schön. Doch insbesondere im Süden erfolgte ab Ende Juni das böse Erwachen, als die ersten Sclerotinia Infektionen sichtbar wurden.

Abb. Wasserbilanz Frühjahr
 Abb. Wasserbilanz Frühjahr
Die Häufigkeit und Schwere der Befallsmeldungen korreliert dabei gut mit den Niederschlägen während der Blüte (siehe DWD – Wasserbilanz Frühjahr). Im Süden brachten feuchte Bedingungen von Beginn bis Ende der Rapsblüte fortwährend günstige Infektionsbedingungen, während es im Norden und Osten zum Blühbeginn erst kalt und dann eher trocken war. Hier waren meist erst deutlich nach der Vollblüte günstige Infektionsmöglichkeiten gegeben. Dementsprechend erfolgte der Befall erst relativ spät, konnte sich aber dank der wochenlangen feucht-warmen Witterung schnell und stark entwickeln.
Die Schwere der Infektion kann aber schlagspezifisch stark variieren. Der Befall wird in der Regel vom Sporenflug der während der Blüte aus den Sclerotien auskeimenden Apothezien ausgelöst. Hier spielen die Schlaghistorie und der enorm große Wirtspflanzenkreis von Sclerotinia die größte Rolle.

Starker Befall trotz Behandlung ist in diesem Jahr häufig zu finden. Selbst die potentesten (und teuersten) Fungizide können bei voller Aufwandmenge und bester Ausbringung nur ein Infektionszeitfenster von ca. 14 Tagen abdecken, während sich die Rapsblüte über ca. 4 Wochen steckt. Meist lag der Behandlungstermin relativ früh, noch vor der Vollblüte. In der Praxis wird berichtet, dass spätere Behandlungstermine tendenziell eine bessere Wirkung zeigen.

Abb. Sclerotinia
 Abb. Sclerotinia
Um die Bestände bei anhaltend hohem Infektionsrisiko ausreichend lange abzusichern, wären in diesem Jahr 2 Behandlungstermine erforderlich gewesen.

Welche Möglichkeiten gibt es zur Vorbeuge?
Um es vorweg zu nehmen: Es gibt zwischen den aktuell in Deutschland zugelassenen Rapssorten keine grundsätzlichen Unterschiede im Befallsrisiko. Lediglich die Gruppe der Halbzwerge hat sich in der Vergangenheit aufgrund ihres anderen Wuchstyps mit tief ansetzenden Verzweigungen als stärker anfällig erwiesen. Bekannt sind aus der Vergangenheit leichte Sortenunterschiede, die sich aber hauptsächlich aus dem Blühverhalten erklärten. Je nach Infektionszeitraum waren mal Sorten mit früher Blüte, mal Sorten mit späterer Blüte stärker getroffen.

Tabelle 1: Vergleich chemische zu biologische Sclerotinia-Bekämpfung
 Tabelle 1: Vergleich chemische zu biologische Sclerotinia-Bekämpfung
Die chemische Bekämpfung der Weißstängeligkeit ist heute auf vielen Betrieben Standard, doch nicht immer wirtschaftlich. Das Befahren der Rapsbestände während der Vollblüte verursacht insbesondere bei kleinen Arbeitsbreiten stärkere Fahrspurverluste. Zudem ist das Treffen des Infektionszeitpunkts nicht immer einfach. Neben chemischen Mitteln steht bereits seit einigen Jahren auch das biologische Präparat Contans zur Verfügung. Unterschiede zwischen chemischem und biologischem Bekämpfungsansatz sind in Tabelle1 dargestellt.

Was ist beim Einsatz von CONTANS zu beachten?
Bei Contans WG handelt es sich um lebende Sporen eines Pilzes (Coniothyrium minitans), der die Sclerotien parasitiert und dadurch zerstört. Damit wird der Boden biologisch entseucht.

Der Einsatz auf die Rapsstoppel reduziert bereits im ersten Jahr die Anzahl der Sclerotien deutlich. Als lebende Organismen benötigen die Pilzsporen allerdings ausreichend Feuchtigkeit. Dies erfordert eine zügige Einarbeitung in den Boden sowie eine ausreichende Bodenfeuchte zum Überleben und Auskeimen der Sporen. Direkte Sonneneinstrahlung und Hitze lassen Sporen von Coniothyrium minitans an der Bodenoberfläche absterben. Bei Trockenheit und schlechte /zu später Einarbeitung besteht die Gefahr, dass nur ein Teil der Sclerotien mit den Pilzsporen und deren Pilzhyphen in Kontakt kommt und zerstört wird. Dies ist einer der Gründe, warum man beim Einsatz von Contans keine 100%ige Wirkung erwarten sollte. Contans stellt keinen Ersatz zu einer Vollblütenbehandlung dar, sondern ist als zusätzliches Instrument zu verstehen, um innerhalb der Fruchtfolge den Befallsdruck zu reduzieren. Unter starken Befallsbedingungen ist daher anzuraten, den Einsatz von Contans nach der diesjährigen Rapsernte beim nächsten Rapsanbau auf diesem Schlag mit einer Blütenspritzung zu kombinieren. So wird einerseits der dann aktuelle Befall kontrolliert und zugleich ein langfristiger biologischer Abbau der Sklerotien im Boden eingeleitet.

Praxistipp: Sclerotiendepots anlegen. Bei Befall werden Sie – leider – reichlich Sclerotien auch im diesjährigen Erntegut finden. Sammeln Sie hiervon ein paar hundert Gramm als kleinen Vorrat. Direkt bei der Rapsaussaat sollten Sie dann je eine Handvoll (je 50 bis 70 Sclerotien) in 2 bis 4 cm Tiefe vergraben und die Stelle(n) sofort markieren, am besten direkt neben einer Gelbschale. So können Sie im kommenden Frühjahr die Keimung der Apothezien kontrollieren und evtl. den optimalen Bekämpfungstermin besser eingrenzen.

11.07.2016 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH