Zwischen Ernte und Aussaat richtig agieren

Vorfrucht und Bodenbearbeitung zu Raps.

In diesem Jahr hat die Gerste früh geräumt, die Erträge waren eher bescheiden und die Strohmengen bei weitem nicht so hoch wie im Vorjahr. Bodenbearbeitung, Kalkung und Saatbettbereitung zur kommenden Rapsaussaat sind also relativ problemlos möglich. Unproblematisch gestaltet sich in der Regel die Rapsaussaat z.B. auch nach der Getreide GPS Ernte. Schwieriger weil später sind Weizen, Roggen oder Triticale als Vorfrucht. Falls eine sinnvolle Verwertung möglich ist und die Humusbilanz es erlaubt, kann das Stroh auch abgefahren werden. Ansonsten gilt altbekannt: Je weniger Stroh, desto flacher kann gearbeitet werden. Als Faustzahl gelten je 10 dt/ha Stroh ca. 1,5 cm Bearbeitungstiefe. Limitierend sind in diesem Jahr die häufigen Regenpausen und teilweise nicht befahrbare Äcker.

Der Vorfrucht, dem Erntetermin und dem Strohmanagement wird im Zuge der novellierten Düngeverordnung zukünftig eine stärkere Bedeutung zukommen. Zwar kann die Rapsaussaat 2016 noch einmal in gewohnter Manier stattfinden, doch zur kommenden Aussaat 2017 werden vermutlich die Anforderungen der Novelle greifen. Raps gehört zwar im derzeitigen Entwurf zu den Kulturen, wo eine Herbstdüngung noch zulässig sein wird, jedoch nur mit max. 60 kg N. Und das muss reichen für Strohrotte und Rapswachstum. Grund genug, um sich über die geeignete Vorfrucht für die Rapsaussaat 2017 bereits jetzt Gedanken zu machen.

Bodenbearbeitung reduziert Unkräuter und Schädlinge

Mechanische Stoppelbearbeitung auf Altrapsflächen als Beitrag zur Ackerhygiene verschlechtert die Entwicklungsbedingungen für Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge. Und davon gab es dieses Jahr genug! Eine ca. 8 cm tiefe Bodenbearbeitung (nicht als erster, sondern frühestens als zweiter oder dritter Arbeitsgang nach der Ernte) mit anschließender Rückverfestigung kann einen Teil der Kohlfliegenpuppen im Boden zerquetschen und so die kommende Kohlfliegenpopulation verringern.. Zum Zeitpunkt der Bodenbearbeitung vorhandene Erdflöhe werden reduziert, allerdings nur in begrenztem Umfang. Falls möglich, sollte eine Bearbeitung kurz vor der Rapsaussaat stattfinden. Der frisch auflaufende Ausfallraps kann so evtl. eine Lockwirkung für Kohlfliegen besitzen und von Neuansaaten ablenken. Eine zeitige Ausfallrapsbeseitigung spätestens im 3-Blatt-Stadium dient ebenfalls zur Kohlhernie-Vorbeuge und generell zur Einhaltung einer guten Ackerhygiene.

Schnecken hatten optimale Bedingungen

Der milde Winter und die überwiegend feuchtwarme Witterung haben den Schnecken in vielen Regionen optimale Vermehrungsbedingungen geboten. Häufig kann man derzeit beim Herausziehen von Raps- oder Getreidestoppeln mit geschultem Auge die kleinen glasigen Schneckeneier finden. Während sich adulte Schnecken bei Trockenheit in tiefere Bodenschichten zurückziehen, sind sie bei ausreichender Bodenfeuchte ebenfalls an und kurz unter der Bodenoberfläche aktiv. Mit jeder mechanischen Bearbeitung können daher gute Bekämpfungserfolge erzielt werden, noch bevor die Folgekultur bestellt wird.

Fazit: Falls es zeitlich möglich ist, könnte in diesem Jahr statt einer frühen Bestellung eine zusätzliche Bodenbearbeitung die bessere Wahl sein. Denn Unkräuter, Krankheiten und Schädlinge konnten sich witterungsbedingt bisher gut vermehren. Ein zusätzlicher Arbeitsgang vermindert den Schneckendruck, fördert das Auflaufen von Unkräutern und verbessert in der Regel die Qualität des Saatbettes – nicht nur für die Rapsaussaat.

02.08.2016 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH