Hoffen auf Regen

Der Raps leidet Mitte September in ganz Deutschland unter teilweise extremer und lang andauernder Dürre.

Gut erkennbar ist dies an der Karte des Deutschen Wetterdienstes vom 13.09. mit Bodenfeuchten verbreitet unter 30%. Im Norden und Westen hat die Feuchte meist für den Feldaufgang noch ausgereicht. In weiten Teilen Süd- und Ostdeutschlands ist es jedoch seit der Aussaat teilweise extrem trocken. Im Osten haben viele Betriebe trotz Trockenheit ihren Raps noch um die Monatswende bestellt, andere Betriebe haben auf den schwierigsten Flächen auf die Aussaat verzichtet oder sogar bisher überhaupt keinen Raps gesät.

Je nach Standort, Boden, Bodenbearbeitung, Saattermin und „Glück bzw. Pech“ gibt es die unterschiedlichsten Rapsbestände von 4-6 Laubblättern (die bereits eingekürzt werden mussten) bis hin zu Felder, auf denen selbst 4 Wochen nach der Saat noch kein Raps aufgelaufen ist.

Der nächste Regen wird zeigen, wie es mit dem Raps weitergeht. Auf sehr vielen trockenen Flächen erfolgte der bisherige Feldaufgang lückig. Aufgelaufene Pflanzen konnten sich je nach Region mit etwas Tau dennoch entwickeln, es gibt allerdings auch die Meldungen über vertrocknende Rapspflanzen. Große Unsicherheit besteht, ob weitere Samen bereits angekeimt waren und noch vor dem Auflaufen vertrocknet sind oder ob nach den erhofften Regenfällen in der zweiten Welle noch genügend Rapspflanzen auflaufen. Dies kann nur abgewartet werden.

Jetzt noch Raps säen?

Ohne Niederschläge – keine Saat. „Mutige“ Betriebe überlegen derzeit, ob sie nach ausreichenden Niederschlägen auch Mitte September noch Raps säen sollen. Eine Empfehlung dafür oder dagegen kann nicht pauschal erfolgen. Die Saatstärke sollte zu diesem späten Termin auf ca. 60 Kö./m² angehoben werden. Sinnvoll ist die Nachsaat auf Teilflächen mit schlechtem Feldaufgang oder auf Kuppen / sandigen Stellen mit bereits vertrockneten Pflanzen. Laut Wetterbericht soll die Witterung bis Ende September durchaus freundlich und mit 20-25°C auch warm bleiben, so dass auch nach dem Regen auflaufende Bestände oder sogar extreme Spätsaaten noch gute Wachstumsbedingungen vorfinden werden – allerdings nur wenn ausreichend Niederschläge gefallen sind. Und der Rest hängt dann wiederum vom Wetter ab.

Spät auflaufende Bestände sollten nicht pauschal mit Stickstoff gedüngt werden. Erstens werden sich die Bestände nicht mehr überwachsen, so dass die N-Aufnahme relativ gering bleiben wird. Zweitens sorgen die warmen Bodentemperaturen bei ausreichender Durchfeuchtung des Bodens für eine gute N-Verfügbarkeit. Drittens muss gerade nach schwachen Ernteerträgen 2016 der betriebliche N-Saldo im Blick gehalten werden. Es wird aber durchaus sinnvoll sein, spät auflaufende  Bestände  im Rahmen einer Pflanzenschutzmaßnahme  bis Mitte Oktober über Bor, Bittersalz und 10 – 15 kg N (AHL) zu stärken.

15.09.2016 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool Ring GmbH