Herbst 2016 – Rapsbestände von gut bis schlecht

Problemschläge umbrechen oder stehenlassen?

Bild 1: Bestände sehr ungleich aufgelaufen, große Fehlstellen
 Bild 1: Bestände sehr ungleich aufgelaufen, große Fehlstellen
Mitte September fielen in weiten Teilen Süd- und Ostdeutschlands die lang ersehnten Niederschläge, allerdings längst nicht immer in erhoffter Menge. Der Nordosten ging erneut komplett leer aus. Das Niederschlagsdefizit hält verbreitet an.

Zurzeit präsentieren sich daher die Rapsbestände in Deutschland sehr heterogen. In fast allen Regionen reicht die Palette von 6-8 Laubblättern bis hin zu noch nicht aufgelaufen. Viele Bestände haben Probleme, die sich hoffentlich noch zurechtwachsen können. In Einzelfällen muss aber auch über einen Umbruch nachgedacht werden. Sorgen bereiten vor allem 3 Situationen, auf die hier eingegangen werden soll:

  • Bestände sehr ungleich aufgelaufen, große Fehlstellen (Bild 1)
  • Bestände sehr streifig aufgelaufen, sehr dünn, auch nach Regen keine neuen Keimpflanzen zu finden (Bild 2)
  • Bestände ungleich aufgelaufen, aber fehlende Pflanzen nach Niederschlägen nun gleichmäßig aufgelaufen (Bild 3)

Bild 2: Bestände sehr streifig aufgelaufen, sehr dünn, auch nach Regen keine neuen Keimpflanzen zu finden
 Bild 2: Bestände sehr streifig aufgelaufen, sehr dünn, auch nach Regen keine neuen Keimpflanzen zu finden
Bild 1 zeigt eine typische Situation auf heterogenen Standorten. In den Senken bzw. dort wo noch Restfeuchte vorhanden war, ist der Raps nach der Saat aufgelaufen und hat bereits 6 oder mehr Laubblätter gebildet. Bild 2 zeigt eine ähnliche Situation mit streifigem Feldaufgang (Schartiefe, Rückverfestigung, Fahrspuren, Bodenbearbeitung, Strohverteilung?). Auf den Fehlstellen sind keine Pflanzen zu finden. Möglichkeit 1: Wegen fehlenden Regens immer noch nicht aufgelaufen. Auch wenn der Regen irgendwann kommt und der Raps noch sehr spät aufläuft, bestehen nur geringe Chancen auf vernünftige Überwinterung und Erträge. Möglichkeit 2: Es hat ausreichend geregnet und trotzdem läuft wenig bis nichts auf. War das Saatbett zu grobklutig, könnten die Keimlinge schon angekeimt und vertrocknet sein.

Bild 3 gilt (hoffentlich) für alle in die Trockenheit gesäten Rapse, die nun nach ausreichenden Niederschlägen zwar spät, aber gleichmäßig aufgelaufen sind.

Bild 3: Bestände ungleich aufgelaufen, aber fehlende Pflanzen nach Niederschlägen gleichmäßig aufgelaufen
 Bild 3: Bestände ungleich aufgelaufen, aber fehlende Pflanzen nach Niederschlägen gleichmäßig aufgelaufen
Umbruch ja oder nein?

In den Situationen 1 oder 2 muss leider über einen vorzeitigen Umbruch noch im Herbst nachgedacht werden. Sind aktuell weniger als ca. 10-15 brauchbare Pflanzen/m² mit 4 oder mehr Laubblättern zu finden und es kommen keine kleinen Pflänzchen mehr dazu, ist das mögliche Ertragspotenzial bereits sehr stark eingeschränkt. Die Bilder 4 und 5 zeigen zudem mögliche Probleme. Schwacher Raps besitzt eine schwache Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern, Ausfallgetreide (Bild 4) und Schädlingen (z.B. Kohlfliege, Schnecken usw.). Weitere Pflanzenausfälle sind dann zu befürchten. Und das Frühjahr 2016 hat gezeigt, dass ein dünner Raps nicht automatisch stark verzweigt (siehe Bild 5). Das Kompensationsvermögen ist zwar vorhanden, kann aber nur teilweise über die Bestandsführung gesteuert werden, die Witterung hat den stärkeren Einfluss.

Auch in Situation 3 (Bild 3) ist die weitere Entwicklung stark vom Witterungsverlauf abhängig. Sind mindestens 20-30 Pflanzen zwar spät, aber gleichmäßig verteilt aufgelaufen, so bestehen noch gute Chancen auf eine zumindest ausreichende Vorwinterentwicklung. Pflanzen mit 6 Laubblättern zu Vegetationsende sind in der Lage, eine gute Winterhärte auszubilden. Und auch Pflanzen mit 4 Laubblättern haben in nicht allzu stressigen Wintern noch gute Überlebenschancen. Hier wird dann die passende Frühjahrswitterung entscheidend.

Bild 4: Ein zu schlechter Raps verursacht oft höhere Bestandesführungskosten bei gleichzeitig hohem Ertragsrisiko.
 Bild 4: Ein zu schlechter Raps verursacht oft höhere Bestandesführungskosten bei gleichzeitig hohem Ertragsrisiko.

Häufig sind Bestände mit ungleichmäßiger Pflanzenanzahl und Pflanzenentwicklung anzutreffen. Hier fallen sämtliche Entscheidungen – egal ob Herbizid, Wachstumsregler oder Umbruch - am schwersten.  Ein schlechter Raps wird bis zur Ernte höhere Bestandesführungskosten verursachen bei gleichzeitig hohem Ertragsrisiko. Bei einer zu geringen Pflanzenzahl pro m² sollte in jedem Fall ein Umbruch in Betracht gezogen werden, trotz bereits angefallener Kosten für Bestellung und Pflanzenschutz bzw. Düngung. Beim Umbruch von Teilflächen bitte immer in Fahrgassen denken. Ein zu kleinräumiges „Ausflicken“ lohnt sich arbeitswirtschaftlich in der Regel nicht.

Sind bereits Herbizide gefallen, so ist bei vorzeitigem Umbruch in den meisten Fällen eine erneute tief wendende Bodenbearbeitung (min. 20 cm) erforderlich, bevor ab Mitte Oktober in der Regel Winterweizen bestellt werden kann. Dies gilt sowohl für Clomazone- als auch für Metazachlor- haltige Produkte.

Kleinen Raps hegen und pflegen

Herbizidmaßnahmen gegen dicotyle Unkräuter (z.B. Butisan, Fuego, Runway) bedeuten Stress und sollten bei den gerade aufgelaufenen „Ultraspätsaaten“ zunächst unterbleiben, bis die kleinen Pflanzen ca. 3-4 Blätter gebildet haben. Falls nötig, sollte Ausfallgetreide aber zeitig ausgeschaltet werden.

Bild 5: Schwacher Raps besitzt eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern, Ausfallgetreide und Schädlingen
 Bild 5: Schwacher Raps besitzt eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern, Ausfallgetreide und Schädlingen
Spät aufgelaufene Bestände sollten nicht pauschal mit Stickstoff gedüngt werden. Erstens werden sich die Bestände nicht mehr überwachsen, so dass die N-Aufnahme relativ gering bleiben wird. Zweitens sorgen die warmen Bodentemperaturen bei ausreichender Durchfeuchtung des Bodens für eine gute N-Verfügbarkeit. Drittens muss gerade nach schwachen Ernteerträgen 2016 der betriebliche N-Saldo im Blick gehalten werden.

Es ist aber durchaus sinnvoll, spät aufgelaufene Pflanzen  mit Bor bzw. Mikronährstoffen, Bittersalz und 10 – 15 kg N (AHL) zu stärken. Zur Verbesserung der Winterhärte empfiehlt sich ab 4-6 Laubblättern auch eine sanfte Fungizidmaßnahme mit z.B. 0,5 l/ha Tebuconazol sowie eine gute Kali-Versorgung.

27.09.2016 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH