Sinkende Bodentemperaturen bremsen das Rapswachstum

Anders als im Vorjahr scheint ein goldener November vorerst nicht in Sicht, die Aussichten bis Mitte November bleiben kalt und ungemütlich.

Während für üppige Rapse die Wachstumsbremse mehr als willkommen ist, haben viele der spät aufgelaufenen Bestände immer noch eine knappe Vorwinterentwicklung mit „nur“ 4 bis max. 6 Laubblättern. Für  eine ganze Reihe schlechter Bestände ist eine mögliche Umbruchentscheidung, meist wegen bereits erfolgter Herbizidmaßnahmen, vorerst aufs Frühjahr verschoben. Sie bleiben auf einen günstigen Winterverlauf angewiesen.

Bestände noch einmal kontrollieren

Egal ob gut oder schlecht, eine Bestandsaufnahme kann für jeden Raps empfohlen werden.

N-Aufnahme vor Winter dokumentieren

Nicht nur für üppige Rapse lohnt sich die Bestimmung der N-Aufnahme im Herbst. Auch bei schwachen Beständen wird es interessant sein, ob es über Winter zu einem Wachstum kommt oder die Entwicklung rückwärts verläuft. Dies hilft ungemein bei einer möglicherweise verschobenen Umbruchentscheidung. Für die Bestimmung der N-Aufnahme  steht das YARA ImageIT-Modul per Smartphone unter m.rapool.de kostenlos zur Verfügung .

Ist noch ein Herbizideinsatz notwendig?

Noch sind die Böden etwas zu warm für einen Einsatz von Kerb oder entsprechenden Präparaten. Doch sobald die Bodentemperaturen dauerhaft unter +10°C gesunken sind (siehe Karte DWD) und die Pflanzen sich in Winterruhe befinden, kann bei Bedarf noch eine Herbizidbehandlung erfolgen. Eine Wachstumsregulierung ist beim jetzigen Temperaturrückgang nicht mehr erforderlich. Bild 1 zeigt einen spät aber sehr gleichmäßig aufgelaufenen Raps mit 4-5 Laubblättern Ende Oktober. Hier wurde bisher bewusst noch keine Herbizidmaßnahme gesetzt. Für diesen Raps bietet sich der Einsatz von MILESTONE an, dessen Wirkstoffe Propyzamid und Aminopyralid sowohl monocotyle als auch dicotyle Unkräuter wie Kamille, Kornblume oder Mohn erfassen. Zur optimalen Wirkung ist ein feuchter Boden mit feinkrümeliger Bodenstruktur vorteilhaft. Milestone kann auch auf gefrorenen, aber schneefreien Boden gespritzt werden. Die Wirkung, vor allem gegen Gräser, wird erst mit beginnender Vegetation im Frühjahr sichtbar. Achtung: keine  Anwendung nach bereits erfolgter Runway-Behandlung.

Wie ist die Schädlingssituation?

Der warme September brachte perfekte Bedingungen für Blattläuse  - noch nie war die Belastung  so hoch wie in diesem Jahr. Die sinkenden Temperaturen lassen deren Aktivität nun zurückgehen, und bei Nachtfrösten unter -6°C sollten die Kolonien hoffentlich langsam zusammenbrechen. Sicher absterben werden erwachsene Blattläuse aber erst bei unter -12°C.
Der Rapserdfloh-Druck war regional vorhanden, im Schnitt aber deutlich schwächer als im Vorjahr. Mittlerweile läuft der Larvenschlupf. Wirtschaftliche Schäden sind aber nur zu erwarten, wenn an ca. 3-5 von 10 Pflanzen die typischen Fraßspuren (siehe Bild 2) zu finden sind. Kontrollieren Sie nicht nur die Blätter, sondern auch die Wurzeln auf ihre Verzweigung, den Wurzeltiefgang und auf mögliche Schäden durch Kohlfliegenmaden oder Kohlhernie.

Fazit: Selten war das Bild der deutschen Rapsbestände so weit gefächert wie in diesem Herbst. Die Palette reicht von umbruchreif (bzw. schon umgebrochen)  bis überwachsen. Etliche spät oder  verzettelt aufgelaufene Bestände  stehen immer noch auf der Kippe, andere konnten sich im Oktober noch relativ gut entwickeln. Es bleibt spannend, wie der Winter mit den schwachen und den überwachsenen Rapsen umgehen wird.

31.10.2016 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH