Winterrapsumbruch - Ist Sommerraps eine Alternative?

Ist der Sommerraps grundsätzlich eine Alternvative für schlecht entwickelte Rapsbestände?

Selten war das Bild der deutschen Rapsbestände so weit gefächert wie im Herbst 2017. Die Palette reichte von Umbruch bis Überwachsen. Etliche spät oder verzettelt aufgelaufene Bestände wurden wegen erfolgter Herbizidmaßnahmen im Herbst (noch) nicht umgebrochen und stehen weiter auf der Kippe. Es bleibt spannend wie der Winter mit diesen schwachen Rapsen umgehen wird. In der Vergangenheit waren dabei häufig nicht etwa die Wintermonate Dezember bis Februar problematisch, sondern ob der Start in die neue Vegetation „freundlich“ oder „stressig“ z.B. mit Wechselfrösten erfolgt. Ob bzw. wie schwache Bestände durchkommen, wird wahrscheinlich erst der März/April zeigen.

Grenzwertig: Sofern auch die kleinen Pflanzen durchkommen, ist Stehenlassen hier wahrscheinlich die bessere Wahl.
 Grenzwertig: Sofern auch die kleinen Pflanzen durchkommen, ist Stehenlassen hier wahrscheinlich die bessere Wahl.
Wo liegen mögliche Untergrenzen?

Ungleichmäßige Pflanzenzahlen und Entwicklungsstadien auf einem Feld sind am schwersten einzuschätzen (siehe Foto). Bei allen Unwägbarkeiten über den Witterungsverlauf im Frühjahr haben sich in der Vergangenheit folgende Pflanzenzahlen als absolute Untergrenzen erwiesen

bis 4 Laubblätter: min. 15 Pfl./m²
6 - 8 Laubblätter: min. 10 Pfl./m²
10 - 12 Laubblätter: min. 5 Pfl./m²

Diese Angaben gelten für Hybriden, saubere Bestände, gleichmäßige Pflanzenverteilung und günstige Startbedingungen im Frühjahr. Ein schlechter Raps wird bis zur Ernte durch eventuelle Neuverunkrautung, stärkeren Schädlingsdruck und zu erwartende Ernteerschwernisse zudem höhere Bestandesführungskosten verursachen. Bei gleichzeitig hohem Ertragsrisiko. Die möglich Alternativkultur und der notwendige Gleichgewichtsertrag bestimmen den Termin der spätesten Umbruchentscheidung. Am meisten Luft für die Entscheidung zu einem ganzflächigen Umbruch bietet sicherlich der Anbau von Mais. Diese Entscheidung kann noch bis Ende April/Anfang Mai erfolgen.

Ein guter Sommerrapsbestand kann über 30 dt/ha bringen
 Ein guter Sommerrapsbestand kann über 30 dt/ha bringen
2017 Sommerraps anbauen?

Sommerraps empfiehlt sich als fester Fruchtfolgebestandteil in Deutschland nur dann, wenn er als Sommerung tatsächlich vernünftig in die betriebliche Fruchtfolgegestaltung passt, z.B. bei Betrieben mit hohem Maisanteil. Ansonsten liegt der Schwerpunkt in Deutschland klar beim Winterraps. Sommerraps stellt ähnliche Boden- und Klimaansprüche wie Winterraps. Zwar liegt das Ertragsniveau (Ø ca. 20-30 dt/ha) in der Regel deutlich unter dem des Winterrapses, dafür sind aber sowohl Nährstoffbedarf als auch Pflanzenschutzaufwand zum Teil deutlich geringer. So lässt sich auch mit Sommerraps ein ansprechender Deckungsbeitrag erwirtschaften.
 

Teilflächen mit Sommerraps ausflicken?

Dieser Gedanke bietet sich bei sehr ungleicher Verteilung auf dem Feld geradezu an. Vorteile liegen in der Einhaltung der Fruchtfolge. Im Bereich der Bestandesführung werden sich aber kaum Synergien ergeben, da sich Winter- und Sommerraps durch die unterschiedliche Entwicklung bezüglich Krankheits- und Schädlingsbekämpfung sowie Ernte terminlich voneinander unterscheiden. Denken Sie daher nicht zu kleinräumig, sondern mindestens in Spritzbreiten. Kleinere Löcher und Fehlstellen lohnen die Arbeit nicht.
Abgeraten wird vom Nachsäen von Sommerraps direkt in noch stehende schlechte Winterrapsbestände. Bei guter Bodenstruktur mag evtl. eine Direktsaat möglich sein, allerdings sollten Restverunkrautung und vor allem stehenbleibende Winterrapspflanzen vor dem Auflaufen des Sommerrapses konsequent mit einem Totalherbizid beseitigt werden. Erfahrungsgemäß wird es immer einzelne überlebende Winterrapspflanzen geben, die unpassend blühen und abreifen. Keine Kompromisse, entweder ganz oder gar nicht!

Nährstoffbedarf

Der Stickstoffbedarf beträgt je nach Ertragserwartung ca. 100-140 kg N/ha. Es bietet sich daher eine Gabe von 80 bis 100 kg N/ha zur Aussaat sowie eine 2. Gabe von 40 kg N/ha in der Streckungsphase an. Für Erträge um 30 dt/ha müssen etwa 70 kg/ha P2O5, 160 kg K2O und 50 kg/ha MgO aus dem Bodenvorrat und über die Grunddüngung zur Verfügung gestellt werden. Nach Umbruch von Winterraps ist dieser Grundbedarf und auch ein Teil des N-Bedarfs bereits durch die Herbstdüngung abgedeckt. Die Nährstoffversorgung mit N und den Grundnährstoffen kann ansonsten vollständig oder teilweise auch mit Gülle erfolgen. Bis zu 20 m³ können problemlos bereits vor der Aussaat in den Boden eingearbeitet werden. Die Hauptwachstumsphase des Sommerrapses liegt ca. 4 bis 8 Wochen später als beim Winterraps. Daher kann der Sommerraps sehr viel stärker von der Stickstoff-Mineralisierung des Bodens profitieren und so organische N-Quellen effizient nutzen. Zu beachten: Schwefel aus Wirtschaftsdüngern ist kaum pflanzenverfügbar. Eine Schwefeldüngung mit min. 20-30 kg S ist daher immer erforderlich. Ebenso sollte bis zum Blühbeginn eine Versorgung mit ca. 300-400 g Bor pflanzenschutzbegleitend erfolgen.

Pflanzenschutz

Die empfohlene Saatstärke liegt je nach Saattermin bei Sommerraps-Hybriden zwischen 60 und 80 und bei Liniensorten zwischen 80 und 100 keimfähigen Körnern/m² (je nach TKG entsprechend ca. 3,5–5 kg/ha). Je später der Saattermin, desto höher die empfohlene Saatstärke: Da die Anzahl der Verzweigungen sinkt, muss über die Erhöhung der Saatstärke eine höhere Anzahl von Haupttrieben pro Fläche den Ertrag absichern. Aufgrund der höheren Saatstärken und der Frühjahrsaussaat erfolgt eine zügige Bodenbedeckung ohne Wachstumsstillstand. Unkräuter und Ungräser werden so vom konkurrenzstarken Sommerraps gut unterdrückt.
Die zugelassene Wirkstoffpalette zur chemische Unkrautbekämpfung ist schmal und beschränkt sich auf die auch im Winterraps bekannten Produkte Butisan Top, Stomp Aqua und als Graminizid Focus Ultra. Sofern nicht gerade zuvor Kerb eingesetzt wurde, werden die möglichen Einschränkungen aufgrund von vorangegangenen Herbizidmaßnahmen bereits durch die erforderliche Saatbettbereitung für die Sommerrapsaussaat erfüllt. Umfassenden Informationen zu Nachbaumöglichkeiten auch anderer Kulturen  nach einem Winterraps-Umbruch finden Sie hier: http://pflanzenschutzdienst.rp-giessen.de/ackerbau/ratgeber-pflanzenschutz/winterraps/herbst/rapsumbruch-nachbaumoeglichkeiten/http://pflanzenschutzdienst.rp-giessen.de/ackerbau/ratgeber-pflanzenschutz/winterraps/herbst/rapsumbruch-nachbaumoeglichkeiten/

Im Bereich der Rapsschädlinge fehlt der insektizide Beizschutz. Hier muss zu rechtzeitiger intensiver Schädlingskontrolle geraten werden (Gelbschalen). In Ländern mit etabliertem Sommerrapsanbau, vornehmlich in Nord- und Osteuropa, stellen Kohlflöhe die erste Bedrohung im Frühjahr dar. Sie kommen in Deutschland allerdings seltener vor. Der Rapserdfloh ist hingegen vornehmlich im Herbst aktiv und somit kein bedeutender Frühjahrsschädling. Meist ist es der Rapsglanzkäfer, der im Sommerraps stärkere Schäden verursachen kann. Hier gilt es aufzupassen, insbesondere wenn Rapsschädlinge nach Ende der Winterrapsblüte auf den „schmackhaften“ Sommerraps übersiedeln.

Ein guter Termin für den Wachstumsregler/Fungizideinsatz
 Ein guter Termin für den Wachstumsregler/Fungizideinsatz
Auch im fungiziden Bereich folgt der Sommerraps etwas anderen Spielregeln. Sclerotinia kann starke Schäden verursachen. Der Zeitpunkt der Sclerotienkeimung fällt je nach Wärme und Bodenfeuchte jedoch größtenteils mit der Winterrapsblüte zusammen, wenn sich der Sommerraps noch im Knospenstadium befindet oder gerade erste Blüten öffnet. Eine gezielte Fungizidmaßnahme im Sommerraps zu diesem Termin (erste sich öffnende Blüten) eignet sich daher aus den Erfahrungen vergangener Jahre sehr gut, um mit einer Maßnahme sowohl eine späte Wachstumsregulierung als auch eine vorgezogene Blütenbehandlung miteinander zu kombinieren. Dies gilt für normale Sommerrapsbestände bei guter Bodenfeuchte und Nährstoffversorgung. Je üppiger der Bestand und je mehr Dampf, desto kräftiger kann die Maßnahme erfolgen. Gut geeignet und kostengünstig sind z.B. die bekannten Tebuconazol-Produkte mit Aufwandmengen nach Bedarf von 0,5 bis 1 l/ha. Bei starker Trockenheit keine Behandlung. Bienenschutz beachten, falls der Fungizideinsatz mit einem Insektizid kombiniert wird.

Sortenwahl

Mangels Anbaufläche gibt es in Deutschland kein offizielles Sortenprüfwesen für Sommerraps mehr. Dennoch lohnt es sich auch hier, auf Sorteneigenschaften zu achten. Wer besonderen Wert auf Frühreife setzt, liegt mit den RAPOOL Liniensorten CAMPINO und ABILITY richtig. Beide haben sich bereits in den vergangenen Jahren national und international bewährt. Sie sind in 10 kg Säcken abgepackt, bei Saatstärke von 100 Körner/m² entspricht dies je nach TKG (meist ca. 4-5 g) einer Flächenleistung von 2-2,5 ha/Sack.
Auch beim Sommerraps zeigt sich, dass die typischen ertragssichernden Eigenschaften der Hybridsorten wie Stresstoleranz, höhere Vitalität und starkes Wurzelwachstum zu höheren Erträgen sowohl in der Praxis als auch in Exaktversuchen führt. RAPOOL bietet hier die Hybride MAKRO an, die z.B. in aktuellen schwedischen Versuchen 2016 mit rel. 105 den höchsten Ertrag aller zugelassenen Sorten erzielen konnte; bei einem Ertragsniveau von 32,5 dt/ha. MAKRO ist großwüchsiger als CAMPINO und ABILITY und reift auch etwas später ab.  Die Abpackung erfolgt in Einheiten mit 2,1 Millionen keimfähigen Körnern. Entsprechend können mit einer Einheit bei 70 Körnern/m² ca. 3 ha bestellt werden.

Fazit

Sommerraps – Nischenkultur mit Potenzial. Im Frühjahr 2017 gewinnt auf Umbruchflächen oder dort, wo wegen Trockenheit keine Bestellung erfolgte, Sommerraps an Bedeutung. Ein guter Sommerraps ist auch agronomisch eine gute Alternative zu einem schwachen Winterraps. Arbeitszeitentzerrung und Fruchtfolge sind weitere gute Gründe für den Sommerrapsanbau.

09.01.2017 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool-Ring GmbH