Rapserdfloh-Larven im Frühjahr?

Während sich am vergangenen warmen Wochenende im Süden zusammen mit dem Aufblühen erster Rapse bereits die ersten Kohlschotenrüssler blicken ließen, wundern sich viele Landwirte in ihren Rapsbeständen über Pflanzen ohne Haupttrieb. Besonders in Teilen Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und Niedersachsens sind diese „Sitzenbleiber“ in vielen Rapsbeständen zu finden. Ursache ist ein zum Teil recht starker Besatz dieser Pflanzen mit Rapserdfloh-Larven.

1. Rapsbestände mit "Sitzenbleibern"
 1. Rapsbestände mit "Sitzenbleibern"
Auffällig ist, dass es sich überwiegend um junge Larven (L1 und L2 Larvenstadium) handelt und somit die Eiablage und Entwicklung der Larven wahrscheinlich schon über Winter stattgefunden hat. Ein Blick auf die Temperaturen im
2. Temperaturübersicht
 2. Temperaturübersicht
Norden verstärkt den Verdacht. Denn der Rapserdfloh ist ein sogenannter Kühlbrüter, der bereits bei Temperaturen ab 4°C zur Eiablage fähig ist, das Optimum beträgt nur 8°C. Diese Bedingungen wurden bis Ende Dezember und wieder ab ca. Mitte Februar häufig überschritten (Beispiel Lübeck). Der Rapserdfloh konnte quasi den ganzen Winter über Eier ablegen. Das Ergebnis wird erst jetzt deutlich.

Pflanzenkontrolle bringt Gewissheit

 Im Unterschied zu Rüsslerlarven zeichnen sich die Rapserdfloh-Larven durch 3 Beinpaare und den typischen schwarzen Kopf aus, der in Bild 3 klar erkennbar ist. Die Fraßschäden sind im Stängel und besonders in den Blattstielen (siehe verbräunte Fraßgänge in Bild 3) der Blätter zu finden. Einzelne Larven haben es sogar fast bis in den Knospenbereich geschafft. Eine gezielte Bekämpfung zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht mehr möglich, da sich die Larven meist gut geschützt im Inneren der Pflanze befinden. Eine gewisse Teilwirkung

3. Larven des Rapserdfloh
 3. Larven des Rapserdfloh
wurde vermutlich erreicht, wenn bereits Rüssler oder Rapsglanzkäfer bekämpft wurden. Allerdings reicht deren Wirkung im Frühjahr nicht aus und der Einsatz von Pyrethroiden trägt zur fortschreitenden Resistenzbildung bei. Stehen je Quadratmeter noch kräftige Pflanzen mit intaktem Haupttrieb, so werden diese Pflanzen die Ertragsbildung übernehmen und zurückbleibende Pflanzen einfach überwachsen. Sind nesterweise allerdings hauptsächlich krüppelige Pflanzen zu finden, ist die Situation schwierig zu beurteilen. Die meisten befallenen Pflanzen verfügen immerhin über eine gute Wurzelentwicklung und damit hohe Kampfkraft.

 

4. Einzelne Rapspflanzen ohne Haupttrieb
 4. Einzelne Rapspflanzen ohne Haupttrieb
Fazit: Raps ist ein Überlebenskünstler und steht trotz einiger Probleme in diesem Frühjahr bisher um Längen besser als im Vorjahr. Jetzt können BENDER und PENN ihre bekannte Wüchsigkeit und Kompensationsfähigkeit unter Beweis stellen. Und auch der neue HATTRICK kann nicht nur in der Wertprüfung, sondern in der Praxis zeigen was er ertraglich drauf hat.

10.04.2017 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool-Ring GmbH