Tipps zur Blütenbehandlung 2017

Hauptziel der Blütenbehandlung ist die Vermeidung von Sclerotinia Infektionen. Als Nebenwirkung werden aber auch – falls vorhanden – weitere pilzliche Erreger wie Alternaria, Cylindrosporium oder Botrytis mit erfasst. In der Regel bewirkt die Blütenbehandlung eine leichte Reifeverzögerung, woraus auch ohne Krankheitsdruck leichte Mehrerträge möglich sind.

 
Ein höheres Sclerotinia-Infektionsrisiko besteht in engen Fruchtfolgen. Im vergangenen Jahr war der Sclerotinia-Befall witterungsbedingt deutlich höher als in den Vorjahren, dies galt insbesondere für Süddeutschland. Daher kann auch von vorjährigen Rapsschlägen in unmittelbarer Nachbarschaft ein erhöhtes Infektionsrisiko ausgehen. Die Witterung während der Rapsblüte ist aber entscheidender Infektionsfaktor, denn die Krankheit benötigt neben längerer Blatt- und Bodenfeuchte auch höhere Temperaturen (optimal ca. 20°C Lufttemperatur).

Wann ist der optimale Termin für die Blütenbehandlung?

Behandlungen möglichst zeitnah zur Infektion legen. Unter m.isip.de kann jeder Landwirt durch Angabe seiner Postleitzahl die Infektionsgefahr der letzten Tage kostenlos und einfach per Smartphone überprüfen.

Der optimale Behandlungstermin ist zur Vollblüte erreicht (50 % der Blüten des Haupttriebes geöffnet), wenn die ersten Blütenblätter bereits abfallen und in den Achseln der Seitentriebe liegen bleiben (Bild).

2016 erfolgten die Infektionen häufig sehr spät. (Zu) frühe Fungizidmaßnahmen haben dort teilweise nicht mehr ausreichend gewirkt. Denn in Abhängigkeit von Mittelwahl, Aufwandmenge, Witterung und Applikationsbedingungen beträgt auch bei den stärksten Produkten die Wirkungsdauer maximal bis zu 3 Wochen. Die Rapsblüte kann sich aber insbesondere in lückigen Beständen bis zu 6 Wochen hinziehen.

Die Behandlung sollte generell am besten abends durchgeführt werden. Dann ist es windstiller, die Pflanzen sind elastischer und es kommt zu weniger Durchfahrtschäden. Abendliche Behandlungen sind gleichzeitig vorteilhaft zur Bienenschonung und verringern das Rückstandsrisiko.

Zur Bekämpfung steht eine breite Wirkstoffpalette mit unterschiedlichem Preis und Wirkungsdauer zur Verfügung. Achtung: Spritze vorher gründlich reinigen – Sulfonylharnstoffschäden sind schon fast ein Klassiker.

Erste Dropleg-Düsen mit 75% Abdriftminderung anerkannt

Der Einsatz von Droplegdüsen erreichte in bisherigen Versuchen ähnlich gute fungizide Wirkungen wie die „klassische“ Behandlung. Zur Schädlingsbekämpfung gibt es bisher noch zu wenige Versuchsergebnisse, die Wirkung scheint aber nicht ganz an die der gewohnten Behandlung heranzukommen.

Eine Schonung von Nutzinsekten durch die Applikation unterhalb der Blüten wurde in Studien (Fit-Bee, Uni Hohenheim) belegt. Zusammen mit den Vorteilen der Abdriftminderung und stark verminderter Rückstände wird daher der Einsatz von Dropleg-Düsen im Raps trotz erhöhter Kosten in den nächsten Jahren deutlich zunehmen.

  • Die Abdriftminderungsklasse 75% ist gültig für alle Feldspritzen mit Lechler Dropleg TwinSpray Cab und jeweils zwei Zungendüsen 684.406.
  • Nur für Pflanzenschutzmaßnahmen im Raps während der Blüte mit 50 cm Abstand zwischen den Droplegs.
  • Für Randbereich von 20 m gilt ein maximaler Arbeitsdruck von 1,6 bar.
  • Zur Randbehandlung sind die äußeren drei Droplegs (mit je 2 Düsen) zu schließen.
  • Höheneinstellung ist so anzupassen, dass Bodenkontakt vermieden und eine Blütenbehandlung ausgeschlossen wird.

Schädlingsbekämpfung: Vorsicht bei Kombinationen verschiedener Produkte

Bis Ende April ist nach jetziger Wettervorhersage kühle Witterung angesagt. Somit für den weiteren Rapsglanzkäferzuflug und die ersten Kohlschotenrüssler eher ungünstig, so dass in der Regel aktuell keine Maßnahmen erforderlich sind (genaue Vorhersage siehe Expert-Prognose). Falls noch in stärkerem Umfang Rapsglanzkäfer zufliegen oder mindestens 1 Kohlschotenrüssler/Hauptinfloreszenz gefunden werden, sollte der Einsatz von Biscaya eingeplant werden. Biscaya ist nicht bienengefährlich und kann bis zu 2mal eingesetzt werden. Es bleibt auch in Mischung mit Azolfungiziden bienenungefährlich.
Einige andere Fungizid-Insektizid Kombinationen sind diesbezüglich kritischer zu sehen, siehe Insektizidmodul. Aufgrund neuerer Erkenntnisse der JKI sollte Biscaya zudem nicht zusammen mit dem Fungizid Mirage 45 EC ausgebracht werden, auch wenn die Mischung derzeit noch als B4 eingestuft ist.

11.04.2017 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH