Welchen Einfluss haben Nachtfröste während der Rapsblüte?

Die Natur gleicht vieles aus: War der März zu trocken und zu warm, so zeigt sich der April bisher kalt und launisch. Auf Schnee und Hagel am Osterwochenende folgen einige sehr kalte Tage und noch kältere Nächte mit verbreitetem Nachtfrost. Und auch danach ist keine wirkliche Erwärmung in Sicht.

 
Diese Witterung trifft im Norden und Osten auf Bestände mit ersten offenen Blüten (Bild 1), in wärmeren Lagen im Süden und Westen hat die Rapsblüte bereits begonnen.

Frost in der Blüte

Nach Nachtfrösten kann man beobachten, dass sich die Triebe nach unten bzw. zur Seiten gebogen haben. Der Haupttrieb steht häufig im 90 Grad Winkel (siehe Bild 2). Im Laufe des Tages richten sich die Triebe aber wieder auf. Oft bleiben die in dieser Zeit aufblühenden Blüten unbefruchtet. Die vor und nach dem Frost geöffnete Blüten sind davon nicht betroffen und bilden normale Schoten. Frostperioden während der Blüte kann man daher daran erkennen, dass am Haupttrieb und auch an den Seitentrieben jeweils eine Zone gleichen Alters ohne Schotenansatz zu finden ist, während darunter und darüber ganz normale Schoten zu finden sind. Eine kurze Frostphase kann von einem kräftigen Rapsbestand in der Regel ohne ertragsrelevante Folgen kompensiert werden. Sei es dass der Schotenansatz zeitlich verzögert stattfindet oder dass ein paar fehlende Schoten ganz einfach über ein etwas höheres Tausendkorngewicht kompensiert wird. Immerhin dauert

 
die Rapsblüte meist zwischen 4 und 6 Wochen, ein paar ungünstige Tage fallen da nicht ins Gewicht.

Frostrisse sind nicht ungewöhnlich

Fallen die Temperaturen z.B. in frostgefährdeten Lagen deutlich unter den Gefrierpunkt, können auch Frostrisse im Stängel beobachtet werden. Dies kommt durchaus häufig vor und ist meist relativ harmlos. Bei trockener Witterung verkorken die Risse problemlos. Die frostbedingten Risse sehen ähnlich aus wie die fast an jeder kräftigen Pflanze zu findenden Wachstumsrisse und werden daher häufig verwechselt. Frost- und Wachstumsrisse können Eintrittspforten für Krankheitserreger darstellen. Entlang eines Wachstumsrisses werden häufig Phoma-Stängelsymptome gefunden (siehe Bild 3). Diese Infektionen bleiben aber oberflächlich und verursachen in der Regel keinen wirtschaftlichen Schaden. Schäden durch Phoma resultieren fast ausschließlich aus Infektionen des Wurzelhalses im Herbst/Winter.

Bei zweistelligen Minustemperaturen kann der Haupttrieb aber auch irreparabel aufplatzen, solche Pflanzen bilden dann starke

 
Seitentriebe aus (Bild 4). Ist der Schaden so stark, dass ganze Teile der Pflanze absterben, kann eine fungizide Maßnahme mögliche Botrytis- und Alternariainfektionen vermeiden. Dies kann im Frühjahr z.B. auch nach starken Hagelschäden sinnvoll sein. Derart niedrigen Temperaturen sind aber zum Glück nicht angesagt.

Weitere Hinweise zu Schädlingen und der anstehenden Blütenbehandlung finden Sie hier: Tipps zur Blütenbehandlung 2017

Fazit

Die angesagten Nachtfröste sollte der Raps aus langjährigen Erfahrungen ohne größere Probleme wegstecken. Schön wäre jetzt zum Blühbeginn allerdings eine gute Wasserversorgung. Durch den warmen März begann das Rapswachstum sehr früh, das aktuelle Aprilwetter führt nun zu einer verlangsamten Entwicklung und Anpassung an den langjährigen Durchschnitt. Zum Glück bremst die Kälte sowohl Schädlinge als auch Krankheitserreger ebenfalls aus, so dass der kühle April durchaus auch als positive Konsolidierung nach einer zu schnellen Wachstumsphase angesehen werden kann.

18.04.2017 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH