Unter die Lupe genommen – wie stehen die Rapsbestände?

Auf einen  schönen März folgte ein kühler, durchwachsener April. Nachtfröste und Schnee prägten die Entwicklung. Und so zeigen die Rapsbestände ein sehr differenziertes Bild.

 
Während in den kälteren Regionen die Rapsblüte noch immer nicht richtig begonnen hat, wird in wärmeren Lagen in einigen Tagen bereits die Vollblüte erreicht. In den letzten 4 Wochen ging die Entwicklung wegen der Kälte aber nur langsam voran. Pünktlich zum Maibeginn ist zumindest eine moderate Erwärmung und ein Ende der Nachtfröste in Sicht, und die Rapsblüte wird wieder in Schwung kommen. Doch ein Aspekt wiegt immer noch schwer: Trockenheit.

Wasserdefizit bereitet Sorgen

Was nützt der beste Rapsbestand, wenn ihm in der Blüte das Wasser ausgeht? Die aktuelle Bodenfeuchte liegt in weiten Teilen Deutschlands unter 80%, in Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt teils sogar unter 50% (siehe Grafik).

 
Und das im Prinzip bereits seit dem vergangenen Herbst. Niederschläge waren auch im April knapp und dazu launisch verteilt. In dem Zusammenhang war der gefallene Schnee, falls er keine Lagerschäden verursacht hat, sogar als positiv zu werten. Mit der Rapsblüte setzt nun die Zeit des höchsten Wasserbedarfs ein. Es bleibt zu hoffen, dass auch die bisher trockenen Regionen in den nächsten Tagen Regen erhalten, denn ohne Wasser wird es eng. Dies gilt insbesondere für Schläge und Regionen, die bereits mit Knospenabwürfen und Reduktionen deutlich auf die kombinierten Stressbedingungen reagieren.

Knospenabwürfe richtig einordnen

Auch unser Nachbarland Frankreich leidet unter Trockenheit. Insbesondere im Süden reagieren Rapsbestände mit Knospenabwürfen, schwacher Blüte und schlechtem Schotenansatz. Schläge mit solchen Symptomen sind aktuell auch in Deutschland häufiger anzutreffen. Dieses Phänomen ist nicht neu, sondern wird als „Physiologische Knospenwelke“ beschrieben. Aus Frankreich und auch aus dem Jahr 2009 bekannt, sind mehrere sich ergänzenden und verstärkende Faktoren an dieser Knospenreduktion beteiligt:

 

  • Ausgangslage meist Trockenheit (leichte Böden, geringe Bodenfeuchte)
  • Hohe Tag-Nacht Temperaturkontraste über mehrere Tage oder Wochen (diese Stresssymptome wurden bereits im März ausgelöst)
  • Eingeschränkte Wasser- und Nährstoffaufnahme
    • Bodentrockenheit blockiert Nährstoffverfügbarkeit (Bormangel)
    • Schwaches Wurzelsystem (später Feldaufgang durch Herbsttrockenheit, Erdfloh- und Kohlfliegenschäden, Bodenstruktur usw.)
  • Tlw. Frühjahrsschädlinge (Rapsglanzkäfer)
  • PSM Schäden können dazu beitragen, z.B.
    • Wachstumsregler bei Trockenheit, Nachtfrost oder zu hoher Dosierung
    • Herbizidrückstände oder Behandlungen ( teilweise haben die Gräser-Nachbehandlungen im Spätherbst/Winter den kleinen Rapsen nicht gut getan)
    • PSM Rückstände in der Spritze (der Klassiker Sulfo-Reste ist häufiger anzutreffen).

Frost in der Blüte: Ein paar Tage leichter Frost werden in der Regel problemlos kompensiert. Dies gilt für alle bisher gut aussehenden Bestände ohne Reduktionen. Sie haben immer noch mehr als genug weitere Knospen und Blüten. Für bereits gestresste Bestände bedeuten sie aber nochmals eine zusätzliche Belastung. Egal welche Ursache der Stress hat (siehe Abbildung 3), es muss jetzt am besten überall ausreichend Niederschläge geben mit zugleich deutlich wärmeren Temperaturen. Nur dann kann die Wachstumsbremse hoffentlich noch rechtzeitig genug gelöst werden.

Wie geht es weiter? Hinweise zur Blütenbehandlung

Nach bisheriger Wetterprognose kann es passieren, dass viele Rapsbestände bezüglich der Wasserversorgung „von der Hand in den Mund“ leben müssen. Unter Bedingungen mit wechselhafter Witterung und Schauern fällt die Entscheidung zur Blütenbehandlung und dem optimalen Termin schwer. Bei gut durchfeuchteten Böden wird bei Erwärmung auch die Nährstoffdynamik wieder in Gang kommen. Bleibt die Bodenfeuchte und damit Nährstoffaufnahme jedoch limitierend, könnte bei der Blütenbehandlung die Zugabe von Mikronährstoffen (insbesondere Bor) den Schotenansatz unterstützen. Weitere Hinweise zu Schädlingen (im April zu kalt) und der anstehenden Blütenbehandlung (im April zu trocken und zu kalt) finden Sie hier.

Fazit

Von sehr schlecht bis sehr gut lassen sich die Rapsbestände Ende April einteilen. Die Narben des trockenen Herbstes hatte sich im März bereits gut verwachsen, doch der eher stressige April zeigte wieder Grenzen auf. Auch für die zu Blühbeginn optisch gut aussehenden Rapsbestände wird die weitere Entwicklung entscheidend von den Niederschlägen während der Blüte abhängen. Denn verbreitet sind die Bodenvorräte gering bis nicht vorhanden.

28.04.2017 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool-Ring GmbH