Für einen sicheren Start – Rapsdüngung nach neuer Düngeverordnung

Teil 2 - Empfehlungen zur Rapsdüngung im Herbst 2017

Gemäß Düngeverordnung ist zu Raps im Herbst eine N-Düngung von bis zu 60 kg N erlaubt, sofern ein Bedarf besteht (siehe Teil 1). Doch insgesamt will die Höhe der N-Düngung wohl überlegt sein;  die zulässigen Salden sind sonst schnell überschritten.

 
Beispielkalkulation: Trotz gefühlt moderater Herbst- und Frühjahrsdüngung liegt der N-Saldo nach Raps schnell über 50 kg N/ha. Kann dieser Saldenüberschuss innerbetrieblich nicht durch bessere Salden anderer Kulturen ausgeglichen werden, muss umgeplant werden. Entweder Ertrag rauf, das wäre die eleganteste Lösung. Oder N-Düngung runter auf max. 184 kg N/ha. Oder von beidem etwas. Dieses Ziel mag auf den ersten Blick ambitioniert erscheinen. Bei einem Entzug von ca. 130 – 150 kg N/ha darf man aber von einem guten Rapsbestand durchaus erwarten, dass er eine N-Düngung von z.B. 180 - 200 kg möglichst effizient umsetzt.

Achtung: Stand Juli 2017 herrscht noch immer Unklarheit, ob die Herbstdüngung bei der Bedarfsermittlung zur Frühjahrsdüngung angerechnet werden muss. Dies würde in der Beispielkalkulation bedeuten, dass statt einer Frühjahrsdüngung in Höhe von z.B. 170 kg N/ha nur noch 130 kg N/ha im Frühjahr zulässig sind, wenn 40 kg bereits im Herbst gegeben wurden. Diese Unsicherheit birgt erhebliche Risiken für die Kalkulation der Salden! Unter diesem Gesichtspunkt sollte die N-Herbstdüngung so knapp wie möglich gehalten werden, um noch genügend Reserven zur Frühjahrsdüngung zu haben!

N im Herbst – so wenig wie möglich, so viel wie nötig

 
Die N-Ausnutzung ist bei Frühjahrsdüngung besser. Deshalb sollte im Herbst, insbesondere bei limitiertem N-Saldo, nur sparsam bzw. gezielt N gedüngt werden. Entscheidend für eine gute Vorwinterentwicklung des Rapses sind alle Wachstumsparameter. Stickstoff macht „nur“ größere, aber nicht mehr Blätter.  Wichtig sind ein zügiges Wurzelwachstum und ein gut durchwurzelbarer Boden. Die Bodenstruktur muss stimmen.

  • Ausgewogene Grunddüngung und Kalkung (siehe Abbildung) verbessernBodenstruktur und Nährstoffverfügbarkeit. Das ermöglicht ein besseres Wurzelwachstum zur Erschließung tieferer Wasser- und Nährstoffvorräte.
  • Für ein besseres Wurzelwachstum Strukturprobleme bei trockenen Bodenverhältnissen durch eine tiefere Bodenbearbeitung beseitigen.

Zudem muss abgeschätzt werden, was der Boden an Stickstoff bereitstellen kann:

  • Wird regelmäßig organisch gedüngt?
  • Wie hoch wie Düngung zur Vorkultur und welcher Ertrag wurde erreicht? Bei geringerem Ertrag sind noch höhere Restmengen im System.
  • Wie sind die Mineralisationsbedingungen? Leichter/schwerer Boden, Humusgehalt, Bodenfeuchte und Temperatur?

Limitierte N-Mengen  erfordern ein optimiertes Strohmanagement, um N-Konkurrenz durch Strohrotte zu minimieren, hierzu mögliche Ansätze:

  • Stroh abfahren oder Aussaat nach Getreide GPS
  • Wintergerste oder sehr frühreifer Weizen bieten mehr Zeit für die Stroheinarbeitung.
  • Zur Rotteförderung kurz häckseln/mulchen. Je kürzer die Zeit bis zur Rapsaussaat, desto intensiver und tiefer einarbeiten. Z.B. Pflug.
  • Stroh an der Oberfläche belassen, Saatreihen von Stroh räumen. Strohrotte wird zeitlich verschoben, N-Sperre setzt später ein.
  • Aussaat mit platzierter Unterfußdüngungversorgt die Rapswurzel gezielt. Erfordert sehr gute Bodenstruktur und geeignete Technik. Z.B. Strip Till, siehe Bild.
    Achtung: versauernde N-Dünger können zu einem höheren Kohlhernie-Infektionsrisiko führen, dies gilt auch für Unterfußdüngungs-Varianten.

 
Sind die Voraussetzungen für eine gute Bodenverfügbarkeit und Nachlieferung günstig, so kann mit der Entscheidung zum N-Bedarf bis Ende September gewartet werden.

Wann und wieviel N im Herbst düngen?

Raps kann im Herbst große N-Mengen aufnehmen, wenn diese im Boden vorhanden sind und er genügend Zeit zur Aufnahme hat. „Luxuskonsum“ fördert Blattwachstum und verringert den Wurzeltiefgang, ist als optisch zwar schön aber eher ungünstig für die Ertragssicherheit. N-Aufnahmen von über 100 kg N im Herbst müssen unbedingt durch kräftige Abschläge in der Bemessung der Frühjahrsdüngung berücksichtigt werden.

Raps sollte mit acht bis zehn Blättern, einem Wurzelhalsdurchmesser von 0,8 – 1 cm Durchmesser und tief sitzender Rosette in den Winter gehen. Dann hat er die beste Winterhärte. Dies entspricht einer Stickstoffaufnahme von ca. 50 bis 70 kg N/ha.

In Jahren mit guten Wachstumsbedingungen im Frühjahr besitzen auch Rapsbestände mit einer Herbstaufnahme von „nur“ 30 kg noch das volle Ertragspotenzial. Gutes Beispiel sind die im Herbst 2016 schlecht und spät aufgelaufenen Rapse, die sich bei guten Frühjahrsbedingungen noch sehr gut zurechtwachsen konnten. In der Praxis kann durch eine Herbstdüngung die Vorwinterentwicklung allerdings gerade in kritischen Jahren (Kälte, Nässe, Schädlingsdruck, Vorfrucht, Saattermin usw.) deutlich verbessert werden.

 
N-Gaben bis in Höhe der maximal zulässigen 60 kg N/ha sind zukünftig nur noch bei der Ausbringung von Organik zu vertreten. Ausbringung vor der Saat mit sofortiger (!) tiefer Einarbeitung (siehe Bild). Auch wenn die Einarbeitungszeit 4 Stunden beträgt – je schneller desto geringer die N-Verluste. Mineralisch sollte nur bei Bedarf mit 20-30, jedoch max. 40 kg N im Herbst gearbeitet werden.

Eine teilflächenspezifische N-Düngung kann auch im Herbst den N-Saldo entlasten. Zwar ist bis zum Ende der zulässigen Düngeperiode am 1. Oktober die gebildete Frischmasse vor Winter noch nicht final bekannt, aber Frischmasseunterschiede sollten bereits bis Ende September sichtbar sein. Zudem sind milde Stellen oder anmoorige Senken der Felder mit hoher N-Nachlieferung langjährig bekannt, so dass bereits für die eventuelle Herbstdüngung schon teilflächenspezifisch gedüngt werden kann.  Eine abschließende Scan-Überfahrt oder zukünftig Überflug zum Ende der Vegetationsperiode bildet die Grundlage zur bedarfsangepassten Frühjahrsdüngung.

Der Einfluss des Saattermins

Frühe Saattermine fördern den Wurzeltiefgang. Aber frühe Saattermine führen auch zu einem langen Herbstwachstum und damit höheren N-Bedarf. Ist genügend N vorhanden, wird der Bestand auch viel N aufnehmen und sich kräftig überwachsen. Zudem bedeuten frühe Saattermine meist deutlich stärkeren Krankheits- und Schädlingsdruck (Kohlhernie, Kohlfliege, Rapserdfloh). Kann der Boden nicht genügend N nachliefern, geht die Pflanzenentwicklung trotzdem weiter, und es können auch 14-16 Laubblätter im Herbst erreicht werden. Bei N-Mangel werden ältere Blätter bereits im Herbst wieder abgeworfen, der Bestand verfärbt sich violett (siehe Foto). So ein hungernder Bestand kann über Winter Probleme bekommen, entscheidender ist allerdings dass er im Frühjahr sogar schlechter startet als ein Raps der nicht gehungert hat.

 
Früh gesäte Rapse sollten keinesfalls bereits vor oder zur Saat mit N versorgt werden. Sonst starten sie mit Luxuskonsum und fallen danach in ein tiefes Loch. Es macht eher Sinn, bei Frühsaaten bis Ende September zu warten. 20 oder 40 kg N nachgelegt müssen dann die Versorgung bis zur ersten Frühjahrsdüngung überbrücken.

Je später der Saattermin, desto geringer ist die N-Aufnahme im Herbst. N-Aufnahmen unter ca. 30 kg  sind für die Vorwinterentwicklung und das Ertragspotenzial aber limitierend. Durch die geringere N-Aufnahme reichen die Bodenvorräte in der Regel für das Herbstwachstum aus. Bei Bedarf kann eine zusätzliche N-Gabe von 20 bis max. 40 N direkt zur Saat die Herbstentwicklung und Überwinterung verbessern.

Aus Sicht der N-Versorgung stellen daher normale Saattermine die beste Lösung dar. Sie erreichen sicher mindestens das 8-Blatt-Stadium, nehmen zwischen 50 und 100 kg N auf und bilden ein gutes Fundament für Ertrag und Ertragssicherheit.  Bei guter N-Nachlieferung aus dem Boden kommen sie vielleicht sogar ohne eine zusätzliche N-Düngung im Herbst aus. Ansonsten kann optional bis Ende September moderat nachgelegt werden.

Spielt die Sorte eine Rolle?

Erfolgreiche Sorten sind in der Lage, knappe Ressourcen besser auszunutzen. Hierzu zählen neben Wasser, Sauerstoff/CO2 auch die Nährstoffe. Das heißt, erfolgreiche Genotypen können ihre Stärken sowohl bei hohem als auch bei reduziertem N-Düngungsniveau besser entfalten.

 
Hier sind in erster Hinsicht frohwüchsige Hybriden zu nennen, die bereits im Herbst eine schnelle Durchwurzelung des Bodens erreichen. Beste Beispiele sind BENDER und PENN mit sicherer Herbstentwicklung und hoher N-Aneignung. Auch die Neuzulassung HATTRICK zeichnet sich durch eine enorme Vitalität im Herbstwachstum und im zeitigen Frühjahr aus. Gute Voraussetzungen, um auch aus limitierten N-Mengen hohe Erträge zu generieren.

Auch eine gute fungizide Beizausstattung mit zusätzlichen Nährstoffen kann die Herbstentwicklung beschleunigen. WURZEL-PLUS ergänzt dabei die bislang gängige Beizkombination TMTD+DMM um Haupt- und Spurennährstoffe.

  • Schnellere, homogenere Keimung
  • Dichteres, verzweigteres Wurzelsystem
  • Schnellere Regenerationsfähigkeit der Wurzeln nach Verletzungen
  • Starthilfe, speziell bei ungünstigen Wachstumsbedingungen.

Dieser Effekt stellte sich insbesondere nach 14 Tagen ein, also nach Verbrauch der vorhandenen Samenreserven. Ziel ist, das empfindlichste Stadium bis  zum 4. Laubblatt möglichst sicher zu überwinden. Im Anschluss empfiehlt sich in wüchsigen Beständen ein früher Wachstumsregler (+- 4 LB) um Sprossstreckung vorzubeugen. Fungizide bei Bedarf (siehe Phoma-Prognose). Pflicht ist zudem die Versorgung mit ca. 200 g Rein-Bor im Herbst. Auf leichten, auswaschungsgefährdeten Böden sollte die Mg- und S- Versorgung z.B. durch etwas Bittersalz verbessert werden.

Fazit: Eine gesunde Herbstentwicklung ist Pflicht. Die N-Düngung ist dabei nur ein möglicher Baustein. Bedeutender sind optimale Startvoraussetzungen durch optimale Bodenstruktur, ausgewogenen Nährstoffversorgung (pH-Wert, Grunddüngung, Mikronährstoffe) und eine gute Bestellung. Hierzu Sortenunterschiede in der Früh-und Spätsaateignung, in der Wurzelstruktur und der Robustheit nutzen. Auch wenn Frühsaaten die größten Pflanzen liefern, werden die besten Erträge und damit N-Salden im Schnitt der Jahre mit der bestmöglichen Saatzeit vom 20. bis 30. August erzielt. Ackerbauliches Geschick und eine sorgsame Bestandesführung gewinnen wieder an Bedeutung.

18.07.2017 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH