Septemberwetter sorgt für große Unterschiede und erhöhtes Phomarisiko im Norden

Bei der Ernte meist zu nass, hat sich das Wetter seitdem sehr unterschiedlich entwickelt. Fortgesetzte Nässe im Norden und Westen erschwerte die Rapsaussaat. So konnte in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern nässebedingt auf einigen Betrieben nicht einmal die Hälfte der vorgesehenen Rapsfläche bestellt werden.

Bild 1: Bodenfeuchte Mitte September 2017
 Bild 1: Bodenfeuchte Mitte September 2017
In Teilen Mitteldeutschlands erfolgte die Bestellung hingegen bereits wieder unter trockenen Verhältnissen. Der Süden hatte meist gute Ernte- und Saatbedingungen. Entsprechend unterschiedlich, je nach Saattermin und Nässe, zeigen sich jetzt die Rapsbestände. Zumindest sind bei nasser Witterung bisher außer Schnecken kaum Schädlinge im Raps unterwegs.

Erhöhtes Phoma-Risiko im Nordwesten

Bild 1 zeigt die Bodenfeuchte Mitte September, rechts ist das Phoma-Infektionsrisiko am 19.09. dargestellt. Im gesamten Nordwesten Deutschlands sorgte die durchgehend feuchte Witterung für ein zügiges Heranreifen neuer Phoma-Sporen auf alten Rapsstoppeln (die wegen mangelnder Befahrbarkeit kaum bearbeitet werden konnten). Mit dem Orkan „Sebastian“ kam es dort zu einer ersten Infektionswelle, siehe rote und gelbe Standorte. Insbesondere am alten Wurzelhals sind heranreifende Pseudothecien mit geübtem Auge zu erkennen (Bild 3). Mit Lupe oder einer Kamera (Makro) werden auf diesen Fruchtkörpern sogar die kleinen kraterförmige Öffnungen sichtbar, aus der die Sporen herausgeschleudert und mit Wind und Regen verbreitet werden (Bild 4). Wärme und wiederholte Nässe fördern die Infektion.

Aus der Vergangenheit ist bekannt, dass Phoma-Infektionen umso gefährlicher sind, je früher sie erfolgen. Die Pilzsporen landen auf den Blättern der neuen Saat, keimen aus und wandern bei früher Infektion noch im Herbst durch den Blattstiel in den Wurzelhals. Hier kommt es dann im folgenden Jahr zur Durchmorschung und den gefürchteten Umfallern. Entsprechend muss für Nordwestdeutschland von einem hohen Phoma-Risiko ausgegangen werden.

Bild 2: Phomarisiko 19.09.2017
 Bild 2: Phomarisiko 19.09.2017
Kleine Pflanzen sind sogar doppelt gefährdet, da für den Pilz kleine Blätter auch kurze Wege zum Wurzelhals bedeuten. Auch  Verletzungen wie z.B. Schädlingsfraß (Erdfloh, Kohlfliege) oder Scheuerstellen (Wind) erleichtern eine Infektion.

Wie unterschiedlich sich die Gefährdungssituation darstellt, zeigt die Expert-Prognose beispielhaft für die beiden Standorte Schleswig und Erfurt (Bild 5). Während in Schleswig die häufigen Regenfälle für optimales Pilzwetter gesorgt haben, war es für Phoma in Erfurt zu trocken. Diese Situation ist in vielen Jahren so zu finden, aber meist erst später im Oktober. Gut erkennbar das Orkantief am 13./14. September, das am Standort Schleswig zum abrupten Umschalten der Ampel von Grün auf Rot gesorgt hat.

Bild 3: Pseudothecien an Rapsstoppel
 Bild 3: Pseudothecien an Rapsstoppel
Wachstumsregler/ Fungizid zielgerichtet einsetzen

Prognosen sind schwierig (da sie die Zukunft betreffen). Aber nimmt man für den Norden einen typischen feucht-milden Herbst- und Winterverlauf an, so sind frühe Fungizidmaßnahmen in diesem Jahr angeraten. Auch im Süden und Osten sollten die Rapsbestände nicht nur auf Schädlinge, sondern auch auf Phoma-Blattflecken kontrolliert werden. Besonders kritisch sind erste Phoma-Blattflecken bereits auf den Keimblättern (Bild 6) sowie auf den ersten Laubblättern zu beurteilen.

Tauchen an vielen Pflanzen erste Flecken bereits im September auf, sollte umgehend die fungizide Behandlung erfolgen, egal wie groß die Pflanzen sind. Dort wo Infektionen später und schwächer erfolgt sind, können Behandlungstermin und Mittelwahl flexibler

Bild 4: Pseudothecien an Rapsstoppeln (Makro)
 Bild 4: Pseudothecien an Rapsstoppeln (Makro)
gehandhabt werden.

Auch Sorten mit einer guten Phomaresistenz sind gefährdet, denn die Resistenz verlangsamt in erster Linie das Wachstum des Pilzes im Gewebe. Resistente Sorten werden auch befallen, bleiben aber länger gesund. Je kleiner die Pflanze und je früher die Infektion, desto kürzer der Weg für den Pilz und desto mehr Zeit hat er, um auch widerstandsfähige Pflanzen zu knacken. Termin und Aufwandmenge sind in diesem Fall für gesündere Sorten etwas variabler zu sehen, eine fungizide Behandlung sollte gerade bei frühem Befall dennoch erfolgen.

Gerade bei Nässe ist einerseits die Befahrbarkeit oftmals nicht gewährleistet, andererseits dürfen die kleinen Pflanzen  nicht durch einen Wachstumsregler gestresst werden. Hier ist Fingerspitzengefühl bei Mittelwahl, Aufwandmenge und optimalem Spritztermin gefragt. Als reines Fungizid wäre Cantus Gold mit z.B. 0,2-0,3 l/ha eine Option für kleine

Bild 5: Expert-Prognose beispielhaft für die beiden Standorte Schleswig und Erfurt
 Bild 5: Expert-Prognose beispielhaft für die beiden Standorte Schleswig und Erfurt
Pflanzen. Ab min. 2-3 Laubblättern kommen auch EFILOR (z.B. 0,3 l/ha) oder TILMOR (z.B. 0,5-0,6 l/ha) als stärkere Fungizide und einem Wachstumsregleranteil in Frage. Haben die Rapspflanzen bereits 3-4 Laubblätter gebildet, so kann z.B. FOLICUR oder MATADOR mit 0,5-0,7 l/ha eingesetzt werden. Eine sehr gute Phoma-Wirkung besitzt TOPREX. Bei guter Bodenfeuchte besitzt TOPREX aber auch eine starke Wachstumsreglerwirkung  und sollte daher nur in wüchsigen Beständen ab 4 Laubblättern zum Einsatz kommen.

Fazit

Während der Raps in der Mitte und im Süden Deutschlands einen guten Start erwischt hat, herrscht im Nordwesten seit gefühlten 10 Wochen Siebenschläferwetter. Bei entsprechend günstigen Phoma-Infektionsbedingungen sollten hier frühe, fungizidbetonte Maßnahmen eingeplant werden.

18.09.2017 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH

 

 

 

Bild 6: Phoma-Blattflecken
 Bild 6: Phoma-Blattflecken