Schadsymptome Raps: Wachstum mit Hindernissen

Völlig anders als im trockenen Vorjahr verläuft aktuell die Jugendentwicklung. Gerade im Norden konnten nässebedingt etliche geplante Flächen nicht mehr bestellt werden, es jagt immer noch ein Tiefdruckgebiet das andere.

 
Viele Flächen sind nicht befahrbar, das Pflanzenwachstum entsprechend gebremst. In anderen Regionen sieht es besser aus, der Septemberverlauf ist aber bundesweit deutlich kühler und wechselhafter als vergangenes Jahr.

Anderes Wetter = andere Sorgen
Schwerpunktthemen in vergangenen Herbst waren mangelnder Feldaufgang, Kohlfliegenbefall und ein noch nie dagewesener Blattlausdruck. In diesem Jahr spielen Blattläuse im Raps bisher keine Rolle, bezüglich Kohlfliegen ist es für eine Aussage noch zu früh. Der Feldaufgang war in der Regel kein Problem, Bodenfeuchte war und ist genug vorhanden. Die Saatbettbereitung war allerdings gerade auf schweren Böden nach den reichlichen Juliniederschlägen nicht einfach. Die

 
Aussaat in ein oft grobes, nasses Saatbett schwierig.

Mit Ansage daher die Schneckenwarnungen. Die meisten Betriebe haben folgerichtig mit Schneckenkornmaßnahmen reagiert. Allerdings heißt es weiterhin dranbleiben. Denn das Schneckenkorn hält nicht unbegrenzt, löst sich bei Regen langsam auf oder wird einfach „eingewaschen“. Gleichzeitig schlüpfen neue Schnecken und finden gute Entwicklungsbedingungen. Diese kleinen Schnecken und ihre Schäden werden leicht übersehen.

Während im Norden Rapserdflöhe bisher nur sehr gering, vereinzelt mittel auftreten, scheint es in anderen Regionen auch stärkere Schäden zu geben. In trockenen Jahren wandern die Rapserdflöhe in der Regel noch vor der Rapsernte an feuchtere Plätze (Waldränder, schattige Bachläufe usw.). Dann warten sie kühlere

 
Witterung ab bevor sie sich neue Rapsflächen suchen. Das ist oft erst im Oktober der Fall. In diesem Jahr haben sie sich scheinbar auch auf den alten Rapsfeldern wohlgefühlt (schön grün und feucht, keine Stoppelbearbeitung usw.) und wandern nun teilweise direkt von den angrenzenden Altrapsschlägen in die Neuansaaten ein.

Die wechselhafte Witterung und ein oftmals nicht so schönes Saatbett, dazu tlw. Starkniederschläge, Herbizidschäden, Hagel, Sturm usw. sorgen auch für stärkeren pilzlichen Druck. Das gilt bereits jetzt im Norden für Phoma. Das Fungizid steht in diesem Jahr ganz klar im Vordergrund gegenüber der Wachstumsreglerwirkung.

Neben Phoma herrscht perfektes Wetter für Falschen Mehltau. Bei hohem Druck kommt auch die fungizide DMM-Beizung an ihre Grenzen.

 
Die Wirkung von DMM wird aber meist deutlich, wenn man sich Altraps-Pflanzen anschaut (vorsichtig ausgraben und nach schwarzer, ungebeizter Samenschale suchen. Ist schwierig). Meist besitzen die bei starkem Druck bereits im 2-Blatt-Stadium keine intakten Keimblätter mehr.

In wechselhaften Jahren und bei klutigem Saatbett sind auch immer wieder Pflanzen zu finden, die im Wurzel- oder Wurzelhalsbereich abschnüren und dann komplett absterben. Ursache ist ein Komplex verschiedener Pilze, die im Boden bzw. auf altem organischem Material im Boden zu finden sind. Diese Pythium oder Rhizoctonia – Pilze sind auch aus Zuckerrüben oder Mais bekannt und wird als Umfallerkrankheit oder Wurzelbrand beschrieben. Die fungizide Beizausstattung mit TMTD bietet einen Grundschutz, der aber bei starkem Druck nicht immer

 
ausreicht. Meist gehen nur einzelne Pflanzen verloren (auch durch Keimlingsphoma und Flaschen Mehltau).

Aus altbekannten Praxiserfahrungen resultiert daher die Empfehlung, bei schwierigerem Saatbett den zu erwartenden Feldaufgang nicht zu hoch anzunehmen und bereits bei der Saat mit einer erhöhten Saatstärke  einen „Stresspuffer“ einzubauen. Und der wird dieses Jahr gebraucht.

Fazit

Während die Schneckenproblematik weit verbreitet ist, sind die anderen hier beschriebenen Probleme längst nicht überall zu finden. Viele Rapsbestände entwickeln sich durchaus gut und

 
ungestört. Dennoch sollen die Fotos in diesem Artikel helfen, einzelne mögliche Ursachen genauer anzusprechen und bei Bedarf gezielt zu agieren. Schnecken- und Erdflohfraß können schnell verwechselt werden. Manchmal bilden auch beide Schädlinge zusammen das Problem. Erfolgt dann die falsche Behandlung (mit Insektizid gegen Schnecken, mit Schneckenkorn gegen Erdflöhe), gehen eventuell wertvolle Zeit und weitere Pflanzen verloren. Ganz abgesehen von den Kosten lohnt es sich also, bei den Ursachen möglicher Schäden genauer hinzusehen.

20.09.2017 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH