Oktoberwärme bringt Wachstumsschub – Empfehlungen zur Einkürzung.

Die Rapsbestände profitieren mit kräftigem Wachstum von der sonnigen und sehr milden Witterung Mitte Oktober.

Was gut für schwache und vernässte Bestände im Norden ist, führt in weit entwickelten Beständen schon zum beginnenden Überwachsen. Gleichzeitig boten die warmen Temperaturen günstige Zuflug- und Eiablagebedingungen für den Rapserdfloh. Eine Kontrolle der Bestände ist also angeraten!

Wie ist die Situation Mitte Oktober 2017? - Empfehlungen

Expert Phoma-Infektionsrisiko am 15.10.2017
 Expert Phoma-Infektionsrisiko am 15.10.2017

Ein Blick auf die Expert-Phomainfektionskarte Deutschland (siehe Karte) offenbart ein heterogenes Bild. Insgesamt ist der Krankheitsdruck aufgrund der wechselfeuchten und zeitweise sehr stürmischen Witterung deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Nur in bisher sehr trockenen Regionen ist das Phoma-Risiko noch gering. In der Regel sollte daher eine stärkere fungizide Ausrichtung der Maßnahmen erfolgen, siehe Empfehlung. Unser Wachstumsregler-Kalkulator unterstützt ebenfalls bei der sortenspezifischen Behandlungsempfehlung. Sind auf den Rapsblättern auf vielen Pflanzen bereits mehrere typische Phoma-Läsionen zu finden und ist noch keine Behandlung erfolgt, besteht ein hoher Krankheitsdruck. In den „gelben“ Regionen tauchen nach stürmisch-feuchtem Oktoberbeginn in diesen Tagen verbreitet die ersten Blattsymptome auf, auch hier sollte der fungizide Anteil in der Behandlung hoch genug gewählt werden. Wo der Raps früh und gut aufgelaufen ist, haben viele Bestände bereits das 8-Blatt-Stadium erreicht und drohen zu überwachsen, falls bisher noch keine Einkürzung erfolgt ist. Bei gleichzeitigem Phomarisiko ist in diesen Fällen eine Maßnahme fällig. Falls Mitte/Ende September bereits eine erste Fungizid/Wachstumsreglermaßnahme erfolgt ist, können die Aufwandmengen reduziert werden. Von einem erhöhten Krankheitsdruck ist jedoch aktuell auszugehen, so dass bei allen Behandlungen eine ausreichende fungizide Wirkung empfohlen wird.

 

Wie ist die Schädlingslage?

Auch der Rapserdfloh hat von der warmen Witterung profitiert. Die Bedingungen für Zuflug und Eiablagen waren und sind günstig. Während an einzelnen Standorten der Zuflug laut Expert-Prognose bereits zu 100% erfolgt ist, so stecken die meisten Standorte aktuell noch mitten drin, die Zuflugbedingungen bleiben auch an den folgenden warmen Tagen günstig. Die Eiablagebedingungen für den Erdfloh sind optimal, und bei frühem Zuflug sind bereits die ersten Larven geschlüpft. Kontrollieren Sie daher unbedingt sowohl ihre Gelbschalen als auch die Pflanzen auf Erdflohbefall. Denn optimale Bedingungen sagen wenig über die Anzahl der Erdflöhe aus. Die aktuellen Praxisrückmeldungen sprechen von einem unbedeutenden bis hin zu einem starken Befall. Nur falls die Schadschwelle erreicht und überschritten wird, ist eine Behandlung erforderlich. Dann aber gern die aktuell hohe Aktivität der Erdflöhe zur Bekämpfung nutzen.

Noch immer aktuell ist leider die Schneckenkontrolle. Prüfen Sie bitte, ob nach den (ergiebigen) Regenfällen Ihr Schneckenkorn-Schutz noch ausreicht oder ob Sie noch einmal nachlegen müssen. Die Schnecken werden ansonsten auch in kräftigeren Rapsbeständen weiterfressen und können selbst bei 2-3° C Lufttemperatur noch schädigen. Bevor die nächsten Regenfälle die Befahrbarkeit wieder limitieren, sollten Sie bei Bedarf aktiv sein.

Für eine Ackerfuchsschwanzbekämpfung mit DIM-Produkten (z.B. 2,0–2,5 l/ha Focus Ultra + 2,0–2,5 l/ha Dash, 0,5 l/ha Select 240 EC + 1,0 l/ha Radiamix) besteht jetzt die letzte Möglichkeit. Für abschließende Gräsermaßnahmen mit Kerb oder Milestone ist es noch deutlich zu früh. Vorsicht bei Nachbehandlungen mit Fox; die Blätter bauchen eine gute Wachsschicht und müssen trocken sein, sonst gibt es Schäden.

Düngung

Eine gute Nährstoffversorgung verbessert die Winterhärte. Die N-Düngung ist seit dem 1.10. nicht mehr möglich (Dennoch bitte zu Vegetationsende die N-Aufnahme per Frischmasseentwicklung ermitteln). Falls noch nicht geschehen sollte jetzt pflanzenschutzbegleitend die Bor-Versorgung erfolgen. Intensive Niederschläge haben zudem gerade auf leichteren Böden zur Nährstoffverlagerung und Auswaschung geführt. Dies betrifft nicht nur Nitrat, sondern z.B. auch die wichtigen Nährelemente Kalium, Magnesium und Schwefel. Überlegen Sie bitte, ob dies auch bei Ihnen relevant sein kann; ggf. sollten Sie auch jetzt noch z.B. mit Patentkali (K + Mg + S) nachstreuen. Dies gilt insbesondere für schwache Rapse bzw. für ungünstige Bodenstrukturen mit eingeschränkter Wurzelentwicklung.

Fazit

Während im Norden nach wie vor Nässe den Rapsbeständen zusetzt, konnten sich die meisten Rapse in den anderen Regionen trotzt meist schwierigen Aussaatverhältnissen recht gut entwickeln und präsentieren sich im Gegensatz zum Vorjahr ansprechend. Eine Sturmperiode Anfang Oktober hat verbreitet für Phoma-Infektionen gesorgt, die anschließende warme Schönwetterperiode Mitte Oktober hat das Wachstum noch einmal angeheizt. Entsprechend muss der Raps in diesem Herbst teils kräftig behandelt und eingekürzt werden. Bei der Schädlingsbeobachtung auf jeden Fall aktiv bleiben!

16.10.2017 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool Ring GmbH