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Schwieriger Start ins neue Düngungsjahr

Ab dem 1. Februar ist die reguläre N-Düngung der Winterungen wieder zulässig, aber ist sie auch möglich?

Nicht nur im Norden, sondern in fast ganz Deutschland sorgt anhaltende Nässe für unbefahrbare Felder, so ist an die erste N-Gabe bis auf leichte Flächen noch nicht zu denken. Bleibt zu hoffen, dass sich im Verlauf des Februars – obwohl kürzester Monat – bis Anfang März noch eine günstige Zeitspanne ergeben wird. Entweder wird es endlich einmal länger trocken, oder Frost sorgt für temporäre Befahrbarkeit. Achtung: Düngung bei Frost setzt ein nachfolgendes Antauen der Bodenoberfläche voraus, das eine Fixierung der Nährstoffe ermöglicht. Zudem dürfen unter solchen Bedingungen maximal 60 kg N in einer Gabe ausgebracht werden.

Nässe sorgt für schlechte Bodenstruktur und Nährstoffaufnahme

Anders als im trockenen Vorwinter führt die Nässe seit Monaten zu erheblichen Behinderungen, teilweise bereits vor oder seit der Aussaat. Insgesamt kommen aktuell allein drei negative Faktoren zusammen.

  1. Schlechte Bodenstruktur, wenig Sauerstoff im Boden, zugespülte oder wassergesättigte Bodenporen.
  2. Entsprechend schwaches Wurzelwerk der meisten Winterungen, fehlender Wurzeltiefgang, Absterben des Wurzelsystems.
  3. Nährstoffverlagerung in tiefere Bodenschichten und Auswaschungen sorgen im Oberboden für Nährstoffknappheit – nicht nur für Stickstoff.

Diese drei Faktoren erfordern ein überlegtes Andüngen und Führen aller Winterungen, denn nur bei ausgewogener Ernährung können die saldenrelevanten Nährstoffe N und P von der Pflanzen vernünftig umgesetzt werden – wichtig für eine möglichst hohe Nährstoffeffizienz. Gut entwickelte Rapse aus dem Herbst sind aber gegenüber den spät bestellten Wintergetreiden im Vorteil.

Eine preisgünstige „Standarddüngung“ z.B. mit Harnstoff wird in diesem Jahr nicht ausreichen. Denn auch wenn die Flächen im Herbst gut versorgt waren, die Wurzelneubildung und Nährstoffaufnahme startet in den obersten Bodenzentimetern, und die sind fast leer. Die obersten Zentimeter werden als erste trocken und warm, und genau hier sollten zumindest in kleineren Mengen frische Nährstoffe vorliegen, um den Pflanzen nach dem Nässestress einen schnellen Start zu ermöglichen und ein neues Wurzelwerk aufzubauen. Insbesondere Kalk, Calcium, Magnesium und Schwefel, aber auch Kalium sind hier zu nennen. Auch Mikronährstoffe sollten zügig verabreicht werden, wenn die Bestände mit der Wurzelneubildung beginnen.

Stickstoffbedarfsermittlung ist noch vor der Düngung Pflicht

Bevor die erste N-Gabe erfolgen kann, muss in  diesem Jahr als neue „Hürde“ zunächst die Stickstoffbedarfsermittlung nach den Vorgaben der neuen Düngeverordnung durchgeführt werden, um die Höhe der maximal zulässigen N-Düngung zu ermitteln. Hierzu bietet RAPOOL einige kostenlose Rechentools, die in wenigen Schritten bei der Ermittlung der individuellen Düngung und Saldierung unterstützen.

29.01.2018 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH