Kohlhernie- Zusammenfassung des Kohlhernieforums in Lensahn

Angelika Sontheimer

Kohlhernie
Immer mehr Rapsbeständen werden von Kohlhernie befallen. Sind die Rapsbestände erst einmal infiziert, hat man kaum Chancen, sie wieder loszuwerden. Vorbeugende Maßnahmen sind deshalb das Ziel. Mehr als 250 Landwirte waren zur Rapool-Fachtagung in Lensahn, Schleswig-Holstein gekommen, um sich beim Kohlhernie-Forum zu informieren.
 

Dr. Elke Diederichsen von der Freien Universität Berlin stellte den Infektionszyklus der Kohlhernie vor. Der Erreger, Plasmodiophora brassicae ist ein Einzeller und wächst nur in lebenden Wirtszellen. Er befällt alle Kreuzblütler also Kohl, Senf oder Rettich aber auch Beikräuter wie Rauke oder Hirtentäschelkraut dienen ihm als Zwischenwirt. Kohlhernie führt zu Welke, Kümmerwuchs, und Absterben der befallenen Pflanzen. Beim Raps äußert sich der Befall in deutlichen Ertragseinbußen, geringerem Ölgehalt und geringerer Winterhärte. Als Befallsvoraussetzungen gelten unter anderem ein Boden-pH unter 7, Staunässe und ein Infektionsdruck von mindestens 1000 Dauersporen pro Pflanze. Die Verbreitung des Kohlhernie-Erregers geschieht mit verseuchtem Boden durch Maschinen, Bodenerosion, Tiere, Drainagewasser, Saatkartoffeln oder mit infiziertem Pflanzgut. „Wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Vermehrungsrate 100.000 mal pro Generation beträgt und die Dauersporen bis zu 20 Jahre im Boden haltbar sind, dann wird einem das Ausmaß der Gefahr schnell bewusst“, verdeutlichte die Wissenschaftlerin den Zuhörern den Sachverhalt eindrücklich.
Auch Dr. Holger Kreye von der Landwirtschaftskammer Hannover wies auf die hohe Widerstandsfähigkeit des Erregers hin. Chemische Bekämpfungsmöglichkeiten fehlen. Es gibt aber resistente Sorten wie z.B. Mendel und ihre noch ertragreichere Nachfolgesorte Mendelson. Deren Resistenz beruht bisher nur auf einem Gen. Wenige Rassen des Erregers haben die Resistenz gebrochen, deswegen sind befallsreduzierende Maßnahmen vor der Rapssaat wie die pH-Wert-Regulierung, die Förderung der Bodenstruktur oder der Einsatz von Kalkstickstoff angezeigt. Aber auch unterstützende Maßnahmen zur Eindämmung des Erregers nach der Rapsernte sind wünschenswert, erklärte Kreye.
Die Forscher arbeiten derzeit an einigen Fragestellungen zur Kohlhernie wie:
• Kann der Erreger im Boden durch bestimmte Maßnahmen nach der Rapsernte dezimiert werden?
• Eignen sich mechanische oder chemische Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Ausfallraps?
• In welchem Stadium bzw. Tage nach dem Auflaufen (ähnlich dem Temperatursummenmodell bei Rübennematoden) muss der Ausfallraps bekämpft werden, um eine Vermehrung des Erregers zu vermeiden?
Als Fazit zog Kreye, dass die Vermehrung des Erregers im Ausfallraps nicht zu vermeiden ist, da bereits sieben Tage nach der Infektion die Vermehrung des Erregers nicht mehr mechanisch bzw. chemisch zu verhindern ist. Eine frühe chemische oder mechanische Bekämpfung des Ausfallrapses unterdrückt die Vermehrungsrate. Glyphosat hat keinen direkten Effekt auf den Erreger, indirekt wird die Nahrungsquelle abgetötet. Auf Befallsflächen müssen also unbedingt resistente Sorten angebaut werden, da alle unterstützenden Maßnahmen auch vor der Rapsaussaat nur den potentiellen Befall vermindern können. Elke Diederichsen verwies zudem auf die Vorsorgemaßnahmen wie weite Fruchtfolgen. Auch resistente Sorte sollten nicht häufiger als alle vier Jahre angebaut werden. Sie riet den Landwirten auf die Kohlhernie-Wirtspflanzen wie Ausfallraps, Durchwuchs, kreuzblütige Zwischenfrüchte und Wildkräuter zu achten und zu minimieren.
Angelika Sontheimer
 


RAPOOL - Fachtagungen Diederichsen, Kohlhernie
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RAPOOL - Fachtagungen 2013 Kreye, Kohlhernie2013
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