Rapsanbau mit Perfektion im Detail

Dietmar Brauer, Johannes Peter Angenendt, Geschäftsführung RAPOOL-RING GmbH

Im Mittelpunkt der Rapool-Jahreskampagne 2013 stehen die neuen Winterrapshybridsorten SHERPA und AVATAR, sowie VISBY und GENIE. VISBY ist im 5. Anbaujahr erneut die größte Sorte in Deutschland gefolgt von SHERPA und AVATAR. Zusammen mit der neuen Hybridsorte GENIE ist es dem Rapool-Ring gelungen zur Aussaat 2012 fast ein Drittel des Umsatzes mit den 3 neuen Sorten zu gestalten. Im Dezember 2012 wurden die Sorten FOXX, AIKO und NOBEL für den Vertrieb 2014 zugelassen, zur Aussaat 2013 verfügt MIDAS erstmals über bundesweite LSV-Ergebnisse und steht zum Vertrieb bereit.
Die Winterrapsaussaatfläche 2013 ist aufgrund der günstigen Witterung um über 100.000ha wieder auf 1.429.000ha angewachsen. Hierbei zeichnet sich eine regionale Anbauverschiebung zugunsten Norddeutschlands ab. Der Anteil von Hybridsorten ist auf inzwischen über 80% bundesweit gewachsen. Dies ist eine Bestätigung der langjährigen Züchterarbeit auf Stresstoleranz und Ertrag.
Insbesondere der schwierige Witterungsverlauf im Anbaujahr 2011/12 mit hartem Frostwinter und Trockenperioden hat die Hybridsorten beflügelt und in der Praxis noch zu erstaunlich guten Rapserträgen von fast 38dt/ha im Bundesmittel geführt. Die Herbstaussaatbedingungen 2012 waren so hervorragend, dass überwiegend gute bis sehr gute Rapsbestände vor Winter entwickelt worden sind. Mit etwas Fortune und Anbauperfektion im Detail hoffen wir für die Praxis auf ein Erntejahr, in der die Sortengenetik die volle Leistungsfähigkeit zeigen kann.
Da sich alle Rapool-Sorten an den 4-jährigen Prüfzyklus halten, der aus 3 Wertprüfungsjahren und einem BSV-Prüfjahr besteht, bevor sie sich für den Aufstieg in die LSV qualifizieren, ist es möglich den züchterischen Fortschritt weiter zu selektieren. Aus dem Hause Rapool hat z.B. die Sorte ULURU dies nicht geschafft und wird auch nicht vermarktet. EU-Sorten erhalten in ihren Ursprungsländern bereits nach 2 Jahren ihre Sortenzulassung und stehen dann ebenfalls zum Vertrieb zur Verfügung. Um einen Leistungsvergleich mit den deutschen Sorten zu ermöglichen, sollten sich diese Sorten einer 2-jährigen EU-Sortenprüfung unterziehen, wobei im zweiten Prüfjahr ein Leistungsvergleich mit den besten deutschen Zulassungen im BSV-Sortiment erfolgt. Danach entscheiden die Länderdienststellen über eine Prüfung in den Landessortenversuchen. Inzwischen gibt es neben den amtlichen Sortenprüfungen eine Reihe weiterer Sortenprüfungen bis hin zum Streifenanbau, in denen mit Rapool-Sorten auch Vergleiche mit ungeprüften EU-Sorten stattfinden. Ab sofort setzt sich der Rapool-Ring für eine Kennzeichnung dieser EU-Sorten ein, damit der Landwirt den Unterschied zu deutschen, aufwendig Wertgeprüften Sorten deutlicher erkennen kann. 60 LSV-Prüfungen jedes Jahr für Rapool-Sorten haben eine andere Qualität als Zusatzversuche mit Sorten, die sich erst qualifizieren müssen.
In den letzten Wochen sind die kritischen Stimmen zur Rapsbeizung wieder lauter geworden, die in einer aktuellen EFSA-Studie der EU-Kommission bestätigt werden. Das Ergebnis ist ein mögliches Verbot der Rapsbeizung mit Neonikotinoiden gegen Rapserdfloh und Kohlfliegenlarven. Trotz intensivster Informationsarbeit von Züchtern und Pflanzenschutzmittelinhabern ist es nicht ganz gelungen, die Öffentlichkeit von dem Nutzen und der Notwendigkeit dieser Insektizide zu überzeugen. Da alternative Flächenbehandlungen nicht oder nur eingeschränkt wirken, sehen wir mit Sorge auf die ertragliche Zukunft des Rapsanbaus. Dies ist bedauerlich, weil die Rapszüchter über die UFOP und den BDP in den letzten Jahren wirklich alle verdächtigen Schwachstellen der Rapsbeizung aktiv verbessert haben. Bei der unverzüglichen, freiwilligen Auditierung und Zertifizierung des Rapsbeizprozesses sind über 90% des mögliche Staubabriebs reduziert worden und die verbleibenden Reststäube werden über die Säschare ebenfalls im Boden gebunden. Eine Bienengefahr durch Rapsbeizstäube ist dadurch quasi auszuschließen. Dennoch wird die Aussaat bei hohen Windgeschwindigkeiten (>6m/sec.) nicht fortgesetzt und sicherheitshalber werden die Imker rechtzeitig informiert, dass Bienenstöcke am Feldrand wirklich unbehelligt bleiben. Weiterhin wurde von den Rapszüchtern in einem 3-jährigen Verbundprojekt der Anteil von Beizwirkstoffen im sogenannten Guttationswasser untersucht und eine „vertretbar“ geringste Menge für das allgemeine Bienenwohl vorgefunden. Zuvor hat es eine bundesweite mehrjährige Vergleichsstudie von Bienenvölkern gegeben, die einmal mit Raps und ohne Raps als Trachtpflanze verglichen wurden. Auch in dieser Studie wurde kein Beweis erbracht, dass Raps die Bienengesundheit messbar einschränkt oder vermindert. Deshalb werden wir in den nächsten Wochen weiter den Dialog mit den Imkern und der Öffentlichkeit suchen.
Eine weitere schwere Herausforderung für den Rapsanbau der nächsten Jahre ist die Diskussion um die indirekte Landnutzungsänderung (iLUC) in Folge der Biodieselproduktion in Deutschland und Europa. Auch hier engagieren wir uns als Züchter im Rahmen der berufsständischen Verbände, einerseits Experten für eine fachliche Begleitung zu finden und gleichzeitig den Dialog mit der Politik auf nationaler und EU-Ebene zu finden. Wir setzen uns dafür ein, dass die iLUC-Zuschläge für die europäische Biodieselproduktion ab 2017 nicht in dem Maße umgesetzt werden, wie sie heute diskutiert werde. Wir hoffen auf einen Bestandsschutz von Biodieselanlagen, die bis zu einem bestimmten noch zu vereinbarenden Stichtag gebaut worden sind, um so wenigstens einen Teilbeitrag zur CO2-Einsparung leisten zu können. Für den deutschen Rapsanbau bedeutet das schon jetzt, dass unser Raps sich neue internationale Speiseölmärkte erschließen muss. Dies kann gewisse Preisabschläge zur Folge haben, aber nach Aussage der Marktanalysten ist die Weltspeiseölnachfrage fortgesetzt hoch, sodass unsere Rapsernte eine Verwendung finden wird.
Am Ende steht und fällt die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Rapsanbaus mit hohen und sicheren Erträgen, zu denen der Rapool-Ring mit seinen Sorten und diesen Fachtagungen beitragen will, eben mit Perfektion im Detail.
 


RAPOOL - Fachtagungen 2013 Perfektion im Detail
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