Stoppel- oder Kopfkalkung? Vorstellung von Kalkdüngestrategien für den erfolgreichen Rapsanbau

Oliver Borowy, Kreidewerk Rügen GmbH
 

Rapsblüte
Im Wesentlichen geht Kalk durch folgende drei Hauptgründe im Boden verloren: Zum Ersten führt die Zersetzung von organischer Substanz im Boden durch Mikroorganismen zu Bildung von CO2 und daraus resultierend zu Kohlensäure, welche Kalk zehrt. Zum Zweiten entziehen die Pflanzen durch Wachstum und Ernte einen Großteil des bei der Neutralisation freiwerdenden Kalzium und Magnesium. Zum Dritten führen physiologisch sauer wirkende Düngemaßnahmen und saurer Regen (ph-Wert Niederschlag ca.5,5 – 5,6) zum stetigen Kalkverbrauch.
Bei der Kalkversorgungsstufe C beträgt der jährliche Erhaltungskalkbedarf in etwa 300 – 500 kg CaO/ha, was in etwa 600 – 1000 kg/ha Kalkmergel (Kreide/Mischkalk/kohlensaurer Kalkstein/o.ä.) entspricht. Dieser jährliche Kalkverlust muss zwangsläufig nachhaltig dem Boden wieder zugeführt werden.
Nach guter fachlicher Praxis wird diese Menge Kalk bislang alle 2 -3 Jahre im Herbst als Vorsaatkalkung gewöhnlich zu Blattfrüchten und kalkliebenden Kulturen, wie z.B. Raps oder Gerste, bei Sommerkulturen wie Sommerraps, Rüben, Mais und Sommergerste im Frühjahr vor der Saat durchgeführt. Dabei werden bis zu 3 t loser Kalkmergel, i.d.R. Calcium- und Magnesiumcarbonate je Hektar auf die Flächen ausgebracht und anschliessend eingearbeitet.
Die ausgebrachte Menge reicht in der Regel für 3 Jahre, innerhalb dieser Zeit kommt es aber zu zahlreichen Verlagerungs- und Abreicherungsprozessen von Kalk gerade im A-Horizont der Böden. Erfahrungen bei der Kalkapplikation zeigen, dass es bei aufgekalkten Böden (in Gehaltsklasse C beim pH-Wert) sinnvoller ist, die Kalkgaben zu splitten und eine jährliche Menge als Kopfkalkung für alle Kulturen der Fruchtfolge auszubringen. Die Gesamtmenge gegenüber der Stoppelvariante wird nicht mehr, eher weniger, da die gestreuten Kalkmengen effektiver und gezielter genutzt werden können für die jeweilige Kultur. Gerade der Winterraps profitiert von gesplitteten Kalkgaben und einer Frühjahrskalkung, da dieser von Herbst bis Frühjahr durch enorme Stickstoffaufnahmen sein Wurzelumfeld bereits um 1,0 pH-Punkte versauert. Somit haben im Frühjahr applizierte Makronährstoffe wie Stickstoff, Kali und Phosphor eine schlechtere Verfügbarkeit was bis zu 30,00 €/ha Verlust bedeuten kann durch eine schlechtere Nährstoffverfügbarkeit.
Die Praxis zeigt, dass kopfgekalkte Bestände wesentlich schneller grün werden, die Bestände sehen deutlich vitaler aus, werden bei Stress nicht so schnell gelb und danken mit Mehrerträgen gegenüber der herkömmlichen Variante.
Für die Kopfkalkung sind nicht alle Kalke geeignet, da Kalk nicht wasserlöslich ist, jedoch einige Gesteine haben Dispergierfähigkeiten, verteilen sich somit leicht in wässriger Lösung.. Seit Anfang der 80er Jahre gibt es granulierte leicht dispergierbare Kreidekalke (GRANUKAL) welche sich nahezu ganzjährig bis zu 36 m Streubreite von der Fahrgasse aus in die Bestände ausstreuen lassen. Der Kalk zieht Bodenfeuchtigkeit nach der Applikation und wird mit dem Kapillarsystem des Bodens von oben nach unten durch den A-Horizont selbstständig transportiert und kann seine Wirkung dabei voll entfalten.
Die Kopfkalkung ist eine wirkliche Alternative zur Stoppelkalkung, vieles spricht für die Kalkung in kürzeren Intervallen.


RAPOOL - Fachtagungen 2013 O_ Borowy, Kalkdüngungsstrategien für den erfolgreichen Rapsanbau
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