Unter welchen Bedingungen eignen sich organische Dünger für Hochleistungsstrategien?

Dr. Klaus Sieling, Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
 

Gülledüngung Raps
Vor dem Hintergrund der Diskussion um N-Auswaschung und Lachgasemission sowie den Anforderungen der Düngeverordnung gewinnt die Optimierung der organischen (N-)Düngung immer mehr an Bedeutung. Im Zuge der geplanten Novellierung der Düngeverordnung werden die Möglichkeiten und der Zeitraum für den Einsatz von organischen Düngemitteln wie Gülle, Biogasgärrückstände etc. insbesondere im Herbst nach der Ernte der Hauptfrucht wahrscheinlich deutlich eingeschränkt werden.
Der in der organischen Düngern enthaltenen Stickstoffs wird im Vergleich zu Mineraldünger häufig schlecht ausgenutzt (geringe Ertragswirksamkeit). Dies kann verschiedene Ursachen haben. So erfolgt häufig die Ausbringung, wenn die Befahrbarkeit der Böden gegeben ist, allerdings muss zu diesem Zeitpunkt ein Pflanzenbedarf nicht gegeben sein (Ausbringung im Herbst auf die Stoppeln der Vorfrucht). Zudem gibt es meist nur einen Ausbringungstermin (Herbst, Frühjahr), während bei Mineraldünger die stadienspezifische Düngung die Regel ist. Darüber hinaus sind die Ammoniak-(NH3-N-)Verluste bei der (Gülle-)Ausbringung höher, und der organisch gebundene Stickstoff ist nicht sofort pflanzenverfügbar.
Voraussetzung für einen optimalen Einsatz von organischen Düngemitteln ist die genaue Kenntnis der Nährstoffgehalte, da diese in Abhängigkeit einer Vielzahl von Faktoren wie Fütterung, Haltungsverfahren etc. stark schwanken können. Neben der Konzentration an Gesamtstickstoff ist auch der Gehalt an Ammoniumstickstoff (NH4-N) von großer Bedeutung. Beim Einsatz von Gärresten aus Biogasanlagen ist darüber hinaus zu beachten, dass während durch den Gärprozess u.a. der Anteil an Trockensubstanz abnimmt, dagegen aber die NH4-N-Konzentration und der pH-Wert ansteigen, beides Faktoren, die die gasförmigen N-Verluste bei der Ausbringung (Ammoniak-Verflüchtigung) begünstigen.
Obwohl Raps bereits im Herbst erheblich N-Mengen aufnehmen und damit vor der Auswaschung während der Sickerwasserperiode bewahren kann, zeigten langjährige Feldversuche mit Schweinegülle eine vergleichsweise geringe Ertragswirkung von Gülle, die im Herbst auf die Stoppeln der Vorfrucht ausgebracht wurde. Eine Applikation im Frühjahr in den wachsenden Bestand sowohl in Raps als auch Getreide verbesserte die N-Ausnutzung deutlich. Eine stadienspezifische Ausbringung der Gülle, wie bei Mineraldünger üblich, führte zu gleichen Erträgen wie mineralischer Stickstoff, sofern die N-Menge auf den NH4-N-Gehalt bezogen wurde. Mit anderen Worten: Der Ammoniumstickstoff in der Gülle ist bei Raps und Getreide ähnlich ertragswirksam wie mineralischer Stickstoff und sollte daher auch bei der Düngeplanung entsprechend berücksichtigt werden! Aufgrund höherer NH3-N-Verluste bei der Ausbringung ist allerdings eine Gülledüngung als Ährengabe zu Getreide weniger sinnvoll (geringere Proteinkonzentrationen). Während bei Getreide und Raps wegen des vergleichsweise frühen N-Bedarfs 'nur' der NH4-N-Gehalt berücksichtigt werden sollte, kann bei Mais der gesamte Stickstoff, also mineralisch und organisch, bei der Düngeplanung als pflanzenverfügbar angerechnet werden.
Ziel einer auf eine optimale Ausnutzung durch Raps und Getreide ausgerichteten organischen Düngung muss es daher sein, die Dünger mit minimalen NH3-N-Verlusten auszubringen. Dazu können verschiedene Maßnahmen wie sofortige (!) Einarbeitung, Injektion und ein Ansäuern der Gülle (Senkung des pH-Wertes, damit weniger NH3-N-Verflüchtigung) beitragen.


RAPOOL - Fachtagungen 2013 K_ Sieling Unter welchen Bedingungen eignen sich organische Dünger für Hochertragsstrategien
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