Welche Anbausysteme rechnen sich ökonomisch?

Joachim Riedel, Betriebswirtschaftliches Büro Göttingen (BB Göttingen GmbH)

Anbausysteme im Ackerbau werden bestimmt durch die einzelnen Ackerfrüchten mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen an Boden, Nährstoffen und Klima, mit ihren unterschiedlichen Risiken und Vorfruchtwerten, den Ackerbaustandorten mit ihren spezifischen Besonderheiten bei Nährstoffen, Wasserversorgung und Schrumpfungs‐/Quellverhalten, der Fruchtfolge, der Bodenbearbeitungssystemen und den ertragssteigernden Maßnahmen (Düngung und Pflanzenschutz). Hohe Deckungsbeiträge der Einzelfrüchte sind eine wesentliche Voraussetzung für wirtschaftliche Fruchtfolgen. Winterraps liegt derzeit an der Spitze im Gewinnbeitrag. Nachhaltig erfolgreich wird aber eine Fruchtfolge erst dann sein, wenn sie für den jeweiligen Standort, mit seinen spezifischen ackerbaulichen Herausforderungen gut angepasst ist. Diese sind vielfältig und steigen. In der Vergangenheit ließen ausreichende Wirkungsgrade bei Fungiziden und Herbiziden und ein reichhaltiges PS‐Mittel‐Portfolio zu, die Bodenbearbeitungs‐intensität zu verringern und gleichzeitig den Weizenanteil in unseren Fruchtfolgen auszudehnen. Zunehmend aber fallen Wirkstoffe weg, weil die Wirkungen aufgrund von Resistenzen ausbleiben oder die Zulassungen auflagenbedingt nicht mehr verlängert werden. Und mit neuen Wirkstoffe ist nicht mehr zu rechnen. Hinzu kommt der Klimawandel der zu immer geringeren Niederschlägen im zeitigen Frühjahr (April) und mehr Regen in den Sommermonaten führt. Dieses ist günstig für Mais und Zuckerrüben aber ungünstig für
Wintergetreide, das mit geringerer Bestandsdichte und Bekörnung ertraglich negativ reagiert. Gleichzeitig schreit die Hausse auf den Märkten für Getreide und Ölsaaten geradezu nach einer höheren Intensität. Während sich höhere Intensitäten bei geringen Erlösen in der Vergangenheit nicht immer rechneten, ist nun für jeden Standort zu überprüfen, ob nicht z. B. die weizenlastigen Fruchtfolgen das wirtschaftliche Potenzial des Winterrapsanbaus beschränken und nicht eher die Wintergerste, mit ihrem hohen Vorfruchtwert vor Winterraps eine Alternative darstellt. An vielen Standorten des mitteldeutschen Trockengebiets liegt zudem der Wintergerstenertrag über dem von Stoppelweizen, der i. d. R. auch noch mit höhere Produktionskosten teuer erkauft wird. In extremen niederschlagsreichen Sommer wie 2010 und 2011, war an vielen Standort die frühräumende Wintergerste überhaupt die Voraussetzung um zeitgerecht Winterraps auszusäen zu können. Die Anforderungen der Wintergerste an den Ackerstandort sind aber hoch, insbesondere an der Bodenstruktur und der Nährstoffverfügbarkeit. Der pH‐Wert und der Phosphatgehalt müssen stimmen. Das ist auf vielen Ackerstandorten leider immer weniger der Fall. Der Anteil mit Phosphor und Kalium unterversorgter Böden nimmt zu. In langjährig nicht gepflügten Ackerkrumen, die zudem auch überwiegend mehr flach als tief gegrubbert werden ist es in der Zwischenzeit zu einer massiven Verarmung der unteren Krumenschichten gekommen. Bei Trockenheit fehlt in der Oberkrume die Feuchtigkeit zur Lösung und dem Transport der Nährstoffe in die Pflanzen. Zur Erhaltung der Transpiration erschließen die Pflanzen mit Ihren Wurzeln die Unterkrume. Dort ist noch vergleichsweise viel Feuchtigkeit aber nur wenige Nährstoffe. In der Folge kann der Ertrag durch die Unterversorgung während der wichtigen, ertragsbestimmenden Stadien leiden. Problematisch für den Wintergerstenanbau ist auch, dass weniger bis keine selektive Herbizide für Problemungräser zur Verfügung stehen. Hier wird der Maisanbau zukünftig interessanter, weil die
Ertragsfortschritte gepaart mit hohen Produktpreisen für Futtermais die Rentabilität verbessern und vor der Maisaussaat im Frühjahr Altvergrasung mit Glyphosat effizient und umweltschonen bekämpft werden kann.