Welche Bedeutung haben „Greening“, „ILUC“ und die Biodieselbeimischungsreduktion für die Rapspreisentwicklung aus Sicht des Weltmarktes?

Dr. Reimer Mohr, Hanse Agro Gettorf & Ludwig Striewe, Toepfer Hamburg

Rapsernte
Im Jahr 2013 steht eine Reihe von politischen Weichenstellungen an, die richtungsweisend für die EU-Land- und Agrarwirtschaft, vor allem aber auch für die Rolle der EU in der Weltlandwirtschaft sein werden. Im Rahmen der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik sind von der EU-Kommission Greening-Maßnahmen vorgesehen. Damit soll der Erhalt der vollen Prämien in Zukunft an bestimmte Auflagen gebunden sein. Laut Vorschlag der EU-Kommission müssen landwirtschaftliche Betriebe mindestens 7 % der beihilfefähigen Fläche (abzüglich der Dauergrünlandfläche) als ökologische Vorrangfläche ausweisen und bewirtschaften. Hierbei handelt es sich z. B. um Brachflächen, Landschaftselemente, Pufferstreifen und Aufforstungsflächen. Egal ob die Höhe der ökologischen Vorrangfläche nach Abschluss der Verhandlungen 7 %, 5 % oder weniger betragen sollte, sind die Auswirkungen auf die Grandes Cultures beträchtlich. Sehr wahrscheinlich werden die Raps-und Getreideanbaufläche entsprechend betroffen sein, so dass bei einer ökologischen Vorrangfläche von 5 % auch der Rapsanbau in selbiger Höhe eingeschränkt werden würde. Auf eine durchschnittliche EU-Ernte von 20 Mio. t bezogen würde der Rapsanbau damit um 1 Mio. t eingeschränkt. Beim Getreide würde die EU in Jahren mit durchschnittlicher oder unterdurchschnittlicher Ernte sogar zum Nettoimporteuer werden.

Im Oktober 2012 hat die EU-Kommission sehr weitreichende Vorschläge zur Änderung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie und der Kraftstoffqualitätsrichtlinie vorgelegt. Damit wären sehr weitreichende Änderungen der Politik der Biokraftstoffförderung verbunden. So soll erstens der Anteil der Biokraftstoffe aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die auch als Nahrungs- und Futtermittelrohstoffe Verwendung finden können, auf 5 % begrenzt werden. Zweitens sollen ab dem Jahr 2020 Biotreibstoffe aus landwirtschaftlichen Rohstoffen, die auch als Nahrungs- und Futtermittelrohstoffe Verwendung finden können, nicht mehr gefördert werden. Das bedeutet nach heutiger Lesart auch den Wegfall der Beimischungsmandate in der EU. Und drittens ist die Einführung von iLUC Malus für Biokraftstoffe vorgesehen, die aus Pflanzenöl, Stärke oder Zucker produziert werden. iLUC steht für „Indirect Land Use Change“ oder indirekte Landnutzungsänderungen. Er steht für den möglichen Effekt, dass durch die Verwendung landwirtschaftlicher Rohstoffe für die Biokraftstoffherstellung die Gesamtnachfrage nach Agrarrohstoffen in der Welt erhöht wird und zusätzliche Flächen zur Deckung dieser Nachfrage in anderen Teilen der Welt in Bewirtschaftung genommen werden müssen. Der von der EU-Kommission gewählt iLUC Malus ist so bemessen, dass Biodiesel rein rechnerisch gar kein Treibhausgasreduktionspotenzial gegenüber fossilem Diesel hätte.

Würden die Kommissionsvorschläge in der jetzigen Form Anwendung finden, würde dies entgegen den Verlautbarungen der EU-Kommission das Ende des Biodieselsektors in der EU bedeuten. Für den Rapsanbau hätte dies weitreichende Konsequenzen. Derzeit werden ca. 6 Mio. t Rapsöl in der EU im Biodiesel eingesetzt. Für diese Mengen müsste ein anderer Markt außerhalb der EU gefunden werden, weil nur geringe zusätzliche Mengen im Ernährungssektor der EU platziert werden können. Die EU würde damit vom Nettoimporteur von Raps- und Rapsöl zum Nettoexporteur dieser Produkte. Das ist wiederum mit deutlichen preislichen Auswirkungen verbunden, denn Rapsöl kann nun nicht mehr zu einer Prämie in der EU verkauft werden, sondern muss in Indien oder China mit Sojaöl und aufgrund der großen Mengen vielleicht auch mit Palmöl konkurrieren. Ein Preisabschlag von 120 bis 150 €/t für Rapsöl scheint deshalb durch diesen Effekt an exportnahen Hafenstandorten wahrscheinlich. Wenn sehr große Mengen abgesetzt werden müssen evtl. auch noch mehr. Auch würde dieser Effekt bei Ölmühlen noch deutlich stärker ins Gewicht fallen, weil die Ablauffrachten vom Exportpreis abgezogen werden müssen. Ein Einbruch des Rapsölpreises von 180 bis 200 €/t ist hier wahrscheinlich. Bezogen auf den Raps könnte das einen Preisabschlag von 75 bis 90 €/t bedeuten.
Gleichzeitig würde die EU über das Greening zu einem Nettoimporteur von Getreide werden, was tendenziell höhere Getreidepreise in der EU zur Folge hätte. Während die Wettbewerbsfähigkeit des Getreides in der Fruchtfolge für die Landwirte also gewinnen würde, würde Raps deutlich verlieren und im Anbau speziell an den exportfernen Standorten eingeschränkt werden.


 


RAPOOL - Fachtagungen 2013 R_ Mohr, Bedeuetung von Greening, iLUC und Biodieselbeimischung für die Rapspreisentwicklung
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RAPOOL - Fachtagungen 2013 L_ Striewe, Bedeutung von Greening, iLUC und Biodieselbeimischungsreduktion für die Rapspreisentwicklung
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