Aktuelle Entwicklung auf dem Ölsaatenmarkt – Preisentwicklung beim Raps im Jahr 2014 von Bernd Irps, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Bernd Irps, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Im laufenden Wirtschaftsjahr liegt der Rapspreis deutlich unterhalb der letzten drei Jahre. Viele Erzeuger haben die vorherige gute Preisentwicklung für den Abschluss von Vorkontrakten genutzt und somit deutlich höhere Preise erzielt, als mit der Vermarktung zu Tagespreisen. Das Gros der Ernte 2013 ist bereits vermarktet, mit Restmengen wird noch auf einen möglichen Anstieg der Auszahlungspreise spekuliert. Der Hauptgrund in der rückläufigen Preisentwicklung ist in dem schwächeren Pflanzenölmarkt zu sehen. So haben sich die Preise für pflanzliche Öle in den letzten Monaten deutlich nach unten entwickelt. Das Palmöl - als preisgünstigstes Öl - war in großen Mengen verfügbar. Es hatten sich größere Bestände aufgebaut, die auf den Markt drückten. Durch eine Steigerung der Biodieselproduktion in Indonesien hat sich der Preis stabilisieren können. Rapsöl wurde in den letzten Jahren in der Biodieselproduktion durch andere günstige Öle wie beispielsweise Palmöl oder auch Sojaöl zum Teil verdrängt. Vor einigen Jahren wurden in der EU 60 % des Rapsöls für die Produktion von Biodiesel benötigt. Mittlerweile liegt dieser Anteil nur noch bei 40 %. So wurde der Anteil an Biodiesel aus Altspeiseölen erhöht. Aber durch die doppelte Anrechnung ist es trotz höherer Sammelkosten lukrativer, diesen Rohstoff einzusetzen. Darüber hinaus hat der Anteil an Biodiesel aus Palmöl und Sojaöl zugenommen. Auf der einen Seite ist es Biodiesel, der in der EU selbst aus diesen Rohstoffen hergestellt wird. Auf der anderen Seite ist es importierter Biodiesel auf Palmölbasis aus Indonesien und Biodiesel auf Sojaölbasis aus Argentinien. Im November hat man die Antidumpingzölle, die bereits seit Mai 2013 in Kraft sind, erhöht. Biodiesel aus Argentinien wurde schon seit Mai weniger eingeführt, beim Palmöl sind die Effekte durch die Einführung wie auch der Erhöhung dieser Zölle kaum zu vernehmen. Dafür ist dieser Biodiesel einfach zu günstig. Angesichts dieser Konkurrenz ist Deutschland und auch die EU bereits zum Exporteur von Rapsöl aber auch von Biodiesel geworden. So wurde aus Deutschland nicht nur Biodiesel in die anderen EU-Länder, sondern auch in die USA geliefert.

In den kommenden Jahren dürfte die Umstellung auf die THG-Quote den Rapsmarkt stärker beeinflussen. Zunächst ist die Anforderung hinsichtlich der Reduzierung der Treibhausgase im Vergleich zum mineralischen Diesel um 35 % bis zum Jahr 2015 zu erreichen. Ab 2015 dürfte es bei einer Reduzierung um 50 % schwieriger werden. Das ist nur zu erreichen, wenn neben den günstigeren regionalisierten Daten (NUTS-2) auch die Industrie Anstrengungen unternimmt, um die entstehenden Treibhausgase bei der Produktion von Biodiesel zu senken.
Dieses ist möglich und dürfte daher den Markt für Biodiesel auf Rapsölbasis nicht belasten. Aber ab 2018 dürfte es bei einer Einsparung von 60 % Probleme geben, welche den Einsatz von Rapsöl für die Biodieselproduktion in Frage stellen. Daher werden dann andere Verwendungszwecke für Rapsöl zu suchen sein. Angesichts des Zuwachses in der Weltnachfrage nach pflanzlichen Ölen für die Ernährung dürfte hier ein zukünftiger Absatzmarkt zu sehen sein. Es stellt sich die Frage, zu welchem Preis sich dann Rapsöl vermarkten lässt. Angesichts der heutigen Preise für pflanzliche Öle ist sicher nicht von einer preislich höheren Verwertung auszugehen.

Nach wie vor wird aber der Preis für Raps durch die Leitfrucht auf dem Ölsaatenmarkt der Sojabohne stark beeinflusst. Hier sind es die Notierungen an der Börse in Chicago, die dem Weltölsaaatenmarkt den Stempel aufdrücken. Die derzeit enge Versorgungslage - derzeit sind nur Sojabohnen aus den USA am Markt - sorgt trotz der Rekordernten für ein vergleichsweise hohes Preisniveau bei den Sojabohnen. Mit den hohen Ernten in Südamerika steht aber im weiteren Verlauf des Jahres ein hohes Angebot an Sojabohnen am Weltmarkt zur Verfügung, aus dem sich China bedienen kann. Von den weltweit gehandelten 109 Mio. t kauft allein China 69 Mio. t ein und bestimmt damit nicht unwesentlich die Preisentwicklung bei den Sojabohnen. Derzeit ist bereits die Dominanz Chinas als Käufer zu spüren. So werden Käufe in den USA storniert und Einkäufe von günstigeren Bohnen in Brasilien vorgenommen. Durch das insgesamt größere Aufkommen an Sojabohnen wird tendenziell von einem schwächeren Sojabohnenpreis ausgegangen. Damit dürfte auch der Rapspreis eher unter Druck geraten als steigen. Ausgehend von den Rapsnotierungen von 350 €/t für November 2014 an der Matif, in denen sich die Einschätzungen vieler Marktteilnehmer widerspiegeln, ist von einem Preis ex Ernte von 335 bis 340 €/t auszugehen. Durch den Erntedruck können durchaus noch niedrigere Preise möglich sein. Aber durch die Verwertung über das Rapsöl und auch das Rapsschrot sind auch Grenzen einer weiteren Abwärtsbewegung gesetzt.