Bodenbearbeitung und Ackerhygiene – Wichtige Bausteine für den erfolgreichen Rapsanbau

von Peter Müller, Ingenieurbüro Müller und Schliephake

Eine Grundvoraussetzung für hohe und sichere Rapserträge ist ein gutes ackerbauliches Management im Produktionsprozess. Schon vor der Aussaat wird der Grundstein für eine zügige und gute Entwicklung der jungen Rapspflanze gelegt. Getreide ist die häufigste Vorfrucht und mit dessen Ernte und den dabei herrschenden Bedingungen wird bereits Einfluss auf die Vorwinterentwicklung genommen. Bleibt das Stroh auf dem Feld, so steht eine gleichmäßige Strohverteilung an erster Stelle. Aber auch die Stoppellänge sowie der zeitliche Abstand zwischen Ernte der Vorfrucht und der Wiederbestellung üben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Bestandesetablierung aus. Besonders störend sind Strohnester. Durch den geringen Bodenkontakt setzen hier die Rotteprozesse nur verzögert ein und die Strohmatten bleiben über einen längeren Zeitraum bestehen. Neben schlechten Keimbedingungen bieten sie für Feldmäuse und Schnecken ideale Rückzugsmöglichkeiten.

Eine ungenügende Strohverteilung produziert regelmäßig wesentlich schlechtere Bodenbearbeitungsergebnisse. Ein homogener Bodenzustand kann hier nicht erreicht werden. Vor allem bei der Aussaat behindern größere Mengen organischer Ernterückstände eine gleichmäßige Ablage der Samen in den Boden. Die kleinen Samenkörner werden zum Teil in diesen Strohmatten abgelegt. Ein Bodenkontakt und damit eine Anbindung an das Bodenwasser, welches für die Keimung benötigt wird, kann nicht hergestellt werden. Ungleichmäßige Pflanzenverteilungen auf der Fläche, besonders bei länger anhaltender Trockenheit, sind die Folge. Daher muss das Bestellverfahren im Betrieb immer mit dem Mähdrusch und der Bodenbearbeitung als Komplex gesehen werden. Die Bodenbearbeitung kann Fehler, die bei der Ernte entstanden sind, nur unzureichend kompensieren und gleichzeitig kann mit der Bestellung eine falsche Bodenbearbeitung nicht repariert werden.

Ein völlig neuartiges Verfahren der Bodenbearbeitung und Bestellung ist die Streifenbearbeitung. Der Boden wird hier nur im Ablagebereich der Saat streifenweise gelockert. Oft kann parallel eine Unterfuß- und Unterflurdüngung durchgeführt werden. Je nach Standort und Jahr bietet diese Lösung Vorteile in der Pflanzenentwicklung. Beobachtet wurde im Feld ein recht zügiger Pflanzenwuchs und eine erhöhte Nährstoffaufnahme vor Winter. Aber auch bei diesem Verfahren ist eine gute Strohverteilung eine Grundvoraussetzung für eine störungsfreie Durchführung, weil sonst die Zinkenwerkzeuge leicht verstopfen und noch größere Strohhaufen zusammenziehen. Erste Untersuchungen der Streifenbearbeitung zu Raps weisen positive Ertragstendenzen auf. Jedoch sind weitere Versuche nötig, um belastbare Ergebnisse für die jeweiligen Ackerbaustandorte in Sachsen präsentieren zu können.

Aufgrund der oft recht hohen Rapsanbaukonzentration kommt dem ackerbaulichen Vorgehen nach der Rapsernte eine besondere Bedeutung zu. Es ist wichtig, die Ernteverluste durch eine gezielte Bearbeitung zum Keimen anzuregen. Zudem sind die verbliebenen langen Rapsstängel möglichst stark zu zerkleinern, um pilzliche Dauerkörper freizulegen und diese den organischen Abbauprozessen zu überlassen. Nach der ersten Auflaufphase ist der Raps je nach Witterung entweder mechanisch oder chemisch abzutöten, um eine sogenannte Grüne Brücke zu vermeiden. Junge Rapspflanzen verbrauchen viel Wasser und zehren dementsprechend am Bodenwasservorrat, der für die Entwicklung der nachfolgenden Kultur wichtig ist. Gleichzeitig bieten sie eine gute Nahrungsgrundlage für Schadinsekten und sind eine Ausgangsbasis für Rapskrankheiten, die  sich auf dem Schlag als auch in der Region etablieren können.


Peter Müller - Bodenbearbeitung und Ackerhygiene
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