Rapsextraktionsschrot – eine wertvolle Eiweißkomponente in der Fütterung

von Dr. Antje Priepke, LFA MV, IfT Dummerstorf

 

 

In Deutschland stellt das Rapsextraktionsschrot mit ca. 3,5 Mio. Tonnen  - das sind 42 % des gesamten Raps- und Sojaschrotverbrauches - in der Fütterung die zweitwichtigste Eiweißquelle nach Soja dar, womit Deutschland die Spitzenposition innerhalb der EU einnimmt (OVID, 2013). Dies hat vielerlei Gründe: Zum einen seinen hohen Proteinwert, der in einer Vielzahl von Versuchen bestätigt wurde, zum anderen die verstärkte Nachfrage nach GVO-freien Futterkomponenten. Ausschlaggebendes Kriterium für den Einsatz bzw. den Sojaersatz ist jedoch die meistens günstige Preisrelation.

Die stabile Qualität des Rapsextraktionsschrotes aus deutschen Ölmühlen wird seit Jahren im UFOP-Monitoring (Weber und Schulze, 2013, Tab. 1) dokumentiert. So liegt der Proteinwert recht konstant bei 33-34 %/TS, der Energiewert bei 9,6 – 10,0 MJMESchwein/kg TS bzw. 6,4 – 6,5 MJ NEL/kg TS. Auch die Glucosinolate, die bei den Monogastriern den Rapseinsatz beschränken, bewegen sich seit Jahren im Mittel auf einem niedrigen Niveau zwischen 5,9 und 7,9 mmol/kg TS. Allerdings gab es in den letzten Jahren einige „Ausreißer“, überwiegend im importierten Material. Wichtig ist es daher, im Anbau weiterhin auf Sorten mit geringem Glucosinolategehalt zurück zugreifen.

Tab. 1: Gehaltswerte von Rapsextraktionsschrot (je 1000 g mit 89 % TS), Bundesweites Monitoring, DLG und UFOP (Weber 2013)
 Tab. 1: Gehaltswerte von Rapsextraktionsschrot (je 1000 g mit 89 % TS), Bundesweites Monitoring, DLG und UFOP (Weber 2013)

 

Einsatz des Rapsextraktionsschrotes in der Rinderfütterung
Gutes Grobfutter ist die Basis einer jeden Milchviehration. Etwa 75 % der Proteinversorgung stammen aus dem mikrobiellen Protein, was die Bedeutung der wiederkäuergerechten Fütterung unterstreicht. Im Hochleistungsbereich ist dennoch die energetische, sowie die Ergänzung mit Proteinkonzentraten erforderlich, die in vielen Betrieben durch das Sojaextraktionsschrot, zunehmend aber durch das Rapsextraktionsschrot erreicht wird.

Dabei scheint auf den ersten Blick SES einen klaren Vorteil zu bieten: es weist nicht nur einen höheren Energiegehalt auf, sondern auch einen deutlich höheren Proteingehalt (siehe Tab. 1). Die Nutzbarkeit des Proteins wird beim Wiederkäuer aber im Wesentlichen durch die Proteinabbaubarkeit im Pansen und der zur Verfügung stehenden Energie bestimmt. Während dem RES noch vor einigen Jahren ein geringerer UDP-Wert als dem SES zugewiesen war, beinhalten neuere Empfehlungen für das RES höhere Anteile an pansenstabilem Protein von 35 % gegenüber 30 % UDP beim Soja.  Dies mündet in eine deutliche Annäherung des nXP-Gehaltes  (255 bzw. 283 g/kg TM), so dass ein Austausch von SES durch RES möglich wird. Aufgrund der Differenzen im Energiegehalt ist jedoch ein Energieausgleich (z.B. über pansenstabile Fette) erforderlich.

Die Möglichkeit des vollständigen Sojaersatzes durch RES in der Milchviehfütterung  wurde bereits vor 10 Jahren erfolgreich am LLFG Iden und der Universität Halle geprüft. Dabei zeigten sich keine Unterschiede in der Futteraufnahme. Die Milchleistung und auch der Milchfett- und Proteingehalt waren ebenfalls nicht beeinträchtigt.

Neuere Ergebnisse aus dem  Gemeinschaftsprojekt „Rapsschrotfütterung“ wurden u.a. von  T. Engelhardt auf dem 13. Dummerstorfer Seminar Futter und Fütterung vorgestellt (www.lfa.mvnet.de). Dabei wurden Gras- bzw. maissilagebetonte Rationen mit SES bzw. RES ergänzt. In den RES-Varianten wurde ein Energieausgleich durch pansenstabiles Fett vorgenommen. Bei hohen RES-Anteilen (ca. 4,5 kg RES/Kuh und Tag)  konnte aufgrund der hohen Phosphorgehalte im Raps auf eine Phosphorergänzung im Mineralfutter verzichtet werden.

Es zeigte sich wiederholt: SES kann durch RES in Milchviehrationen vollständig ersetzt werden, ohne dass es zu einer Beeinträchtigung der Futteraufnahme und der Milchleistung kommt. Eine Harnstoffergänzung brachte in den geprüften Rationen keine Vorteile, kann  aber in Rationen mit hohen Maisanteilen bei einer negativen RNB der Gesamtration sinnvoll sein.

Weiterhin wurde deutlich, dass die Gesamtrationen auf Basis von RES eine geringere  RNB aufweisen bei geringeren XP-Gehalten, aber gleichzeitig bedarfsdeckender nXP-Versorgung. Die geringere N-Versorgung findet sich in geringeren Milchharnstoffgehalten wieder und mündet in eine insgesamt sehr effiziente N-Nutzung (nachzulesen auch bei K. Mahlkow-Nerge unter www.Proteinmarkt.de).

Obwohl das Protein des RES einen höheren UDP-Wert als bisher angenommen hat, kann es sinnvoll sein, ihn durch eine gezielte technische Behandlung weiter zu erhöhen (auf ca. 70 % des Rohproteins). Gleichzeitig wird der nXP-Wert auf ca. 368 g/kg TS gesteigert, die ruminale N-Bilanz (RNB) aber verringert. Der Einsatz dieses pansengeschützten Rapsschrotes bietet sich v.a. für frühlaktierende, hochleistende Milchkühe und v.a. bei sehr proteinreichen Grobfutterrationen mit hoher RNB an (Mahlkow-Nerge, UFOP-Schriften 2012).

Solange keine anderen Gründe ausschlaggebend sind, wird der Sojaersatz auf Grundlage der Futterpreise erfolgen. Als Faustzahl gilt, dass sich ein Ersatz finanziell rechnet, solange der Preis für RES bei 60-65 % des SES-Preises liegt. In den Versuchen des ZTT Iden erbrachte die RES-Variante eine Kostenersparnis von 0,34 €/Tier und d (bei einem Sojapreis von 47 €/dt und einem Rapspreis von 30 €/dt).

 

Einsatz des Rapsextraktionsschrotes in der Schweinefütterung
Beim Schwein wird der Proteinwert durch die Aminosäurezusammensetzung und der Aminosäureverdaulichkeit bestimmt. Im Vergleich zum SES enthält RES weniger Lysin, aber mehr schwefelhaltige Aminosäuren. Das engere Lysin-Methionin-Verhältnis ist v.a. in der Geflügel- und Schweinefütterung vorteilhaft, aber auch von Bedeutung für die Milchbildung der Hochleistungskuh. Durch den hohen Methioningehalt eignen sich Rapsprodukte auch gut als Ergänzung zu Körnerleguminosen.

Die bereits erwähnten Glucosinolate (GSL) gelten als begrenzender Faktor beim Einsatz in der Schweinefütterung und sind die Hauptursache für teilweise immer noch existierende Vorbehalte in der praktischen Fütterung. Bei den GSL handelt es sich um Senfölverbindungen, die sich zum einen negativ auf die Futteraufnahme auswirken, was v. a. bei Flüssigfütterung beobachtet wurde. Zudem können GSL auch im Stoffwechsel, v.a. auf die Schilddrüse ungünstige Wirkungen entfalten. Durch die Züchtung moderner 00-Sorten sowie durch einen Abbau während der Toastung sind die Rest-GSL-Gehalte in der Regel gering (Ausnahmen in der Tab. 1 zu sehen). Um die beschriebenen negativen Auswirkungen zu vermeiden, sollte der für Schweinefutter abgeleitete obere  Grenzwert von 1,5 mmol GSL/kg nicht überschritten werden. Bei einem 15%igem Einsatz im Mischfutter wären somit 10 mmol/kg Rapsextraktionsschrot die Grenze (Schöne, 2009).

Die Möglichkeit des teilweisen oder vollständigen Ersatzes von Sojaschrot durch Rapsextraktionsschrot in der Schweinefütterung wurde in den letzten Jahren umfangreich in Versuchen geprüft. So zeigte sich in mehreren Institutsversuchen (Weiß et al., 2004, Weber et al., 2007a), dass ein Anteil von 10-15 % weder einen Einfluss auf die Futteraufnahme, die Lebendmassezunahme und den Futteraufwand noch auf den Muskelfleischanteil hat.

Da Ergebnisse aus der Praxis häufig höhere Akzeptanz bei den Landwirten haben, wurden durch Weiss et al. (2007) zusätzlich umfangreiche Praxisversuche durchgeführt und dabei unterschiedliche Haltungs- und Fütterungssysteme sowie eine unterschiedliche Genetik berücksichtigt. Auch hier zeigte sich das gleiche Bild: weder die Futteraufnahme noch die Mast- und Schlachtleistung waren durch RES-Anteile von 10-15 % beeinträchtigt.

Der Einsatz von RES ist aber nicht nur in der Mastschweinefütterung, sondern auch schon in der Fütterung von abgesetzten Ferkeln möglich. So ergaben Untersuchungen im Rahmen eines UFOP-Projektes (Weber et al., 2009), dass der Einsatz von 5-10 % RES bei GSL-Gehalten von 5,5 mmol/kg zu keiner Beeinträchtigung der Futteraufnahme und der Lebendmassezunahme führte. Versuche in vier Praxisbetrieben bestätigen diese Ergebnisse

(UFOP-Bericht 2012). Eine weitere Steigerung auf 10-15 % (Weber, 2012) ergab ab Anteilen von 15 % eine etwas geringere Lebendmassezunahme, so dass die Empfehlung bei 5-10 % im Aufzuchtfutter liegt.

Zudem ist RES auch in der Fütterung der tragenden Sau geeignet, nicht zuletzt wegen des Rohfasergehaltes.

Auch in der Schweinefütterung kann der Einsatz von REs zu erheblichen Einsparungen bei den Futterkosten führen, allerdings sind hier die preislichen Relationen zwischen Soja- und Rapsextraktionsschrot enger als bei der Milchkuh. Beim Schwein lohnt sich der Einsatz, wenn der Rapsschrotpreis unter 68-70 % des Preises für Sojaschrot liegt (Basis: Energie und praecalcal verdauliches Lysin).

Tab. 2: Empfehlungen zum maximalen Einsatz von Rapsextraktionsschrot in der Fütterung
 Tab. 2: Empfehlungen zum maximalen Einsatz von Rapsextraktionsschrot in der Fütterung

Einsatzempfehlungen zu möglichen Einsatzmengen von Rapsextraktionsschrot werden für die einzelnen Tierkategorien in der Tab. 2 gegeben.

 

 

Literatur bitte beim Autor erfragen: a.priepke@lfa.mvnet.de