Der Boden lebt – Bedeutung und Funktion des Bodens für hohe Erträge

von Max Stadler, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Pfaffenhofen a.d.Ilm

Auf dem überwiegenden Teil der Ackerflächen ist Wasser der Produktionsfaktor Nr. 1, der nicht käuflich zu erwerben ist. Da die Verteilung der Niederschläge nicht synchron mit dem Bedarf der Pflanze ist, kommt dem Boden als Speichermedium größte Bedeutung zu. Wenn Regen fällt, muss er vom Boden aufgenommen werden können und bei Trockenheit müssen die Pflanzenwurzeln in der Lage sein, das in den tieferen Schichten gespeicherte Wasser aufzunehmen.
Erosion ist der Super Gau des Ackerbaus, weil nicht nur humus- und nährstoffreicher Boden, sondern auch Wasser verloren geht.

Die aktive Bodenbearbeitung beschränkt sich auf die Krume, also 10 bis 25 cm Tiefe. Die Pflanzenwurzeln gehen bis in 1,5 m Tiefe und weiter. Jegliche Bodenbearbeitung erfolgt gezogen, also horizontal. Nur der Regenwurm (Lumbricus terrestris) gräbt senkrechte Röhren, die den Gas- und Wasseraustausch bis tief in den Unterboden fördern. Für die Pflanzenwurzeln sind diese Röhren die Autobahnen in die Tiefe. Der Regenwurmbesatz stellt etwa nur ein Viertel der Biomasse des Bodenlebens dar, er und seine Röhren sind aber ein Indikator für den Zustand des Bodens in Bezug auf Humusversorgung und Bodenverdichtung. Auf südbayrischen Böden findet man bis zu 240 Regenwürmer/m² mit einem Gewicht von 200g/m². Dies entspricht 2000 kg/ha oder 4 GV/ha. Seine Röhren durchlöchern die Tragschicht des Bodens unterhalb der bearbeiteten Krume, welche in ihrer negativen Ausprägung auch Pflugsohle genannt wird. Diese Tragschicht trägt unsere schweren Maschinen bis zu einem gewissen Feuchtigkeitszustand des Bodens schadlos und sollte deshalb nicht beseitigt, sondern wie ein Schweizer Käse durchlöchert sein. Das kann der Regenwurm neben den Pflanzenwurzeln am besten.

Querschnitt - Blick in einen Rapsschlag.
Die restlichen 75 % des Bodenlebens sind hauptsächlich Pilze, Algen und andere Mikroben. Sie sind in erster Linie für den Stoffumsatz und die Stabilität des Bodens verantwortlich. Diese Stabilität ist die Voraussetzung für das Tragen von Maschinen und dem Widerstand gegen Regen. Die Bestandteile des Bodens - Ton, Sand, Schluff und Humus müssen stabile Verbindungen eingehen, damit die Bioporen (für Wasser, Wurzeln und Luft) des Ackers dauerhaft vorhanden sind. Das positive Ergebnis ist eine ausgeprägte Krümelstruktur, die dem Keimling und später der Pflanze beste Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Der optimale Kalkgehalt des Bodens unterstützt diese Prozesse und gilt als unabdingbare Voraussetzung dafür.

Organische Dünger und Zwischenfruchtmischungen sind die Beschleuniger des Bodenlebens der immer einseitiger werdenden Fruchtfolgen. Die unterschiedlichen Zwischenfruchtwurzeln haben verschiedene Ausscheidungen und fördern das Bodenleben in seiner ganzen Vielfalt. Ähnlich den Photovoltaikanlagen pumpen sie bis zum Abfrieren Energie in Form von Kohlenstoffverbindungen durch ihre Wurzelausscheidungen in den Boden. Das Bodenleben ist auf die Zufuhr von Kohlenstoff angewiesen und reagiert darauf sehr schnell.

Die Druckbelastung der Böden durch schwere Maschinen bei zu feuchten Böden stellt ein großes Problem dar. In transportintensiven Fruchtfolgen (Biogas) müssen neben Breitreifen und Laufbän-dern mehr Reifenregeldruckanlagen Eingang in die Praxis finden. Bodenverdichtung bedeutet eine Abnahme der luft- und wasserführenden Poren und damit den Rückgang der Wassersaufnahmefä-higkeit, - speicherfähigkeit und Durchwurzelbarkeit der Böden. Dies fördert dann immer wieder die Erosion.