Ableitung von alternativen Bekämpfungsstrategien gegen Rapserdfloh und Kohlfliege im Herbst 2014

von Ralf-Rainer Schulz,  Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, Mecklenburg-Vorpommern

Mit dem Wegfall neonikotinoidhaltiger Rapsbeizen ab Aussaat 2014 ist eine chemische Bekämpfung des Rapserdflohs und der Kleinen Kohlfliege nur noch eingeschränkt möglich. Für Spritzanwendung gegen den Rapserdfloh sind ausschließlich Pyrethroide zugelassen, bei denen bereits Minderwirkungen im westlichen Mecklenburg-Vorpommern und östlichen Schleswig-Holstein festgestellt wurden. Antiresistenzstrategien müssen deshalb darauf gerichtet sein, auf unnötige Insektizidanwendungen zu verzichten und alle Feldhygienemaßnahmen zur Befallsreduzierung auszuschöpfen. Dadurch werden auch Nützlinge wie Kurzflügler, Laufkäfer und Schlupfwespen geschont, die z.T. Gegenspieler der genannten Schaderreger sind.

Sowohl der Rapserdfloh als auch die Kleine Kohlfliege gehören zu den Rapsschädlingen mit vergleichsweise hohem Vermehrungspotenzial. Flächenspritzungen müssen daher möglichst gezielt und effektiv sein, um Schäden zu vermeiden. An die Überwachung des Rapserdflohs werden zukünftig höhere Anforderungen zu stellen sein, weil kein Beizschutz mehr in den frühen Entwicklungsstadien der Pflanzen (Keimblattstadium) vorhanden ist.

Als erstes ist auf die aktuelle Befallssituation zu achten (Warnhinweise, Jungkäferauftreten während und nach der Rapsernte). Diese kann witterungsbedingt starken Schwankungen unterliegen, wenn beispielsweise ein Zusammenbruch der Rapserdfloh-Population durch extreme Kahlfröste unterhalb von -15 °C ausgelöst wird.

Rapserdfloh
Alle vorhandenen Bekämpfungsrichtwerte sind konsequent anzuwenden. Dazu zählen die Erfassung möglicher Fraßschäden durch Käfer, die Ermittlung der Käferdichte pro Flächeneinheit und die Auswertung von Gelbschalenfängen. Bei der Kleinen Kohlfliege schädigt die dritte Generation den Winterraps im Spätsommer/Herbst. Ihre Überwachung mittels Gelbschale ist wegen der Vielzahl der vorkommender Fliegenarten und ihrer schwierigen Unterscheidbarkeit kaum praktikabel. Eine gezielte Bekämpfung ist daher ebenfalls nicht möglich.

Beim Rapserdfloh kommt es vor allem darauf an, den richtigen Bekämpfungszeitpunkt zu treffen. Dieser wäre idealerweise nach vollständigem Käferzuflug und vor der Eiablage gegeben (in der Regel Ende September). Bei starkem Befallsdruck sind ggf. frühere und mehrfache Behandlungen erforderlich. In Praxiserhebungen wurde eine einseitige Besiedlung meist ausgehend von den Sommerlagern der Käfer festgestellt. Auf großen Schlägen kann ggf. eine Teilflächenbehandlung ausreichen, insbesondere wenn repräsentative Gelbschalenfänge vorliegen. Ferner werrden früh gesäte Bestände zuerst besiedelt und stärker befallen. Das trifft in der Regel auch auf die Kleine Kohlfliege zu. Frühsaaten müssen daher besonders sorgfältig überwacht werden, da sie einen gewissen Fangpflanzen-Effekt haben. Bei vorhersehbar starkem Befallsdruck und befürchteten Pflanzenverlusten kann eine moderate Erhöhung der Saatmenge sinnvoll sein. Im Frühjahr sind gezielte Spritzungen gegen den Rapserdfloh in der Regel nicht erforderlich, da die Käfer durch zeitige Behandlungen gegen den Großen Rapsstängelrüssler mit erfasst werden. Die durch Rapserdfloh- als auch Kohlfliegenlarven hervorgerufenen Verletzungen an den Pflanzen (Blattstiele, Wurzeln) stellen Eintrittspforten für Pilzkrankheiten (z. B. Phoma lingam) dar. Werden derartige Verletzungen in größerem Ausmaß festgestellt, sind die Fungizidstrategien anzupassen.

Alternative Bekämpfungsstrategien und Maßnahmen zur Feldhygiene können dazu beitragen, das Schadausmaß zu reduzieren. So ist der Ausfallraps zügig umzubrechen, um eine direkte Besiedlung der 2. Kohlfliegengeneration von diesen Flächen auf die Neuansaaten zu verhindern. Einer Düngung mit ca. 250 kg/ha Kalkstickstoff vor der Saat wird ebenfalls eine befallsmindernde Wirkung zugeschrieben. Überhöhte Anbauanteile von Raps in der Fruchtfolge tragen bekanntlich zur Ausbreitung von Schaderregern bei und sind zu vermeiden. Nach Untersuchungen von Dohms et. al (2013) konnte durch verschiedene Bodenbearbeitungsmaßnahmen nach der Rapsernte die Schlupfquote der Kleinen Kohlfliege deutlich reduziert werden.


Dr_ Ralf Rainer Schulz - Bekämpfungsstrategien gegen Kohlfliege und Co
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