Aktuelles zum Pflanzenschutz im Raps 2014

von Tobias Schulze Bisping, LWK Nordrhein-Westfalen

Rapsanbau ohne Neonicotinoid-Beize. Was erwartet uns?
Seit dem 01.12.2013 ist die Aussaat von Raps, der mit den Wirkstoffen Clothianidin, Thiamethoxam oder Imidacloporid angebeizt ist in der EU verboten. Das Verbot begründet die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit der hohen Toxizität von Neonicotinoiden gegenüber Bienen. Die Biene kann die Wirkstoffe unter Umständen durch Guttation aufnehmen. In den Jahren 2005 bis 2008 hat die LWK NRW an fünf Standorten in NRW die unterschiedlichen Rapsbeizen auf ihre Wirksamkeit gegenüber Kleine Kohlfliege und Rapserdfloh überprüft. In den mehrfach wiederholten, randomisierten Versuchen konnte nur durch die Beize Elado eine 50 %ige Wirkung gegen Kohlfliege bestätigt werden.

Gegen den Rapserdfloh bzw. Erdfloh-Larven wirkten alle Beizen nicht! Lediglich eine Applikation mit einem Pyrethroid bringt einen sicheren Behandlungserfolg. Vorbeugend gegen die Kohlfliege sind Frühsaaten zu vermeiden. Der Erdfloh-Befall sollte im Herbst mit Gelbschalen kontrolliert werden.


Blütenbehandlung im Raps: Aktuelle Fungizidempfehlungen
Insgesamt sind im Jahre 2013 in NRW auf drei Standorten sieben verschieden Fungizide bzw. Fungizidmischungen auf ihre Wirksamkeit gegen pilzliche Schaderreger, vor allem Sclerotinia im Raps getestet worden. Da es im Mai zwar nass, jedoch kühl war (unter 20 °C) konnte Sclerotinia die Bestände nicht infizieren. In der unbehandelten Kontrolle sind gute 20 %erkrankte Stoppeln bonitiert worden. Durch die Behandlungen konnte der Befall auf 10 bis 15 % gesenkt werden. Trotz des geringen Befalls konnten dennoch Mehrerträge von 0,5 bis 3 dt/ha erzielt werden. Auffällig ist, dass die Produkte Cantus Gold und Propulse im Ertrag abfallen. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass kein Strobilurin enthalten ist. Alle anderen Produkte schnitten besser ab. Für die Saison 2014 empfiehlt sich eine Behandlung mit 1,0 l/ha Custodia oder 1,0 l/ha Symetra. Im Mittel der letzten 11 Jahre konnten mit der Blütenbehandlung immer 3 dt/ha mehr geerntet werden. Da Prognosen zum Ausbruch von Sclerotinia schwierig sind, ist eine Behandlung zur Blüte immer angeraten.

 

Clearfield-Raps: Anbausystem mit Zukunft?!

Weltweit steht das Anbausystem Clearfield für eine Kombination aus einem Herbizid und einer gegen dieses Herbizid resistenten Kulturpflanze. Im Raps handelt es sich dabei um das Produkt Clearfield-Vantiga, welches Imazamox aus der Gruppe der ALS-Hemmer enthält. Dieser Wirkstoff wird nur von CL-Raps vertragen. Das Besondere an CL-Raps ist nicht das System sondern der Raps. Der CL-Ausfallraps bleibt über Jahre im Boden keimfähig und läuft jedes Jahr erneut auf. Zudem ist ein unkontrollierter Samenaustrag durch Pollenflug und Ernte-/Transportmaschinen unvermeidbar. Aus Da CL-Raps mit den gängigen Sulfonylen nicht bekämpfbar ist, führt dies zu Problemen in den nachfolgenden Kulturen. Gerade in Rüben ist eine Ausfallraps-Bekämpfung schier unmöglich. Im Getreide müsste man auf Wuchsstoffe umschwenken. Diese belasten jedoch zusätzlich die Gewässer. Kommt es zu einem ungewollten Samenaustrag auf anderen Flächen, haftet der Lohnunternehmer für die Folgeschäden. Der Anbau von CL-Raps ist nicht zu empfehlen.


Tobias Schulze-Bisping - Aktuelles zum Pflanzenschutz im Raps 2014
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