Winterraps mit Augenmaß auf hohe Ölerträge düngen

von Dr. Stefan Weimar, DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück

Im Hinblick auf den Nährstoffbedarf gehört der Winterraps zu den anspruchsvollen Kulturen. Ein Rapsbestand mit einer Ertragserwartung von 40 dt/ha vermag bis zur Fruchtbildung mindestens 250 kg N/ha aus dem Bodenvorrat sowie der Düngung aufzunehmen. Mit diesem Kornertrag werden lediglich rund 140 kg N/ha von der Fläche abgefahren. Angesichts des vergleichsweise engen C/N-Verhältnisses hinterlassen die Erntereste eine beachtliche Menge an rasch verfügbarem Stickstoff auf dem Feld.

Der N-Bedarf im Frühjahr kann auf der Basis des ertragsabhängigen N-Sollwerts unter Berücksichtigung des Nmin-Gehalts zum Vegetationsbeginn, der N-Nachlieferung des Bodens sowie der N-Aufnahme im Herbst abgeleitet werden. Mittels repräsentativer Schnittproben von oberirdischem Aufwuchs lässt sich der im Herbst bereits aufgenommene Stickstoff durch die Multiplikation der gewogenen Frischmasse pro m2 mit dem Faktor 45 gut abschätzen. Bei normaler Bestandesentwicklung haben die Pflanzen bis zum Vegetationsende durchschnittlich ca. 50 kg/ha aufgenommen. Der darüber hinaus aufgenommene Stickstoff wird mit 70 % angerechnet und von der im Frühjahr vorgesehenen N-Düngung abgezogen werden. Hat ein Bestand im Herbst mit 2,0 kg/m2 oberirdischem Aufwuchs bereits etwa 90 kg N/ha aufnehmen können, lässt sich die ortsübliche N-Düngung im Frühjahr um 28 kg N/ha, vorzugsweise zur zweiten N-Gabe, ertragsneutral reduzieren.

 

Die N-Verteilung an den Standort und die Pflanzenentwicklung anpassen!
Praxisüblich erfolgt die N-Düngung zu Winterraps im Frühjahr in zwei Teilgaben, um den N-Düngebedarf besser auf die aktuelle Pflanzenentwicklung und den tatsächlichen Witterungsverlauf abstimmen zu können.
Die N-Gabe (F 1) zu Vegetationsbeginn dient der Regeneration der Blattrosette und der Förderung der Blatt- und Blütenanlagen am Vegetationskegel. Sie unterstützt neben der Bildung von Blütenknospen in den Seitentreiben das nachfolgende Längenwachstum des Haupttriebes und auch die spätere Verzweigung der Pflanzen.
Die zweite N-Gabe (F 2) zum Beginn der Schossphase fördert das Längenwachstum der Seitentriebe. Sie stellt die N-Versorgung zur Blüte und der späteren Fruchtbildung sicher, um einen hohen Schoten- und Kornansatz zu realisieren. Die intakten Schotenwände liefern etwa die Hälfte der Assimilate zur späteren Samenbildung, da die Photosynthese-Leistung der älteren Blattetagen unterhalb des Schotendachs ist zum Blühbeginn bereits stark reduziert ist.
Bis zur Blüte nehmen die Rapsbestände bis zu ca. 75 % der Gesamt-N-Menge auf. Bei den erfahrungsgemäß noch niedrigen Bodentemperaturen ist bis zu diesem Zeitpunkt noch keine nennenswerte N-Nachlieferung zu erwarten. Deshalb sollte die zweite N-Gabe während der Streckungsphase rechtzeitig vor dem Erscheinen der Blütenknospen am Haupttrieb, zeitlich in der Regel ca. drei Wochen nach der ersten N-Gabe, terminiert werden.
Die prozentuale Aufteilung der N-Düngung zur ersten und zweiten N-Gabe sollte sich in erster Linie an der Pflanzenentwicklung und den jeweiligen Standortbedingungen orientieren:
Stark entwickelte Pflanzen mit mehr als 10 Blättern sollten bei günstiger N-Nachlieferung des Bodens höchstens 50 % der gesamten N-Düngung mit der ersten N-Gabe erhalten, um das vegetative Wachstum der Pflanzen nicht zu überziehen. Gerade ein üppiger Blattzuwachs im Frühjahr schiebt je nach Bestandesdichte die Verzweigung in die Höhe und erhöht die Lagerneigung durch zu kopflastige Pflanzenbestände. Die ausgeprägte Längenheterosis von CMS-Normalstrohhybriden spricht zudem für eine verhaltene erste N-Gabe, um die Standfestigkeit der Bestände zur Ernte abzusichern.
Auf Standorten mit regelmäßiger Vorsommertrockenheit sollten keine zu blattreichen Rapsbestände im Frühjahr erzeugt werden, um die Bodenwasserreserven für die spätere Frucht- und Samenentwicklung sowie die Fettsynthese zu erhalten.
Pflanzenbeständen mit weniger als 8 voll entwickelten Laubblättern können zum Vegetationsbeginn annähernd zwei Drittel der gesamten N-Düngung verabreicht werden. Bei stärkeren Blattverlusten während der Winterperiode oder spätem Vegetationsbeginn bewirkt dies eine zügigere Regeneration der Pflanzen. Bei der N-Düngung zur Schossphase ebenfalls zu berücksichtigen ist die zu erwartende N-Nachlieferung aus der bereits abgeworfenen, leicht umsetzbaren Blattmasse. Rückschlüsse hierzu lieferte die Abschätzung des Biomasse-Aufwuchses im Herbst. Diese Verteilungsmuster ist auch auf Standorten mit schwacher oder verzögerter N-Mineralisierung im Frühjahr oder schweren Böden mit langsamer Bodenerwärmung angebracht.
Früh abreifende Sorten verlangen eine zeitige erste N-Gabe im Frühjahr, um den Entwicklungsvorsprung gegenüber Sortentypen mit späterer Abreife ertragswirksam umsetzen zu können.
Normalstroh- und Halbzwerghybriden verfügen über eine vergleichbare N-Effizienz zu den Liniensorten, so dass der kalkulierte optimale N-Düngebedarf auf die verschiedenen Sortentypen übertragbar ist.

 

Unterschiedliche Düngungsstrategien liefern gleichwertige Kornerträge
Bei der praxisüblichen Düngung in zwei N-Teilgaben kann Schwefel zum Zeitpunkt der ersten N-Gabe mit S-haltigen N-Einzeldüngern oder NPK-Düngemitteltypen ausgebracht werden.
Granulierte N-Düngemittel mit einem weiten Verhältnis von Stickstoff zu Schwefel sollten zu beiden Düngungsterminen eingeplant werden, um den erforderlichen S-Bedarf der Kultur anbieten zu können. Nach einer Vorlage von ca. 40 kg N/ha bzw. 50 kg S/ha als Ammoniumsulfat kann der noch verbleibende N-Bedarf in einer zweiten Überfahrt z.B. mit Kalkammonsalpeter, Harnstoff oder auch Ammonnitrat-Harnstoff-Lösung ergänzt werden.
Da Ammoniumnitrat- und Harnstoff-haltige Düngemittel bei Winterraps in der Regel eine vergleichbare N-Wirkung erzielen, kann sich der Düngemittelbezug an der Preiswürdigkeit der Produkte orientieren. Die langsamere Umsetzung von amidhaltigen Produkten im Boden verlangt erfahrungsgemäß eine rechtzeitige Anschlussdüngung zum Längenwachstum.
N-stabilisierte Ammonium- bzw. Harnstoff-Mischprodukte ermöglichen es auch, die gesamte N-Düngung zu Winterraps in einer Gabe zum Vegetationsbeginn zu verabreichen. Umso wichtiger ist dort eine treffsichere Ermittlung des N-Optimums unter Berücksichtigung der N-Aufnahme des Bestandes im Herbst. Im fünfjährigen Durchschnitt lieferten die zum ersten Düngungstermin in einer N-Gabe ausgebrachten Misch- bzw. bulk blending-Produkte mit und ohne N-Stabilisierung eine vergleichbare N-kostenfreie Marktleistung zur zweifachen Gabenaufteilung.
Die dreifache Aufteilung der N-Düngung mit einer N-Startgabe im Herbst von 40 kg N/ha als KAS erzielte in den mehrjährigen Versuchen durchaus gleichwertige Kornerträge gegenüber der zweigeteilten N-Düngung im Frühjahr. Insbesondere bei der Bestellung von Winterraps als Mulchsaat sollten ca. 30 bis 40 kg N/ha zur Stoppelbearbeitung, jedoch spätestens bis zum 3-4-Blattstadium der Rapsbestände verabreicht werden, um die Strohrotte im Oberboden zu fördern. Die vorliegende Auswertung belegt auch, dass die im Herbst bereits verabreichte N-Menge bei der Bemessung der N-Gaben im Frühjahr vollständig anzurechnen ist. Das würde auch nach einer Ausbringung von Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft im Herbst zutreffen.
Die Anwendung von Kalkstickstoff zur Aussaat kann dazu beitragen, den Befall mit Nacktschnecken oder bodenbürtigen Pilzkrankheiten, wie z.B. der Kohlhernie, zu reduzieren. Die positiv einzuschätzenden phytosanitären Nebenwirkungen sind hinsichtlich der ökonomischen Vorzüglichkeit des Verfahrens zusätzlich abzuwägen.
Zur flüssigen N-Düngung dienen neben Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung vor Allem S-haltige Fertigprodukte, die als Bodeninjektion oder oberflächennah vorzugsweise mittels eines Schleppschlauchs ausgebracht werden können. Individuelle Tankmischungen aus Ammonnitrat-Harnstoff- und Ammonsulfat-Lösung ermöglichen bei vorhandener Logistik eine standortspezifische S-Versorgung.

Rapsdüngung