Weltmarkteinflüsse und Ausblick auf die Ölsaatenmärkte

von Thomas Mielke, ISTA Mielke GmbH

Zusammenfassung des Vortrags von Thomas Mielke vom Weltmarktforschungsbüro ISTA Mielke GmbH und seit 1958 Herausgeber des Marktberichts Ölwelt, anlässlich der Rapool-Fachtagungen vom 27. Januar – 21. Februar 2014.

Die Rapspreise sind seit Mitte 2013 deutlich eingebrochen und liegen zur Zeit bei EUR 350-360 pro Tonne für alterntige Termine und bei EUR 320-330 für die neue Ernte. Die Rapspreise sind innerhalb der vergangenen 12 Monate um EUR 90-100 pro Tonne zurückgegangen. Das hat mehrere Gründe.

  1. Besser als erwartete Rapsernten im Sommer 2013. In der Europäischen Union wurden 21,0 Mio. Tonnen produziert, ein 4-Jahreshoch und 1,3 Mio. Tonnen mehr als im Vorjahr. In Deutschland wurde die Ernte um ca. 0,9 Mio., in Polen um 0,5 Mio. und in der tschechischen Republik um 0,3 Mio. Tonnen ausgedehnt. Deutliche Zuwächse gab es auch in Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Dänemark, während in Frankreich und Großbritannien zum Teil deutliche Rückgänge verzeichnet wurden. In Kanada wurde eine bombastische Ernte von 18,0 Mio. Tonnen eingefahren, 4,0 Mio. Tonnen mehr als im Vorjahr. Es ist den kanadischen Bauern innerhalb der letzten wenigen Jahre gelungen, durch die Einführung neuer Sorten, die Durchschnittserträge ungewöhnlich stark zu erhöhen (alles Sommerraps). In der Ukraine wurden 2,4 Mio. Tonnen Raps produziert, 1,1 Mio. Tonnen mehr als im Vorjahr. Allerdings ist die Produktion in Australien und den USA rückläufig. Die Weltproduktion von Raps beträgt laut neuester Ölweltprognose 69,3 Mio. Tonnen in dieser Saison und damit 5,4 Mio. Tonnen mehr als im Vorjahr (siehe Monatsausgabe vom 24. Januar 2014). Die Stimmung bei den Rapsproduzenten ist schlecht. Aus Brüssel kommt Gegenwind mit neuen Vorschriften. Die Energieziele werden zum Nachteil von Raps
  2. Die Rapspreise haben außerdem durch den Überschuss bei Sonnenblumensaat gelitten. Rekordernten fast überall: in der Europäischen Union wurden 8,8 Mio. Tonnen Sonnenblumensaat produziert (1,7 Mio. Tonnen mehr als im Vorjahr), in Russland 9,7 Mio. Tonnen (plus 1,7 Mio. Tonnen), in der Ukraine 11,0 Mio. Tonnen(plus 2,7) und in der Türkei 1,5 Mio. Tonnen (plus 0,4). Zusammengenommen für diese Länder/Regionen ergibt sich eine Produktion von 31,0 Mio. Tonnen, etwa 6,5 Mio. Tonnen mehr als im Vorjahr ! Allerdings waren Rückgänge in den USA und Argentinien zu verzeichnen. Die argentinische Sonnenblumenernte wird Anfang 2014 nur etwa 2,3-2,4 Mio. Tonnen betragen, im Vergleich zu normalerweise 3-4 Mio.Tonnen (aufgrund schlechter Witterungsbedingungen).
    Sonnenblumensaat war seit August 2013 der Preistreiber nach unten und hat zum Teil auch zu der Schwäche von Raps und Rapsöl beigetragen. Sonnenblumenöl wird zur Zeit auf dem Weltmarkt unter den Sojaöl- und Rapsölpreisen angeboten. Ich erwarte, dass sich diese Tendenz noch mindestens 2-3 Monate fortsetzt, obwohl die schwierige politische Lage in der Ukraine Sorgen bereitet und möglicherweise – falls die Lage sich weiter zuspitzt – Auswirkungen auf die Exporte von Sonnenblumenöl und -schrot haben könnte. Bei beiden Produkten ist die Ukraine mit großem Abstand der weltweit größte Exporteur.
  3. In Südamerika wurden im Januar die ersten Sojabohnen geerntet, mit zum Teil sehr guten Erträgen. Insgesamt wird eine Rekordernte von fast 160 Mio. Tonnen in Südamerika erwartet (14 Mio. Tonnen mehr als im Vorjahr), mit großen Zuwächsen in Brasilien, Argentinien und Paraguay. Allerdings gibt es eine Menge von Unsicherheiten, insbesondere die schlechte, zurückhaltende Verkaufsbereitschaft der argentinischen Farmer und die logistischen Probleme. Es wird auch in diesem Jahr wieder mit Verzögerungen beim Inlandstransport und den Exporten von Sojabohnen und Produktion gerechnet werden müssen, was wiederum zu Verzögerungen bei den Ankünften in den Importländern führen wird. Die Erwartung eines riesigen Sojabohnenangebots hat in den letzten Wochen zum allgemeinen Preisdruck beigetragen, sollte aber, zumindest was die Auswirkung auf Raps angeht, weitestgehend in den heutigen Preisen diskontiert sein.

    Preisaussichten
    Die neuerntigen Rapspreise von zur Zeit EUR 32-33 (pro 100 Kilo) sind für den Produzenten nicht attraktiv. Als Landwirt würde ich mit Verkäufen zurückhaltend sein. Dafür gibt es mehrere Gründe:
    1) Die Auswirkungen der momentanen Fröste hier in Deutschland sind unklar. Der Raps war zum Teil in einigen Regionen schon relative weit entwickelt. Außerdem fehlte in vielen Gebieten eine ausreichende Schneedecke als in der zweiten Hälfte von Januar die Temperaturen unter -10°Grad Celsius fielen.
    2) Die Europäische Union ist weiterhin ein großer Importeur. Die Verarbeitung von Raps lag deutlich über den Erwartungen in der ersten Hälfte dieser Saison. Ich schätze den gesamten EU Rapsimportbedarf auf 3,6 Mio. Tonnen im Juli/Juni 2013/14, etwa 0,2 Mio. Tonnen mehr als in der letzten Saison.
    3) Die Deckung des weltweiten Importbedarfs von Raps wird schwierig, da Kanada als Exporteur in den nächsten Wochen zum Teil ausfällt. Sehr große logistische Probleme haben zu langen Wartezeiten an den Häfen geführt. Heute warten ca. 30 Schiffe im Hafen von Vancouver auf Ladung, viele davon auf Raps/Canola. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Waggons (für den Inlandstransport) ist zu gering, zumindest was den Canola-Transport betrifft. Häufig werden Düngemittel und andere Waren vorgezogen, die höhere Frachtraten im Inlandstransport erzielen. Trotz einer Rekordernte wird kanadischer Raps zur Zeit kaum im Export angeboten, da die Exporteure nicht wissen, ob sie zum zugesagten Termin die Menge im Exporthafen zur Verfügung stellen können. Dadurch sind die Inlandspreise und die Canola-Futures in Winnipeg zusammengebrochen und lagen zuletzt ca. US-$ 100 unter dem europäischen Raps. Das ist zum Nachteil der kanadischen Farmer und es bleibt abzuwarten, inwieweit sie ihre Anbaufläche in diesem Frühjahr reduzieren, auch in Erwartung von Rekordvorräten Ende dieser Saison (von mehr als 3 Mio. Tonnen). Dadurch muss Australien größere Mengen in die traditionellen kanadischen Märkte exportieren, insbesondere nach Japan, Pakistan und China. Dadurch stehen kleinere Mengen aus Australien für Europa zur Verfügung. Ich gehe daher davon aus, dass die MATIF Rapspreise aufgrund dieser Sondersituation in den nächsten 1-4 Monaten steigen werden.
    4) Ich erwarte, dass aufgrund der steigenden Sojabohnenproduktionen- und Exportmengen in Südamerika, die Sojabohnenpreise fallen werden, während die Rapspreise stabil bleiben oder sogar steigen sollten. Zur Zeit liegen die Sojabohnenpreise über denen von Raps. Dies wird sich ändern und Sojabohnen werden unter Raps fallen, auch aufgrund von dann schwächelnden Schrotpreisen. Die Rapspreise werden dagegen stabil bleiben oder sogar steigen. Auch die neuerntigen Rapspreise in Deutschland werden von dieser Sonderentwicklung profitieren.
    5) Weltweit ist der Verbrauch von Ölen & Fetten (und damit von Ölsaaten) und Getreide sehr hoch. Dies wird auch deutlich durch die Rekordexportmengen, die bei Ölkuchen und Getreide in der ersten Hälfte dieser Saison registriert wurden. Weltweit hat sich der Verbrauch von Ölen & Fetten und von Ölkuchen in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. China wird in dieser Saison die Importe von Sojabohnen um 10 Mio. Tonnen gegenüber dem Vorjahr auf fast 70 Mio. Tonnen erhöhen. Die chinesischen Rapsimporte werden auf mindestens 3,5 Mio. Tonnen steigen (falls genügend aus Australien exportiert werden kann). Hohe Zuwachsraten im Verbrauch sind auch festzustellen in Indien und in vielen anderen asiatischen Ländern. Asien ist zweifellos der Wachstumsmotor auf der Verbrauchsseite, nicht nur bei Ölen & Fetten, sondern auch bei Ölkuchen.
    6) Das Palmölangebot ist knapp. Die weltweiten Vorräte lagen Anfang Januar ca. 1,0 Mio. Tonnen unter dem Vorjahr. Das Produktionswachstum schwächt sich ab. Insgesamt rechnen wir in unserer neuesten Ölweltprognose mit einem nur unterdurchschnittlichen Zuwachs des weltweiten Palmölangebots von 1,9 Mio. Tonnen in der Saison 2013/14 im Vergleich zu einem Zuwachs von 4,7 Mio. Tonnen im Vorjahr. Indonesien wird den Inlandsverbrauch von Biodiesel mehr als verdoppeln. Dafür wird mehr Palmöl im Inland benötigt. Der indonesische Palmölinlandsbedarf wird um ca. 1,6 Mio. Tonnen in dieser Saison steigen. Dadurch gehen die indonesischen Exporte zurück. Die globalen Palmölexporte werden voraussichtlich das erste Mal in 16 Jahren fallen und zwar um ca. 1,0 Mio. Tonnen im Vergleich zu einem Zuwachs von 3,9 Mio. Tonnen im Vorjahr. Es ist zu erwarten, dass die Vorräte von Palmöl relative klein bleiben und die Palmölpreise zumindest moderat steigen werden. Wir erwarten, dass Palmöl zum Teil über den Preisen von Sojaöl in den nächsten Monaten liegen wird. Das bedeutet, dass auch von der Palmölseite stützende Einflüsse auf den Rapspreis zu erwarten sind. Bei der Vermarktung Ihrer neuerntigen Rapsmengen, insbesondere beim Timing, wünsche ich Ihnen ein gutes Händchen und viel Erfolg. Gerne bin ich bereit, Ihnen weitere Informationen zur Verfügung zu stellen.

    27. Januar 2014 ISTA Mielke GmbH, OIL WORLD, Hamburg